Elektronik-Dienstleister beziehen Stellung zum VW-Skandal »Eine kleine Delle werden wir alle spüren«

Vierzehn EMS-Unternehmen trafen sich zum EMS-Forum der Markt & Technik in den Räumen der WEKA Fachmedien.

Automotive gehört traditionell zu den starken Säulen der mitteleuropäischen EMS-Industrie. Den VW-Skandal beobachten die EMS-Firmen daher mit Sorge. Wir haben die Auswirkungen auf dem Markt&Technik EMS-Forum diskutiert.

Als nachgelagerte Zulieferer bedienen viele von ihnen VW und weitere deutsche Automobilbauer mit Fertigungs- und Entwicklungsdienstleistungen.

Noch sind keine Auswirkungen des VW-Skandals auf laufende oder platzierte Automotive-Projekte spürbar, versichern die beim „EMS-Forum“ der Markt&Technik anwesenden Firmen. Alles gehe derzeit weiter wie geplant, so der Tenor in der Runde. Dennoch bleibt das Thema ein Risikofaktor für das kommende Jahr. Felix Timmermann, Procurement Director EMEA von Asteelflash, erklärt: »Wir liefern stark in Volkswagen und beobachten die Entwicklung mit Interesse.« Ähnlich äußern sich auch andere Vertreter am runden Tisch: »Das Thema wird sicher nicht nur bei VW bleiben, sondern auch auf die Lieferkette durchschlagen«, so Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik.

Werden die Manipulationen von VW auch die Reputation der deutschen Autombilindustrie insgesamt beschädigen? »Eine kleine Delle für die Automobilhersteller „Made in Germany“ werden wir alle spüren. Konkrete prozentuale Prognosen sind allerdings momentan unmöglich«, meint Weber. Automobilhersteller aus anderen Nationen werden den Skandal zum Positiven für sich ausschlachten, das liegt auf der Hand. Gleichzeitig dürfe man aber auch nicht vergessen, dass die deutschen Automobilhersteller in der Qualität und beim Design führend und sehr erfolgreich auf dem Weltmarkt sind, betont Weber und kritisiert dabei die einseitige Medien-Berichterstattung: »Dass Abgas-Werte nicht eingehalten wurden, ist eine deutliche Negativ-Botschaft, aber gleichzeitig unterschritt der Motor auch den im Datenblatt angegebenen Verbrauch. Diese positive Nachricht wurde von den Medien aber leider nicht aufgegriffen.«

Das Image der deutschen Automobilindustrie habe es jedenfalls nicht verdient, in einem falschen Licht positioniert zu werden, auch wenn jetzt „gewisse Fakten“ auf dem Tisch lägen, bekräftigt Bernd Enser, Vice President Global Automotive von Sanmina. »Wenn man das eine Mal, an dem ein Ziel nicht erreicht wurde, allen anderen Leistungen gegenüberstellt, dann ist die deutsche Automobilindustrie weiterhin ganz vorne.« Und überhaupt sei es leicht, als als Außenstehender zu urteilen, so Enser. »Aber wenn man sich im Prozess befindet, ist es teilweise sehr schwierig, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung zu treffen, ohne zu wissen, wie die Entscheidung in 15 Jahren gewertet werden wird.

Spezifiaktionen werden voll ausgereizt

Generell ist nicht nur in der Automobilindustrie ein Trend erkennbar, dass aufgrund kürzer werdender Produkt- und Innovationszyklen, erhöhten Margendrucks und eines engen Kostenrahmens zunehmend am „äußersten Rand“ von Spezifikation entwickelt und gefertigt wird. Dieses Paradigma zieht sich beginnend beim elektronischen Bauelement bis auf Baugruppen- und System-Ebene durch. »Es muss immer preiswerter werden, also werden zunehmend grenzwertige Lösungen umgesetzt«, stellt Michael Velmeden fest, Geschäftsführer von cms electronics.

Es ist oft nur eine Frage der genauen Analyse, ob ein Fehler, ob bewusst eindesigned oder nicht, ans Tageslicht kommt. »Wenn das Vergrößerungsglas groß genug ist, dann wird man immer das eine oder andere finden, auch wenn die Gesamt-Spezifikation im Wesentlichen eingehalten wird«, so Enser. Aus technischer Sicht gibt es alleine für ein elektronisches Produkt mehr als 44.000 physikalische und chemische Gesamtzusammenhänge. Es dürfte also denkbar schwer sein, stets alle Mikro-Prozesse zu 100 Prozent unter Kontrolle zu haben.