Kommentar Hängen wir am Tropf der Rohstoffllieferanten?

Karin Zühlke, Markt & Technik

Rohstoffe stehen ganz am Anfang der Lieferkette und könnten zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für die europäische Elektronikindustrie werden, denn viele Länder spielen ganz gezielt mit der Marktmacht, die ihnen der Ressourcenreichtum beschert.

Während wir uns seit Monaten fast schon routinemäßig um die Verfügbarkeit von Bauelementen sorgen, lässt uns dieser Tage eine Hiobsbotschaft ganz anderer Art aufhorchen: China drosselt die Ausfuhr von Seltenen-Erden-Metallen auf knapp die Hälfte und will deren Ausfuhr sukzessive ganz einstellen. Nun ist es an dieser Stelle gut zu wissen, dass die Elektro- und Elektronikindustrie als der größte Abnehmer dieser landläufig als Seltene Erden bezeichneten Stoffe gilt und dass China mit ca. 93% der größte und derzeit fast einzige Lieferant dieser Substanzen ist. Mit diesem Wissen eröffnet sich erst die ganze wirtschaftspolitische Tragweite dieser Nachricht: Die vermeintlich unscheinbaren Metalle stecken in zahlreichen elektronischen Geräten, unter anderem im iPod, in Flachbildfernsehern, PCs und Elektromotoren.

Die Folgen sind bereits spürbar: Seit kurzem sind einige der Seltenen Erden deutlich teurer. Im nächsten Schritt könnte es zu eklatanten Lieferengpässen kommen, wenn China seinen Beschluss wie angekündigt umsetzt. Ob es sich dabei um eine Drohgebärde handelt, die letztlich »nur« dazu dienen soll, die Preise für derartige Rohstoffe in die Höhe zu treiben oder ob eine eingeschränkte Ausfuhr dieser Substanzen helfen soll, die Elektronikproduktion noch stärker an China zu binden, wer weiß – wahrscheinlich von beidem etwas. Und das ist unerfreulich. Denn dieser Schluss legt nahe, dass der Westen nicht mehr ist als eine Marionette, die nach der Pfeife des asiatischen Riesen tanzt.

Ganz unerwartet trifft uns diese Ausfuhrbeschränkung Chinas freilich nicht. Die internationalen Rohstoffmärkte sind bekanntermaßen geprägt von Wettbewerbsverzerrungen und Handelsbeschränkungen. Viele Länder erschweren ganz gezielt die Ausfuhr von Rohstoffen oder subventionieren deren Einfuhr, um den heimischen Firmen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Dieses Phänomen beschränkt sich allerdings nicht auf den Rohstoffhandel, sondern lässt sich in der Lieferkette beliebig weiter eskalieren. So erheben beispielsweise China und einige Schwellenländer auf die Einfuhr von Bauelementen, Baugruppen und elektronischen Systemen Einfuhr- bzw. Schutzzölle, um die eigenen Märkte vom Wettbewerb abzuschotten. Fairerweise muss man aber zugeben, dass die Industrieländer und besonders die EU nicht zimperlich sind, wenn es darum geht, sich die unliebsame Konkurrenz in der Agrarwirtschaft vom Hals zu halten. Etwas von diesem Elan würde man auch den deutschen und europäischen Wirtschaftspolitikern wünschen, wenn es um die Belange der Elektronikindustrie geht.

Was können Firmen schlussendlich tun, um ihre Wertschöpfungskette(n) zu optimieren und den Standort Deutschland zu stärken? Dieser Frage wollen wir mit Ihnen und hochkarätigen Referenten auf dem 1. Markt&Technik Supply Chain Summit auf den Grund gehen. Denn dass die optimale Lieferkette keine Vision bleiben muss, stellen Excellence-Beispiele immer wieder eindrucksvoll unter Beweis.

Ihre Karin Zühlke