Online-Austausch und Social Networking Erstes Obsolescence-Management-Portal für Bahnbetreiber

Wer mit Schienenfahrzeugen zu tun hat, muss sich zwangsläufig intensiv mit Obsoleszenz beschäftigen. Aus diesem Grund entstand Ende 2013 das Portal www.obsolescence-management.net als eine Art Social-Networking-Plattform für Bahn- und Verkehrsbetriebe.

Langlebige Industriegüter wie sie im Schienenverkehr zum Einsatz kommen, sind von Abkündigungen und Technologiewandeln besonders betroffen. Das OM-Portal bietet allen Bahnbetreibern sowie nationalen und regionalen Verkehrsunternehmen die Möglichkeit, sich gemeinsam unter allen registrierten Mitgliedern über das Thema Obsoleszenz zu informieren und spezielle Obsoleszenzinformationen auszutauschen, die ihre Fahrzeuge betreffen. 

Entstanden ist die Idee 2013 bei einem Bahnbetreiber-Treffen mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), der Deutschen Bahn (DB) sowie den Nürnberger (VAG) und Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Das Portal sollte einfach zu bedienen sein und alle gängigen Kommunikationsformen bieten, die man aus anderen Social-Networking-Bereichen kennt. 

»Zugegeben, das war keine wirklich neue Idee, aber in Verbindung mit den Themen Obsoleszenz- und Product Lifecycle Management durchaus innovativ«, erklärt Björn Bartels, Geschäftsführer von Am-Sys. »Gerade im Zeitalter von Industrie 4.0, der Vernetzung von Maschinen, sollten wir den Menschen nicht vergessen. Hierzu gehören auch die zwischenmenschliche Kommunikation und der Austausch von wertvollen Informationen. Letztendlich kann eine Maschine nur zwischen 0 und 1 unterscheiden. Der Mensch kann darüber hinaus analysieren, interpretieren und extrapolieren und somit sinnvolle Entscheidungen treffen, das heißt auch nachhaltige Lösungen für Obsoleszenzprobleme finden.« Genau dieses Know-how steht bei den Produkten und Dienstleistungen des Technologiespezialisten Amsys aus München im Vordergrund, der das Portal entwickelt hat und als Host bzw. Dienstleister betreibt. Ebenso ist Am-Sys Moderator im Portal-Forum und verwaltet auch die User. 

»Wir haben Obsoleszenzmanagement schon immer betrieben, nur hat diese Arbeiten niemand vorher so genannt bzw. sie zentral verwaltet und analysiert. Synergien konnte nicht immer gewinnbringend genutzt werden«, sagt Jack Schneider, Leiter Sicherheitssysteme Fahrzeuge Personenverkehr der Schweizerischen Bundesbahnen. Genau das sollte das Portal grenzüberschreitende ändern. »Natürlich gibt es bereits kleinere Netzwerke, die sich über nicht mehr verfügbares Material austauschen, die sind aber sehr personenbezogen und basieren auf E-Mails und Excel-Tabellen. Das ist ab einer gewissen Datenmenge einfach nicht mehr handhabbar, und viele Informationen gehen verloren«, merkt Horst Servatius an, Obsoleszenz Manager der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg. Über das Portal tauschen sich heute bereits eine Vielzahl weiterer Betreiber von Schienenfahrzeugen und Betreiber von U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen gemeinsam unter allen registrierten Mitgliedern über jegliche Themen und Problematiken, verbunden mit Obsoleszenz, aus. Es werden akute, derzeit mehrere hundert, Obsoleszenzmanagementfälle diskutiert, und Mitglieder erarbeiten gemeinsam nachhaltige und wirtschaftliche Problemlösungen oder stellen anderen Mitgliedern Informationen kostenlos zur Verfügung. Bereits über 50 Fälle konnten durch die kooperative Zusammenarbeit und den rechtzeitigen Informationsaustausch bereits gelöst und adaptiert werden, was sofort Einsparungen von Tausenden Euro für die Beteiligten bedeutete.  

»Die Kunst ist es, das Wissen aus den Köpfen der Leute herauszuholen, es zentral abzuspeichern und bei Bedarf wieder problemlos zugänglich und abrufbar zu machen, auch wenn diese konkrete Person das Unternehmen bzw. das Netzwerk schon lange verlassen hat, erklärt Olaf Schultze, Teamleiter Zentrale Elektronikwerkstatt der U-Bahn Berliner Verkehrsbetriebe. »Wenn ich davon ausgehe, was uns ein Obsoleszenzfall unter Umständen kostet, dann haben wir die Lizenzgebühr um ein Vielfaches gutgemacht, wenn wir nur einen Fall über das Portal jährlich gelöst bekommen bzw. diesen sogar vermeiden können«, ergänzt sein Kollege Thomas Jahnke, Sachgebietsleiter U-Bahnfahrzeugtechnik Berliner Verkehrsbetriebe. 

Mit der Realisierung des Obsolescence-Management-Portals traten bei den Mitgliedern zudem neue Bedürfnisse im Bereich Obsoleszenz-Management zutage: »Keine bekannte ERP- oder PLM-Lösung kann derzeit die benötigten internen und unternehmensspezifischen Anforderungen an einen umfassenden Obsoleszenz-Prozessablauf gemäß der einschlägigen Norm IEC 62402 erfüllen«, schildert Bartels. Es müssen ebenso Probleme intern mit kundenspezifischen Systemen und Komponenten verknüpfen werden. »Somit musste eine Möglichkeit gefunden werden, ein individuell anpassbares Case- & Event-Management-System im Bereich Obsoleszenzmanagement zu entwickeln, damit eintreffende Obsoleszenz-Fälle zentral erfasst und mit unternehmensinternen Verantwortlichkeiten verknüpft werden konnten«, so Bartels.