Hot-Spot China Fördert der Wirtschaftsabschwung die Fälscher-Geschäfte?

Eine Vielzahl an Bauelementen wird heute in China produziert. Gleichzeitig gilt China aber nach wie vor als Hot-Spot für Bauteilefälschungen. Mit welchen Folgen?

Wirtschaftliche Schwierigkeiten im Land und generell immer kürzere Produktlebenszyklen und schnellere Abkündigungen lassen das Problem nicht kleiner werden.

Die Zahl der Abkündigungen steigt seit Jahren, wie die von Markt&Technik befragten Unternehmen bestätigen. Die Crux: »Jede Abkündigung ruft direkt Produktfälschungen auf den Plan, sowohl bei aktiven als auch bei passiven Bauelementen. Das macht insgesamt die Situation nicht wirklich einfacher«, erklärt Axel Wagner, Leiter Consulting, Legal&Compliance von Würth Elektronik eiSos. »Viele Hersteller verwenden deshalb mittlerweile individuelle Produktkennzeichnungen, die dafür sorgen, dass Produktfälschungen bereits beim Zoll in Hong Kong hängen bleiben oder aber über die bekannten Importrouten den Weg in die EU nicht schaffen. Hier ist einiges an Aktivitäten und Erfolge der Anti-Counterfeit-Programme zu verzeichnen.«

Außerdem wird in China sehr akribisch mit den White Lists gearbeitet, die vom Hersteller bestätigte Exportunternehmen beinhalten und somit schon einen gewissen Filter darstellen. Das ist jedoch noch keine umfassende Lösung, sondern ein erster Ansatz im Kampf gegen die Bauteilfälschungen. »Die Zurückverfolgung innerhalb der Wertschöpfungskette, um an die Unternehmen zu gelangen, die die Produktfälschungen produzieren und in den Verkehr bringen, ist ein sehr glückloses Unterfangen«, gibt Wagner zu bedenken. Hier funktioniere selbst die Zusammenarbeit der chinesischen Anwaltskanzleien mit den Detekteien nicht reibungslos, weil sehr viel Geld in diesen Kanal investiert werden müsse, um nach dem Fund der Stecknadel im Heuhaufen festzustellen, dass man zwar einem kriminellen Unternehmen den Nährboden entzogen hat, aber gleich am nächsten Tag führt eine Ecke weiter ein anderer Fälscher die Geschäfte weiter.

Nach Ansicht von Wagner lässt sich dieser Sumpf nur dann austrocknen, wenn das Interesse an der Produktion von Produktfälschung durch mangelnde Umsätze, aufgrund zolltechnischer Regularien und produktindividueller Kennzeichnung nachlässt. Bislang scheint das aber noch nicht der Fall zu sein, denn die Zahl der Fälschungen bzw. Manipulationen bei Bauteilen steigt seit Jahren kontinuierlich, wie Ulrich Ermel, COG-Vorstandsvorsitzender und TQ-Bereichsleiter, bestätigt.

Einkauf erfordert viel Know-How und Erfahrung

Daher erfordert der Einkauf auf dem chinesischen Markt sehr viel Know-how und Erfahrung, wie Anke Bartel weiß, Vertriebsteamleiterin von BMK: »Wer hier einfach „blind“ einkauft, hat sicher sehr schnell Probleme. Wenn man sich seine Partner gezielt aussucht und entwickelt, läuft das ganz gut. Was ein Problem ist, sind die Hersteller, die plötzlich vom Markt verschwinden, auch da sollte sich jeder sehr gut überlegen, welche Hersteller man in seiner Stückliste aufnimmt.«