Neues Regelwerk IPC-HDBK-630 IPC bringt Richtlinie für die Gehäuse-Fertigung auf den Weg

Zur Fertigung von Gehäusen für elektronische Systeme gibt es derzeit so gut wie keine offiziellen Vorgaben oder Spezifikationen. Ein umfangreicher Leitfaden der IPC steht jetzt kurz vor der Fertigstellung.

Nicht zuletzt deshalb, weil Auftragsfertiger die elektronische Baugruppen und Module herstellen, diese zunehmend in »Blackboxen« montieren, wird der Klärungs- und Informationsbedarf in diesem Segment zunehmend akut. Die IPC-HDBK-630, Guidelines for Design, Manufacture, Inspection, and Testing of Electronic Enclosures (Leitfaden für Design, Herstellung, Inspektion und Prüfung von Elektronik-Gehäusen) bündelt Grundsätze, Regeln und Vorschriften und behandelt zahlreiche Graubereiche bei Gehäusen, die von Lackierung über Materialien bis zu EMV-Schutz und Anforderungen an Befestigungselemente reichen. »Das Handbuch ist ein umfangreiches Dokument mit zahlreichen Anleitungen, Leitfäden zu Themen, die zu beachten sind sowie Empfehlungen für Entwickler und Hersteller zu allen Projektphasen: vom Erstentwurf bis zu Produktion und Test«, erläutert sagt Kris Roberson, Projektleiter Baugruppentechnologie beim IPC.

Die Anleitungen unterstützen Designer bei der Materialauswahl für die Gehäuse. Verbundwerkstoffe, Kunststoffe und Bleche sind nur einige Beispiele der zahlreichen Möglichkeiten. Eigenschaften, Kosten und Herstellungsaspekte werden im Material-Abschnitt erörtert. Ergänzend dazu erläutert der Leitfaden auch die mechanischen Gesichtspunkte wie etwa die Festigkeit von Gussstücken erörtert. Die komplexen Aspekte der Beschichtungen erläutert das Regelwerk ebenfalls. Der Leitfaden behandelt auch Endoberflächen. Beim Lackieren etwa ist einer der entscheidenden Aspekte, ob die Oberfläche grundiert werden soll und welche Grundierungsart zu verwenden ist. Der Leitfaden erklärt Unterschiede zwischen Optionen wie Chrom und Chromat, die in Dichtmitteln zum Einsatz kommen. Ein weiterer Abschnitt hat die eigentlichen Gehäusebaugruppen zum Inhalt. Er beschreibt Verfahren, wie Gehäuse zu montieren sind. Der Anwender muss sich zwischen Verbindungselementen und Klebstoffen entscheiden. Im nächsten Schritt  muss er gezielt bestimmte Verbindungselemente oder Klebstofftypen auswählen. Falls er Verbindungselemente wie Gewindebolzen oder Schrauben verwendet, muss er festlegen, welches Anzugsdrehmoment erforderlich ist, um eine sichere Verbindung zu schaffen, ohne das Material zu schädigen. Der Leitfaden legt Parameter für den Test der fertigen Baugruppen fest, um die Übereinstimmung mit den Kundenanforderungen festzustellen. »Wir definieren sowohl funktionelle Tests als auch Tests in punkto »Kosmetik«. Dabei geht es zum Beispiel um Kratzer bei unterschiedlichen Oberflächen und wie der Anwender sie bewerten kann«, so Roberson.

Der Leitfaden umfasst 198 Seiten, ist anschaulich bebildet und mit Tabellen versehen. Laut Roberson ist er aber nur das erste Ergebnis der Aktivitäten des IPC im Bereich »Gehäuse«. »Sobald das Handbuch im ersten Quartal 2013 in Druck gegangen ist, werden sich die Ausschuss-Mitglieder der Richtlinie IPC-A-630, Requirements and Acceptance for Enclosures - Anforderungen und Abnahmekriterien für Gehäuse - zuwenden«, bekräftigt Roberson.  Frühe Rückmeldungen unterstreichen den Bedarf an Richtlinien in diesem Bereich. Das Interesse am Handbuch und der Abnahme-Richtlinie jedenfalls ist laut Roberson bereits in der Entstehungsphase sehr hoch: Wir haben 326 Kommentare zum Handbuch IPC-HDBK-630 bekommen und das belegt eine hohe Beteiligung durch die Branchenakteure.«