Fuji Machine Europe »Industrie 4.0 lässt sich nicht alleine stemmen«

Klaus Gross, Fuji Machine Europe
Klaus Gross, Fuji Machine Europe

Mit der Übernahme von Tower-Factory will Fuji Machine Europe seinen Marktauftritt und die Smart Factory stärken. Wie das Unternehmen den Herausforderungen der Elektronikbranche trotzen will, erläutert Klaus Gross, Geschäftsführer von Fuji Machine MFG. (Europe) GmbH, im Interview.

Markt&Technik: Fuji beteiligt sich an vielen Projekten rund um „Industrie 4.0“, zum Beispiel als Mitglied von „Smart Electronic Factory“. Wie wollen Sie zukünftig auf die Herausforderungen von „Industrie 4.0“ reagieren?

Klaus Gross: Bei unserer Smart Factory in Japan und als Gründungsmitglied der Smart Electronic Factory e.V. in Deutschland arbeiten wir mit vielen Partnern zusammen, und das ist auch unsere Kernaussage: Industrie 4.0 lässt sich nicht alleine stemmen. Partner sind wichtig, um die Herausforderung zu bewältigen, die darin besteht, die Maschinen fehlerfrei miteinander kommunizieren zu lassen. In meinen Augen sind aber vor allem IT-Firmen gefordert: Sie müssen smarte Algorithmen entwickeln, die es den Nutzern erlauben, per Knopfdruck alle von ihnen gewünschten und von den Maschinen gesammelten Daten einfach und schnell aus der Cloud zu holen, um sie sinnvoll weiter nutzen zu können. 
 
Fujis Produktpalette ist für Industrie 4.0 und Smart Factory gerüstet: Unsere Maschinen sind alle netzwerkfähig und lassen sich über die Software Nexim mit der kompletten Produktionslinie verbinden. Ein anderes Beispiel: die Fuji-App, ein Tool, mit dem Anwender die Produktion standortunabhängig überwachen können – gerade in einer Zeit mit hohem Reiseaufkommen sehr nützlich. Deshalb eignet sich die App auch für kleinere Mittelständler. 

Sind auch neue Bestückungstechnologien in Planung?

Ja, wir planen auch neue Bestückungstechnologien. Spätestens zur Productronica werden wir sie präsentieren, deshalb will ich nicht mehr verraten, nur so viel: Neben den klassischen Bestückern wird sich Fuji Machine Europe in Richtung „Robotik“ weiterentwickeln.

Sie haben vor kurzen Tower-Factory übernommen. Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?

Von der Zusammenarbeit mit Tower-Factory GmbH erhoffen wir uns, die Smart Factory weiter auszubauen. Das von Tower-Factory entwickelte Lagersystem kann in die bestehende Prozesskette integriert werden und kommuniziert mit den anderen Maschinen. Wenn zum Beispiel die Fuji NXT III eine neue Bauteil-Rolle braucht, meldet sie sich beim Tower, und der sorgt für Nachschub. Der Firmenname „Tower-Factory GmbH“ bleibt existent. Das smarte Lager-Logistiksystem wird zunächst in Deutschland produziert und global angeboten und verkauft.

Ein weiteres Thema, das die Elektronikindustrie beschäftigt, ist die Miniaturisierung. Wie begegnen Sie diesem Trend? 

Rein mechanisch kommen Hersteller von Bestückungsmaschinen sicherlich allmählich an ihre Grenzen. Obwohl die Bauteile immer kleiner werden, müssen die Systeme ja trotzdem genau arbeiten. Unsere Maschinen sind darauf ausgelegt, Bauelemente ab 0201 mm zu bestücken. Aber auch die Nozzle-Größe und der Pipettendurchmesser werden dadurch immer kleiner. Der Außendurchmesser einer Nozzle beträgt heute nur 0,4 mm, mit einem Innendurchmesser von gerade einmal 0,2 mm. Anwender brauchen daher sehr viele Pipetten, wodurch es schwierig wird, die Maschine zu warten – vor allem von Hand. Deswegen haben wir die Fuji Automation Tools entwickelt, unter anderem die „Auto Feeder Maintenance Unit“ und den „Smart Nozzle Cleaner“. Sie erleichtern die Bedienung, und das Ergebnis wird gleichmäßiger und reproduzierbarer als von Hand. Meiner Meinung dauert es nicht mehr lange, bis es eine Art „Revolution“ gibt, eine neue Technologie, die dafür sorgt, dass es weitergehen kann.
 
Warum verlassen Sie den Standort Mainz-Kastel und gehen nach Kelsterbach?

Der Umzug ist schon ein lang gehegter Wunsch von uns. Wichtig bei der Wahl des Standorts war, dass sich Informations- und Materialfluss sowie Logistik gut kombinieren lassen. Dass wir schlussendlich in Kelsterbach landen, hat sich ergeben, weil dieser Standort unseren Kriterien am meisten zugesagt hat. Neben Autobahnanbindung und Preis war uns auch wichtig, unseren Mitarbeitern einen langen Arbeitsweg zu ersparen – deshalb freut es uns, dass Kelsterbach nur etwa 20 Kilometer von Mainz-Kastel entfernt liegt. 

Was planen Sie für die Zukunft?

Neben neuen Innovationen blicken wir zunächst positiv in die Zukunft, vor allem hinsichtlich des Umzugs und unseres Wachstums. Fuji ist seit fünf Jahren auf Wachstumskurs, und obwohl man in Europa kein gigantisches Wachstum erwarten kann, hoffen wir, 2017 ein Umsatzwachstum von 5 bis 10 Prozent zu erwirtschaften.