Umsatzeinbruch Leiterplattenhersteller Schoeller entlässt - die Fakten

Dass Schoeller Electronics zum 1. März etwa 40 Mitarbeiter entlassen wird, sorgte in den Medien für wilde Spekulationen. Wolfgang Winkelmann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, erläutert gegenüber der Markt&Technik die Fakten.

Weniger Massengeschäft, dafür mehr "HighEnd" - darauf will sich Schoeller künftig konzentrieren, wie Winkelmann erklärt: "Wir sind in Europa und weltweit im Bereich starrflex Führend und bei der Multilayer-Technologie im HighEnd Bereich Hybridaufbauten sind wir gut vertreten. Mit dieser Ausrichtung haben wir 2010 begonnen und setzen das jetzt konsequent fort." Bislang liefen im Bereich der Industrieleektronik und der Telekommunikation auch größere Serien.

Aber, so Winkelmann, "in diesem Segment gibt es schon seit Mitte 2012 eine wirtschaftliche Anspannung und der Wettbewerb ist hier deutlich größer als im HighTech Bereich. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir unsere Kapzitäten anpassen und uns nicht mehr so stark auf die Massenproduktion fokussieren, sondern auf anspruchsvolle Technologien.

Schoeller hatte im vergangenen Geschäftsjahr Umsatzeinbußen in Höhe von etwa 10 Millionen Euro hinnehmen müssen. Und diese Entwicklung ist für einen europäischen Leiterplattenhersteller schon fast typisch: Wenn man die Leiterplattenproduktion in Europa über die letzten 10 Jahre betrachtet, spricht das Bände: 478 waren es seiernzeit jetzt sind es noch 252. "Wenn man sich das Umsatzvolumen anschaut sieht man, dass die Konsolidierung im Großvolumigen Bereich und bei den Kleinen stattgefunden hat. Die kleinen Leiterplattenbetriebe haben am meisten verloren, weil sie nicht die finanzielle Kraft haben, um innovationstechnisch am Ball zu bleiben. Das mittlere Umsatzsegment zwischen zwischen 10 und 35 Mio. Jahresumsatz ist dagegen relativ stabil geblieben", so Winkelmann.

Schoeller liege genau in diesem mittleren Segment "mit Tendenz nach oben". Winkelmann sieht sein Unternehmen daher für die Zukunft gut aufgestellt, weitere Einschnitte seien nicht geplant. Und auch die Verkaufs- bzw- Übernahmegerüchte, die in den Medien kursierten, weist Winkelmann zurück und bezeichnet sie als "rein spekulativ." 

Große Serien werden zunehmend in Asien produziert, darunter leidet nicht nur Schoeller, sondern auch zig weitere deutsche Leiterplattenhersteller. Nach Ansicht von Winkelmann ist die Spezialisierung der einzige Weg, um sich von dieser Massenkonkurrenz abzuheben. Alleine in den vergangenen beiden Jahren hat Schoeller 3,6 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen und Automatisierung investiert. Darüber hinaus hält die Firma einige Patente im Bereich der starrflexiblen Leiterplatten.

"Wer sich spezialisiert, hat langfristig sehr gute Chancen", ist Winkelmann sicher. Dazu hat Schoeller nicht nur seine Vertriebsregionen ausgeweitet und die Vertriebsstrukturen optimiert, sondern setzt auch verstärkt auf eine engere Kundenbindung durchc mehr Support: "Wir wollen unsere Kunden im HighEnd-Bereich unterstützen, dass sie  ihre  Gesamtentwicklung kostengünstiger gestalten können." Denn Design-for-Cost fängt bekanntlich ja schon beim Leiterplattenlayout an.  

Und Winkelmann hat noch ein Argument, warum Kunden aus dem HighEnd Segment nicht beim Leiterplattenhersteller aus Asien bestellen sollten: "Bei uns hat der Kunde die Sicherheit gibt, dass sein KnowHow in Europa bleibt." In Asien dagegen ist IP-Klau an der Tagesordnung.