Die Einkäufer müssen es wohl akzeptieren Leiterplatten: »Preiserhöhungen zwischen 7 und 10 Prozent«

Michael Gasch, Data4PCB: »Das Laminat hat sich in den letzten sechs Monaten um ca. 45 Prozent verteuert. Tendenz weiter steigend.«

Eine Branche, die nachhaltige Preiserhöhungen quasi überhaupt nicht kennt, bittet nun zur Kasse: die Leiterplattenindustrie. Und das zu Recht! Rohstoffe und Basismaterialien haben sich extrem verteuert.

Eines vorweg: Die Auftragslage in der gesamten Leiterplattenindustrie hat sich seit Jahresanfang enorm verbessert. Gejammert wird nicht mehr in Deutschland und schon gar nicht mehr in Asien. 

»Das Geschäft läuft viel besser als erwartet«, sagt Andreas Brüggen, Geschäftsführer der Firma MicroCirtec, die konsequent auf eigene Herstellung in Deutschland setzt. »Ich fühle mich wie der Eisverkäufer, der nach einem langen und harten Winter einen herrlichen 35-°C-Sommertag erlebt - mit hoffentlich anschließender Trockenperiode.«

Aber auch in den anderen Unternehmen ist der Aufschwung größtenteils angekommen!

Die Preiserhöhungen, die die Leiterplattenindustrie durchsetzen will, haben jedoch wenig mit der außerordentlich guten Stimmung am Markt zu tun. Von einer Mitnahmementalität könne keine Rede sein, darauf bestehen die Hersteller und das bestätigt auch der unabhängige Markbeobachter Michael Gasch von Data4PCB. Der asiatische Markt ist schneller angesprungen als von vielen erwartet. Die Folge: »Der Preis für das Laminat ist stark gestiegen, in den letzten sechs Monaten um etwa 45 Prozent!«, berichtet Michael Gasch. Bei den Leiterplatten fällt dies natürlich ins Gewicht! Zumal, wie Andreas Brüggen von MicroCirtec berichtet, »bereits weitere Ankündigungen der Zulieferer über erneute Preiserhöhungen vorliegen.«

Auch Michael Gasch von Data4PCB betont, dass die heutigen Preise für das Laminat und die Rohstoffe nur eine Momentaufnahme sind. »Liefervereinbarungen mit den Basismaterialherstellern beziehen sich auf die Menge und nicht auf den Preis. Wie sich der Preis am Ende gestaltet, ist noch offen.« Die Vermutungen und Befürchtungen der Branche sind, dass das Preisniveau im Durchschnitt weiter ansteigen wird.

Für eine Prognose ist jedoch der Blick nach Asien zwingend erforderlich: Marcus Knopp, der als Geschäftsführer von LeitOn sehr viel Zeit in seinem Büro in Hongkong verbringt, berichtet, dass die Leiterplattenpreise in China kontinuierlich angehoben werden. »Außerdem ist es so, dass die Basismaterial-Lieferanten mittlerweile die Leiterplattenhersteller hängen lassen. Es wird immer schwieriger, überhaupt an das Rohmaterial heranzukommen.«

In China spricht man also längst nicht mehr nur von Preiserhöhungen, sondern auch schon von einem echten Engpass. Daneben stellt Marcus Knopp fest, dass der »Gebrauchtgeräte-Markt in Asien wie leergefegt ist«. Ein Beispiel: Es sei nahezu unmöglich, an eine gebrauchte Bohrmaschine für die Leiterplattenproduktion zu kommen. Die Vermutung von Marcus Knopp: »Viele neue Firmen bauen in Asien Leiterplattenkapazitäten auf. Dadurch könnten schon bald wieder Überkapazitäten entstehen, was auf mittlere bis lange Sicht die Preise auch wieder drücken wird.«

Aber wird sich kurzfristig etwas ändern?

Michael Gasch von Data4PCB bezweifelt das. »In China hat die Leiterplattenindustrie ihren Vorzugsstatus verloren. An vielen Industriestandorten setzt man heute zum Beispiel sehr strikt die Umweltrichtlinien durch. Es ist nicht mehr so einfach wie früher, die entsprechenden Lizenzen und Genehmigungen zu erhalten.«

Die Lieferzeiten für Leiterplatten betragen heute in Deutschland schon bis zu 80 Tage! Im Vergleich zu anderen Elektronikbauteilen mag das zwar gering erscheinen, im PCB-Segment bedeutet es eine Ewigkeit.

Weil aber in Europa wegen der Konsolidierung der letzten Jahre keine ausreichend große Laminat-Industrie mehr ansässig ist, sind die Leiterplattenproduzenten darauf angewiesen, dass aus Asien genügend Rohstoffe nach Europa kommen. Ist dies nicht der Fall, wird sich die Liefersituation bei Leiterplatten weiter zuspitzen. Michael Gasch hält das für ein realistisches Szenario in der zweiten Jahreshälfte.