COG schafft PCN-Standard Mit Smart PCN 2.0 leichter durch den Abkündigungsdschungel

Derzeit ist die COG dabei, ihr Format bei Unternehmen und anderen Verbänden vorzustellen, so auch auf dem Markt&Technik Round Table »Obsolescence Management«, zu dem sich Bauelemente-Hersteller, Vertreter der Distribution, EMS-Unternehmen und Obsolescence-Dienstleister trafen.

Bislang kostet es Bauelemente-Kunden viel Mühe, wichtige von unwichtigen Product Change Notifications (PCNs) zu unterscheiden, weil es kein einheitliches Format gab. Die Component Obsolescence Group hat jetzt mit »Smart PCN 2.0« einen XML-basierten Standard definiert, der die wesentlichen weltweiten Anforderungen an PCNs zusammenfasst.

Der neue COG-Standard führt also die im JEDEC-Standard inkludierten PCN-Vorgaben, die Inhalte des aktuellen ZVEI-PCN-Standards und die PCN-Guidelines der großen internationalen Fertigungsbetriebe zusammen. Derzeit ist die COG dabei, ihr Format bei Unternehmen und anderen Verbänden vorzustellen, so auch auf dem Markt&Technik Round Table »Obsolescence Management«, zu dem sich Bauelemente-Hersteller, Vertreter der Distribution, EMS-Unternehmen und Obsolescence-Dienstleister trafen. Fab-Verlagerungen, Änderungen am Produkt, aber auch Abkündigungsmeldungen versenden Hersteller und Distributoren an ihre Kunden üblicherweise per E-Mail.

Das führt zu einem Wust an PCNs im elektronischen Posteingang der Bauteile-Kunden und im schlechtesten Fall dazu, dass eine wichtige PCN unentdeckt im Postfach schlummert. Das Worst-Case-Szenario wäre also, dass der Bauteile-Kunde eine Abkündigungsmeldung, eine entscheidende Veränderung am Bauteil oder auch die nach der JEDEC-Norm bestehende Einspruchsfrist gegen eine Abkündigung übersieht. Der finanzielle Schaden kann in so einem Fall enorm sein, weil eine nicht rechtzeitig erkannte Abkündigung oft teure Re- oder Neudesign der Applikation nach sich zieht. Lacon beziffert die eingehenden PCNs auf 200 bis 250 pro Monat, TQ auf bis zu 420 pro Monat, wobei hier die doppelten PCNs, die dadurch entstehen, dass ein produzierendes Unternehmen normalerweise bei mehreren Anbietern kauft, noch nicht abgezogen sind. Bereinigt, beläuft sich die Zahl im Fall von BMK immer noch auf 160 pro Monat, wobei ein Großteil der Arbeit eben darin liegt, erst mal die Dubletten herauszufischen.

»Der PCN-Wust ist also alleine schon personell ein Problem«, betont Ulrich Ermel, Leitung Obsolescence Management und Kundencenter von TQ und Vorstandsvorsitzender der COG. TQ beschäftigt derzeit zwei Personen alleine dafür, um die eingehenden PCNs zu bearbeiten. Und das sind mitnichten »nur« Praktikanten. »Diese Tätigkeiten sind keine Hilfsarbeiten. Der zuständige Mitarbeiter muss sich mit der Materie auskennen und die Informationen kategorisieren und priorisieren.« Dieses Procedere ließe sich nach den Worten von Anke Bartel, Kundenteamleiterin von BMK, mit einem Standard deutlich vereinfachen, weil dann zum Beispiel gleich auf den ersten Blick in der Betreffzeile sichtbar würde, um welche PCN es sich handelt.

Die COG beschäftigt sich schon seit drei Jahren mit der Einführung eines PCN-Standards: Die erste Version basierte auf einem XLS-Format und war damit sehr wenig flexibel, denn XLS ist nicht dafür konzipiert, Daten ein- und auszulesen. In einem neuen Anlauf entstand im Arbeitskreis Smart PCN der COG jetzt das XML-Format. Das ist IT-unterstützt und wird auch im Rahmen der Schnittstellenthematik zwischen verschiedenen Systemen häufig benutzt.
Fernziel ist der weltweite Standard

Erst mal soll der Standard in Deutschland und Europa Fuß fassen. Langfristiges Ziel ist nach Aussage von Axel Wagner, zuständig für Consulting, Legal & Compliance von Würth Elektronik eiSos, aber eine weltweite Adaption. Das dürfte aber noch ein enormer Kraftakt für die COG werden. Wagner sieht aber keinen Grund, der einer globalen Akzeptanz im Wege stehen könnte: »Bei größeren Systemen sollte das kein Problem sein, denn jedes größere System hat Schnittstellen, an die man mit XML andocken kann. Das ist ja die Grundidee hinter Smart PCN 2.0.« Gleichzeitig, so Wagner, sei die COG dabei, einen Daten-Converter mit auf dem Weg zu bringen. »Aufgrund der hohen Durchdringung der EDV dürfte es also nicht so schwer sein, ein solches Format im Markt zu pushen«, ergänzt Volker Goller, Applications Manager Europe von Innovasic. Und nachdem Smart PCN 2.0 die wichtigsten Anforderungen weltweit berücksichtigt, kann jeder, der die Smart PCN 2.0 einsetzt, auch die großen Player in der Lieferkette adäquat bedienen.

Die internationale Akzeptanz steht und fällt aber mit der Bereitschaft der Hersteller, auf das Format aufzuspringen. Und darin sieht Stefan Stockbauer, Director Customer Operations, ein Problem: »Amerikanische Firmen gehen grundsätzlich nach dem amerikanischen Standard und nicht nach dem europäischen Standard. Ein Halbleiter-Hersteller, der in allen Regionen aktiv ist, muss allen Regionen gerecht werden, insofern wird es schwierig zu verargumentieren, warum man auf einen europäischen Standard aufsetzen sollte.« Diesen Einwand lässt Wagner aber nicht gelten: »Der Smart PCN 2.0 setzt ja nicht den Inhalt fest, der ist jeweils festgesetzt durch JEDEC, ZVEI und die Guidelines der großen internationalen Fertigungskonzerne. Smart PCN 2.0 wird hauptsächlich zum Transportmittel dieser Informationen, deshalb sind wir von Regionen völlig unabhängig.« Nach Ansicht von Bartel könnte der Smart-PCN-Standard sogar den Wettbewerb der Hersteller untereinander beflügeln, wenn der Kunde seinen Hersteller (auch) danach auswählt, ob er die PCNs im Smart PCN 2.0 Standard liefert oder nicht.

Dennoch bleibt nach Ansicht des FBDi-Geschäftsführers Wolfram Ziehfuss noch eine Menge Lobbyarbeit zu tun, um in die Entscheidungsgremien der wichtigsten Hersteller vorzudringen: »Wir müssen so etwas als Europäer mit viel Fingerspitzengefühl angehen. Denn die Marktmacht der Europäer ist gering, weil sie nur noch etwa 12% des weltweiten Halbleitermarktes repräsentieren.« Zwischen der COG und dem FBDi gibt es seit einiger Zeit bereits Gespräche zum Thema »Smart PCN«: »Wir sind grundsätzlich für einen solchen Standard und unterstützen das, so weit es geht.« Ein Problem sieht Ziehfuss aber darin, dass viele großen Distributoren ihr hauseigenes PCN-Handling-System aufgesetzt haben und sich nun wieder umstellen müssen. Aber, so Bartel, »dafür waren einige kleinere Distributoren sofort bereit, den Standard einzusetzen.«