Seltene Erden Droht der Rohstoffkollaps?

Die chinesische Regierung will den Export von Seltenerdmetallen ab sofort drastisch reduzieren. Bis 2015 wolle man die Ausfuhr sogar ganz einstellen, verlautbart das chinesische Handelsministerium. Besonders hart trifft das die weltweite Elektro- und Elektronikindustrie, denn sie ist der größte Abnehmer für die Seltenenerdenmetalle.

»Hier ist die Wirtschaftspolitik gefordert, denn wir brauchen einen freien Wettbewerb auf den Rohstoffmärkten«, erklärt Dr. Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI. Unter die unter dem Begriff »Seltenerdmetalle« sind insgesamt 17 chemische Elemente zusammengefasst, die in zahlreichen elektronischen Komponenten und Systemen stecken, darunter beispielsweise PC-Festplatten, Batterien, Flachdisplays, Brennstoffzellen und Elektromotoren. China ist mit einem Anteil von 93 Prozent der größte und derzeit fast einzige Lieferant für die Seltenerdmetalle. Nun will das Land den Rohstoffhahn für den Export sukzessive ganz zudrehen: Im zweiten Halbjahr 2010 sollen nur noch 7980 Tonnen das Land verlassen dürfen, im ersten Halbjahr waren es noch 22,24 Tsd. Tonnen. Das wären auf das Gesamtjahr gesehen 30,26 Tsd. Tonnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 exportierte China insgesamt gut 50 Tsd. Tonnen an Seltenerdmetallen.

Die westliche Welt - allen voran die USA und Europa - befürchten, China könnte seine dominierende Marktposition künftig nutzen, um die Preisgestaltung dieser Rohstoffe zu bestimmen. Erste Auswirkungen sind laut Gontermann bereits sichtbar: »Seit Juli sind die Preise für einige Seltenen Erden bereits um über 50 Prozent gestiegen.« Das könnte aber nur die erste von drei Eskalationsstufen sein, befürchtet Gontermann: Die nächste Stufe wäre eine Verknappung dieser Stoffe und im schlimmsten Fall könnten in der weiteren Folge ganze Wertschöpfungsketten reißen. »Solche Wettbewerbsbeschränkungen sind nicht hinnehmbar«, erklärt Gontermann. »China profitiert auf der einen Seite vom internationalen Handel, da kann es nicht auf der anderen Seite eine künstliche Handels- und Wettbewerbsverzerrung aufbauen.« Hier ist nach Ansicht von Gontermann die Politik gefordert, entschieden dagegen vorzugehen. Die USA sind bereits aktiv und prüfen, inwieweit man über internationale Gremien gegen den Beschluss Chinas anfechten kann. Parallel dazu gibt es schon seit längerem Bestrebungen der westlichen Industrieländer, sich aus der Abhängigkeit der der Marktmacht Chinas bei der Förderung der Seltenerdmetallen zu befreien: Beispielsweise die USA und Australien arbeiten daran, die Förderung und Produktion der Seltenerdmetalle aufzubauen, allerdings wird das nach Ansicht von Gontermann noch mindestens zwei Jahre dauern. Dass bis dahin eine Versorgungslücke entstehen könnte, liegt auf der Hand.