Interview mit EOS »Es gibt nicht DEN EINEN 3D-Druck«

Nikolai Zaepernick, EOS

»Losgröße 1 zu vertretbaren Kosten ist eine der Stärken 
der Additiven Fertigung. Für das System ist es 
gewissermaßen egal, wie viele Teile auf einer 
Bauplattform gefertigt werden. Letztlich ist die additive Fertigung im Prototypenumfeld groß 
geworden, wo es sehr häufig um Losgröße 1 oder um Klein- und Kleinstserien geht.«
Nikolai Zaepernick, EOS: »Losgröße 1 zu vertretbaren Kosten ist eine der Stärken der Additiven Fertigung. Für das System ist es gewissermaßen egal, wie viele Teile auf einer Bauplattform gefertigt werden. Letztlich ist die additive Fertigung im Prototypenumfeld groß geworden, wo es sehr häufig um Losgröße 1 oder um Klein- und Kleinstserien geht.«

EOS ist ein Pionier der additiven Fertigung mit Laser-Sintern. Warum sich EOS vom 3D-Druck abgrenzt, wo der Mehrwert der EOS-Technologie liegt und welche Rolle die additive Fertigung für die Industrie 4.0 spielen kann, erläutert Nikolai Zaepernick, Leiter Strategy & Business Development von EOS.

Markt&Technik: Die Begriffe »3D-Druck« und »additive Fertigung« werden meist synonym gebraucht. EOS hingegen bezeichnet sich stringent als Hersteller von e-Manufacturing-Lösungen – warum vermeiden Sie das Wort »3D-Druck« in Ihrer Nomenklatur, so zumindest mein Eindruck? 
Nikolai Zaepernick: Ihr Eindruck ist richtig. Wir ziehen sogar eigentlich eher Sammelbegriffe wie »Additive Fertigung« bzw. »Laser-Sintern« vor. »e-Manufacturing« ist ein EOS-eigener Begriff aus unserer Historie heraus, der sich zugegebenermaßen nicht jedem gleich erschließen muss. »Laser-Sintern« ist die technische Bezeichnung für das additive Verfahren, das EOS anbietet. Additive Fertigung ist der Sammelbegriff für unterschiedlichste Arten von Schichtbauverfahren – zu denen auch das Laser-Sintern gehört. Am liebsten wäre uns »additive Fertigung auf Basis des Laser-Sinterns«. Dass es in unserer Industrie derzeit durchaus noch ein etwas verwirrendes Begriffswirrwarr gibt, macht es für Außenstehende nachvollziehbarerweise auch umso schwerer greifbar.

Ist die Wahl des Begriffes also schlichtweg Geschmackssache?
Nein, die Wahl des Schlagwortes ist aus unserer Sicht nicht einfach nur Geschmackssache. Sondern vielmehr geht es darum, etwas möglichst präzise zu umschreiben, um vor allem auch Missverständnisse zu vermeiden. Der Begriff »3D-Druck« hat sich in den Medien mittlerweile als vereinfachender Sammelausdruck durchgesetzt. Zwar ist absolut nachvollziehbar, dass man damit für die meisten Leser Komplexität reduzieren möchte. Es führt aber aus unserer Sicht eigentlich zu den falschen Assoziationen. Denn es gibt nicht DEN EINEN 3D-Druck. Es gibt unterschiedlichste additive Verfahren: Laser-Sintern, Stereolithographie, Electro Beam Melting, Fused Deposition Modeling, um nur einige zu nennen. Viele assoziieren den 3D-Druck derzeit vor allem mit Endverbraucherdruckern und gewissen Einsatzgebieten »für den Hausgebrauch«. Die haben aber ihre Grenzen und verwenden vielfach andere Ausgangswerkstoffe als z.B. EOS. 

Während Endverbraucherdrucker größtenteils auf Basis lichtaushärtender Harze funktionieren, arbeitet das Laser-Sintern auf Basis von Pulverwerkstoffen, also Kunststoffe und Metalle. Auch das Anwendungsspektrum der EOS-Technologie ist ein anderes: Es handelt sich um ein Verfahren für industrielle Anwendungen. Beide Arten von 3D-Druckern haben ihre Berechtigung. Die Märkte, die sie bedienen, sind jedoch völlig unterschiedlich. Und das einzige, was ihnen gemeinsam ist, ist der schichtweise Aufbau. Wenn Sie auch in Verbindung mit EOS am Begriff »3D-Druck« festhalten wollen, so würden wir Sie zumindest bitten, von »industriellem 3D-Druck« zu sprechen. 

Inwieweit gibt es Standardisierungsabsichten innerhalb der Branche?
Standardisierungsorganisationen arbeiten derzeit auch an der Vereinheitlichung von Begrifflichkeiten. Es ist letztlich der Tatsache geschuldet, dass unsere Industrie noch vergleichsweise jung ist, wenn sich feststehende Begriffe erst nach und nach etablieren.  

Die additive Fertigung zeigt dort ihre Stärken, wo die konventionelle Fertigung an Grenzen stößt: Wo kann die additive Fertigung Ihrer Ansicht nach diese Stärken gegenüber konventioneller Fertigung ganz besonders gut ausspielen?  
Die Technologie setzt an den Stellen an, wo Konstruktion, Design und Fertigung neu durchdacht werden müssen, um Lösungen zu finden. Sie ermöglicht ein »design-driven manufacturing«, bei dem die Konstruktion die Fertigung bestimmt – und nicht umgekehrt. Darüber hinaus gestattet die additive Fertigung höchst komplexe Strukturen, die gleichzeitig extrem leicht und stabil sein können. Sie gewährt ein hohes Maß an Designfreiheit, Funktionsoptimierung und -integration, das Herstellen kleiner Losgrößen zu angemessenen Stückkosten und eine starke Individualisierung von Produkten sogar in der Serienfertigung. Darüber hinaus ermöglicht die additive Fertigung aber nicht nur die Optimierung bestehender, konventioneller Anwendungen, sondern erlaubt auch die Fertigung von Bauteilen, die zuvor überhaupt nicht möglich waren.