Essemtec und Promess sind die neuen Eigentümer von Vermes Mit Synergien die Marktpräsenz ausbauen

Florian Schildein, Essemtec: »Der Name Vermes steht am Markt für Qualität und Zuverlässigkeit. Deshalb macht es allein strategisch keinen Sinn, Vermes mit einem der Eigentümer-Unternehmen zu verschmelzen.«

Seit Mai dieses Jahres gehört Vermes Microdispensing nach einem Insolvenzverfahren zu gleichen Teilen den Firmen Essemtec und Promess - beide waren vor dem Kauf bereits Kunden bei Vermes. Diese neue Eigentümerstruktur ist der Initiative von Vermes-Geschäftsführer Jürgen Städtler zu verdanken, der damit verhindert hat, dass Vermes an einen Mitbewerber verkauft wird. An Schlagkraft mangele es Vermes nicht, versichert Städtler, schließlich zählt Vermes im High-End-Bereich, dem Dispensen mit hoher Geschwindigkeit und Präzision, zu den Spitzenreitern am Markt.

Microdispensing ist eine Querschnittstechnologie, die nicht nur in der Elektronikfertigung viel Potenzial verspricht: Die Microdispense-Systeme von Vermes kommen auch in der Fertigung von Displays, der LED-Produktion, im Automotive-Segment - hier beispielsweise bei der Herstellung von Elektro-Motoren -, im Maschinenbau, der Photovoltaik-Fertigung, der chemischen und pharmazeutischen Industrie und der Medizintechnik zum Einsatz. Die Microdispenser dosieren abhängig vom Modell niedrig-, mittel- und hochviskose Medien, beispielsweise unterschiedliche Klebstoffe vom UV-Klebstoff über anaerobe Adhesives bis hin zu Cyanoacrylaten (Sekundenkleber), Silikone, Öle, standfeste Fette, wässrige Lösungen und Vergusse. Den größten Umsatz generiert Vermes derzeit in Asien vorwiegend in der LCD- und LED-Fertigung. Zu den Kunden zählen in diesen Bereichen beispielsweise Osram und LG Electronics.

Dass Vermes ein im Kern gesundes und potenzialträchtiges Unternehmen ist, möchte Städtler von vorne herein klargestellt wissen: »Wir sind der technisch führende Anbieter: Wo Benchmarks über die Auftragsvergabe entscheiden, haben wir noch nie verloren.«  Das Insolvenzverfahren sei laut Städtler in erster Linie ein Schachzug des ehemaligen Eigentümers, der Wöllner-Gruppe, gewesen. Auf Details möchte Städtler nicht eingehen, nur so viel, dass der Insolvenzverwalter eigentlich einen Mitbewerber von Vermes als Wunschkandidaten für die Übernahme auserkoren hatte, was zu einer Monopolstellung des neuen Unternehmens geführt hätte. »Für uns war eine solche Übernahme mit der Gefahr verbunden, dass wir auf kurz oder lang in diesem Unternehmen aufgegangen wären«, schildert Städtler.

Der Einstieg von Essemtec und Promess, den Städtler forciert hat, ist hingegen eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und nicht zuletzt für die Kunden, die so auch weiterhin zwischen den Anbietern wählen können. Ein bisschen ungewöhnlich waren die Umstände der Firmenübernahme schon: Schließlich kannten sich die beiden neuen Eigentümer vor dem Kauf nicht, beide waren aber bereits Kunden von Vermes »und wussten daher, unser Potenzial richtig einzuschätzen, denn Promess und Essemtec setzen die Dispens-Ventile schon seit langem in ihren Maschinen ein«, erklärt Städtler. Dass Vermes auch künftig ein eigenständiges Unternehmen bleiben wird, versichern die neuen Eigentümer. Florian Schildein, Leiter Vertrieb und Marketing bei Essemtec, erklärt dazu: »Der Name Vermes steht am Markt für Qualität und Zuverlässigkeit. Deshalb macht es allein strategisch keinen Sinn, Vermes mit einem der Eigentümer-Unternehmen zu verschmelzen.« Synergien im Vertrieb und Marketing wolle man aber selbstverständlich nutzen.

Eine enge Zusammenarbeit soll es laut Schildein vor allem mit Essemtec im Bereich der Elektronikfertigung geben: »Das Dispensen ist eines der technisch anspruchsvollsten Themen in der SMT-Fertigung. Vermes verfügt über das tiefe und umfassende Prozesswissen, das wir uns erst hätten aufbauen müssen.« Laut Städtler ist das Dispensen ein beim Kunden nicht sonderlich geliebter Prozess: »Die Kunden würden ihre SMT-Fertigung am liebsten »trocken« fahren, aber das geht eben nicht.« Ob und wie sich ein Medium dispensen lässt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die man kaum pauschal beantworten kann: Örtliche Besonderheiten in der Produktionsumgebung am POD (Point of Dispensing) wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur oder Lichteinfall, die Bedingungen unter der das Medium gelagert wurde bzw. Chargenunterschiede des Mediums sind nur einige Punkte, die den Dispensing-Prozess beeinflussen. Mit dem Kauf eines Dispensers in der Bestückungsmaschine ist es also bei weitem nicht getan, wie Schildein weiß: »Der Kunde braucht hier umfassende Beratung und Unterstützung, deshalb ist es für uns als Turn-Key-Anbieter wichtig, dass wir hier Know-how bieten können.« Die Synergien will Essemtec auch dazu nutzen, um seine Präsenz im Dispenser-Maschinenmarkt auszubauen. Weitere Marktanteile gewinnen will auch Vermes: Im Visier hat der Geschäftsführer vor allem die Bereiche Photovoltaik, LED- und LCD-Fertigung in Osteuropa, Südostasien, Korea, China und Japan.

»Piezo-Ventile haben deutliche Vorteile« 


Technisch punkten die Systeme von Vermes vor allem durch den Einsatz von leistungsfähigen Piezo-Stacks, die gegenüber pneumatischen Ventilantrieben laut Städtler einige Vorteile aufweisen: Sie sind kräftiger, schneller, präziser, kleiner, leichter und vor allem hochgenau steuerbar. Auch das wartungsfreundliche Konzept von Vermes überzeugt: Die Microdispenser sind darauf ausgelegt, dass der Kunde weitgehend alle Verschleißteile selbst austauschen kann, somit eine zeitaufwändige Rücksendung an Vermes nicht erforderlich ist. »Das ist vor allem für Kunden in weit entfernten Regionen wie Asien ein Verkaufsargument«, erläutert Städtler. So kann der Bediener relativ einfach selbst Düseneinsätze wechseln - laut Städtler ist das bei den Geräten anderer Anbieter am Markt nicht möglich. Sogar den Wechsel des Stößels - ein klassisches Verschleißteil - kann der Kunde selbst vornehmen: »Deshalb wird das Ventil immer häufiger im hoch abrasiven Bereich verwendet, beispielsweise für weiße LEDs«, so Städtler.

Schnell und präzise

Das Flaggschiff von Vermes Microdispensing ist das Microdispense-System MDS 3200A mit dem Jetventil MDV 3200A: Es eignet sich laut Vermes für mittel- und hochviskose Medien bis zu 2.000.000 mPas. Unter diese Kategorie fallen zum Beispiel SMT-Klebstoffe - auch gefüllte Leitkleber mit hohem Feststoffanteil, Silikone und Underfill-Materialien. »Die Kraft des Piezos wird durch eine ausgeklügelte Umlenkeinrichtung zum Medium übertragen - dadurch kann das MDS 3200A Medien in den höchsten Viskositätsbereichen jetten und erzeugt dabei einen Druck bis zu 1000 bar«, beschreibt Jürgen Städtler, Geschäftsführer von Vermes, die Besonderheit des MDS 3200A. Dabei ist das System auch noch besonders schnell: Das Ventil öffnet und schließt bei vollem Hub mit bis zu 1000 Hz. Die Dosiermenge beträgt  mindestens 2 nl pro Puls, abhängig vom Medium. Die automatische Selbstkalibrierung des Systems sorgt für eine hohe  Ventil-zu-Ventil-Genauigkeit: Kleine Bauteile lassen sich präzise auch in Spalten, Kavitäten und auf unregelmäßige Oberflächen positionieren. Der modulare Aufbau ermöglicht es, das MDS 3200A kundenspezifisch zu konfigurieren. Es ist auch möglich, dasselbe Ventil durch den Austausch von Düsen und Stößel in verschiedenen Prozessen und für verschiedene Dosiermedien zu verwenden. Das MDS 3200A ist praktisch unbegrenzt medienverträglich, weil sich alle medienberührenden Teile austauschen und speziell auf das Medium ausgelegt konfigurieren lassen.