Clevere Produktideen Dynamik in der Polymer-Elektronik

Aus dem, was man sich über die letzten Jahre an Know-how angeeignet hat, das Maximum ZU machen, in Form flexibler, kundenorientiert Systemlösungen, darin liegt für die Experten der Gedruckten Elektronik die große Zukunftschance ihre Branche.
Aus dem, was man sich über die letzten Jahre an Know-how angeeignet hat, das Maximum ZU machen, in Form flexibler, kundenorientiert Systemlösungen, darin liegt für die Experten der Gedruckten Elektronik die große Zukunftschance ihre Branche.

Wann ist eine Technologie wirklich marktreif? Spätestens dann, wenn ihre Anbieter als Lösungs-Provider wahrgenommen werden. Genau an diesem Punkt, so die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums »Polymer-Elektronik« ist diese Branche jetzt.

Möglich wurde das vor allem durch eine größere, realitätsbezogenere Flexibilität der Protagnisten. Wenn es dem Kunden nutzt, dann realisiert man inzwischen eben eine Hybrid-Lösung bestehend aus klassischer Halbleitertechnik und Polymer-Elektronik. Der Nutzen für den Kunden, so die Erkenntnis der letzten Jahre, ist wichtiger als die Umsetzung der reinen Lehre!

Heute stellen sich die Spezialisten der gedruckten Elektronik viel stärker als Lösungsprovider auf. Dr. Klaus Hecker, Geschäftsführer der Organic and Printed Electronics Association (OE-A), einer Arbeitsgemeinschaft im VDMA, verweist auf die vielfältigen Erfolge der gedruckten Elektronik: »Ob es Drucksensoren im Auto sind, Spiegel, die sich abblenden, Diabetes-Teststreifen, EEG- und EKG-Elektroden oder OLED-Lighting: Die heute bereits im Einsatz befindlichen Lösungen sind weit vielfältiger, als die häufige Reduzierung auf das Thema Display vermuten lassen würde.«

Wolfgang Mildner, LOPEC Chair und OE-A Vice Chair Europe, berichtet, dass vor allem die Beispiele aus der Automotive- und Medizinelektronik Beispiele für Großserienstückzahlen sind: »Natürlich ist Polymer-Elektronik speziell in Europa vor allem ein High-Mix/Low-Volume-Thema, aber eben nicht nur!« Der besondere Charme und Reiz dieser Technologie, so Mildner, liege ja auch gerade darin, dass sich die Skalierbarkeit einer Lösung bereits in der Entwicklung integrieren ließe.

Bleibt die Frage: Wird auch die gedruckte Elektronik in ihrer Marktentwicklung anderen Technologiebeispielen folgen, die zwar in Europa entwickelt wurden, heute aber in erster Linie in Asien in Produkte umgesetzt werden, wie das zuletzt etwa in der Photovoltaik passierte? »Gedruckte Elektronik ist relativ kostengünstig und nicht so mannintensiv wie andere Technologien«, gibt Dr. Ralph Pätzold, CEO der Belectric OPV, zu bedenken, »das kann uns helfen, muss es aber nicht«. Er hält es für durchaus wahrscheinlich, dass größere Commodity-Bereiche wieder nach Asien abwandern werden, aus seiner Sicht ist es aber wichtiger, dass Kernkompetenzen wie Material- und System-Know-how in Europa bleibt: »Auch wenn Produktionsschritte verlagert werden sollten, dann ist das immer noch eine Technologie, die einen Mehrwert in Europa schafft.«

Thomas Kolbusch, Vice President bei Coatema Coating Machinery sieht den besonderen Reiz der gedruckten Elektronik auch darin, »dass dadurch der alte Manufaktur-Gedanke wieder auflebt«. Mit der Entwicklung und Produktion vor Ort in der Region des Kunden sieht er Vorteile, die sich durch eine Massenfertigung in Asien nicht ersetzen lassen. »Es wird immer eine applikationsspezifische Entscheidung sein, aber die Chance für Europa liegt im Digital Manufacturing, in der schnellen und kompetenten Reaktion auf die Bedürfnisse des Kunden und seines Produkts.« Einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg dieses Digital Manufacturing wird die Maschinenbautechnik nehmen. »Wir arbeiten da auf einmal in Sub-µ-Schichten, die wir sehr genau aufeinander abstimmen müssen«, so Kolbusch, »und das mit Polymer-Filmen, die sich während des Prozesses verändern«. Erfolg in Form eines hohen Yield werde da nur der haben, der alle Einzelkomponenten optimal aufeinander abstimme, und nicht meine, dieses Thema mit seinen alten Technologien erschlagen zu können.

Mehr als erfreulich ist für der Diskussionsteilnehmer der Wandel der Politik in der Frage der Förderung einer Produktentwicklung bis zur Marktreife. »Früher durfte man das Produkt in den Verhandlungen mit Brüssel gar nicht erwähnen, wenn man seine Förderung nicht gefährden wollte«, so Dr. Hecker, »heute ist auch in Brüssel klar, dass das ’Valley-of-Death’ in Bezug auf Prozess- und Anwendungsentwicklung durch entsprechende neue Förderungsinstrumente überwunden werden muss«.