Würth Elektronik unterstützt Projekt "Quasimodo" Forscherteam sagt Rückenbeschwerden den Kampf an

Schluss mit Rückenbeschwerden! Das dachten sich vier Studenten der Universität des Saarlandes und entwickelten mit Quasimodo ein Sensorsystem für den Rücken, das die Haltung erfasst und auswertet.Der Leiterplattenhersteller Würth Elektronik unterstützte das junge Forscherteam mit dem „Würth Elektronik-Innovationsstipendium“.

Für ihre Idee wurden die Tüftler vor kurzem in Barcelona beim internationalen Wettbewerb iCAN 2013 mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Langes Sitzen und Stehen und zu wenig Bewegung: Diese Formel ist der Grund für viele Rückenbeschwerden. Das Sensorsystem Quasimodo wirkt diesen Problemen entgegen. Quasimodo, der Name des buckligen Glöckners von Notre-Dame, steht für ein System, das seinem Träger helfen soll, die richtige Haltung zu bewahren und damit Rückenleiden vorzubeugen. Vier junge Studenten des Studiengangs „Mikrotechnologie und Nano-strukturen“ der Universität des Saarlandes haben Quasimodo entwickelt.

Das System besteht aus acht Sensoren, die über die Wirbelsäule verteilt platziert werden. Damit die Sensoren immer an der richtigen Stelle bleiben, werden sie in ein Funktionsshirt eingenäht, das sich eng an den Kör-per anschmiegt. Die Sensoren erfassen die Position der Wirbel und geben die Daten an einen Mikrocontroller weiter, alle Informationen werden über Bluetooth auf ein Smartphone übertragen und über eine App analysiert sowie grafisch dargestellt – auch die dazu passende Software haben die Studenten selbst entwickelt.
Zur Erkennung von Fehlhaltungen werden charakteristische Winkel über-wacht. Zum einen die Neigung zur Seite, die schon bei kleinsten Abwei-chungen von der Senkrechten zu Schäden führen kann. Zum anderen wird die natürliche Krümmung im Bereich der Lendenwirbel beobachtet. Diese verschwindet zum Beispiel bei zusammengesacktem Sitzen und ungesundem Bücken. Liegt ein Wirbel längere Zeit über einem festgele-ten Schwellenwert, wird eine Warnung ausgegeben, damit der Benutzer seine Haltung verbessern kann.
„Mir hat diese Idee von Florian Bansemer, Franziska Emmerich, Tizian Schneider und Caroline Schultealbert gleich gefallen“, erinnert sich Dr. Jan Kostelnik, F+E Leiter bei Würth Elektronik. „Das Projekt ist sehr komplex, aber nicht nur was, sondern auch wie sie diese Idee umsetzten, hat mich davon überzeugt, das Team mit unserem Innovationsstipendium zu unterstützen. Man merkte richtig, wie viel Spaß die vier Studenten bei der Entwicklung hatten.“

Quasimodo holte im vergangenen Jahr beim deutschen Wettbewerb CO-SIMA den zweiten Platz und löste damit das Ticket für den internationalen Wettbewerb iCAN 2013, der vor kurzem in Barcelona seinen Höhepunkt fand.

Bei Würth Elektronik freut man sich, dass die Unterstützung und der feste Glaube an das tolle Team, die Idee und eine gelungene Umsetzung Früchte getragen haben. Und die Zusammenarbeit wird weitergehen. „Im Moment sind wir dabei, Mustershirts zu produzieren, die dann mit Medizi-nern und Therapeuten auf ihre Funktionalität und Tauglichkeit geprüft werden sollen. Zunächst werden wir die Idee also aus therapeutischer Sicht prüfen und ich würde mir wünschen, wenn es gelingt, dieses Shirt vielen Menschen zugänglich zu machen“, so Dr. Jan Kostelnik. Auch die jungen Tüftler sind sich sicher, dass der aktuelle Prototyp seine Möglich-keiten noch lange nicht ausschöpft – es bleibt also spannend.

Das kann Quasimodo

Quasimodo, der Name des buckligen Glöckners von Notre-Dame, steht für ein System, das seinem Träger helfen soll, die richtige Haltung zu be-wahren und damit Rückenleiden vorzubeugen. Vier Anwendungsmöglichkeiten wurden bisher angedacht: Diagnose, Therapie, Prophylaxe und Forschungszwecke. So könnte der Arzt einem Patienten das System anziehen, um Fehlhaltungen zu erkennen und genauer zu vermessen. Röntgen könnte damit entfallen. Ist bei einem Patienten bereits ein Rü-ckenleiden diagnostiziert, könnten die Schmerzen und das Fortschreiten der Krankheit mitunter erheblich verringert werden, wenn der Patient auf eine richtige Haltung achtet. Das Shirt würde den Patienten auf Fehlhal-tungen hinweisen und so auch seine persönliche Wahrnehmung trainie-ren, sodass er lernt, von selbst die richtige Haltung zu wahren. Zur Pro-phylaxe könnte das Shirt eingesetzt werden, um den Träger nach einer langen inaktiven Phase – zum Beispiel im Büroalltag – an regelmäßige Bewegung zu erinnern. Und schließlich ließen sich mit Hilfe des Systems verschiedenste Bewegungsstudien anfertigen.