Große Player steigen ein Digitaler Wandel als Booster für industriellen 3D Druck

Der Digitale Wandel, die Digitalisierung der Wertschöfpungsketten und der Anspruch, schnell und flexibel in Losgröße 1 fertigen zu können, macht den industriellen 3D-Druck für große Weltkonzerne wie GE und Siemens interessant.

Globale Industrie-Player wie GE und Siemens steigen in den Markt ein. Auf der Anwenderseite stehen so prominente Namen wie „Lufthansa Technik“.
GE beabsichtigt über die Sparte „GE Aviation“ den 3D-Drucker-Hersteller SLM Solutions zu übernehmen und sich damit nach eigenen Angaben zum „digitalen Industrieunternehmen“ weiterzuentwickeln.

Der Hersteller von Flugzeugtriebwerken „GE Aviation“ will den Aktionären 38,00 Euro pro Aktie bieten. Das liegt etwa 30 Prozent über dem Aktienkurs von SLM zum Stichtag der Bekanntgabe am 6. September. Beide Unternehmen begrüßen die geplante Zusammenführung ihrer Tätigkeitsfelder als eine große und langfristige Chance für ihre Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre. Bereits seit dem Börsengang im Jahr 2014 verfolgt SLM Solutions eine Drei-Säulen-Strategie, die neben dem Ausbau des weltweiten Vertriebs- und Servicenetzwerks auch einen Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung sowie die Weiterentwicklung zum integrierten Lösungsanbieter umfasst. Seit Jahresbeginn wurden strategische Partnerschaften in den Bereichen Verbrauchsmaterialien und Software geschlossen, die einen Beitrag zur weiteren Verbreitung additiver Fertigungsverfahren in der Industrie und einer Verbesserung der Anwenderfreundlichkeit leisten sollen.

Siemens indes hat kürzlich die Zusammenarbeit mit HP im Rahmen der 3D-Druck-Technologie bekannt gegeben. Gemeinsames Ziel sei es, neue Lösungen zu entwickeln, um den 3D-Druck bzw. die im Industrieumfeld gebräuchliche additive Fertigung von einem reinen Werkzeug für das Prototyping zu einem kompletten Verfahren für die industrielle Produktion zu machen. Möglich machen sollen das neuartige 3D-Drucker von HP: Der Hersteller hat im Mai dieses Jahres seine „HP Jet Fusion“-3D-Drucker vorgestellt. Die Geräte kosten ab 120.000 Euro. Sie sind ausschließlich für den industriellen 3D-Druck geeignet und wollen in bisher unbekannte Leistungsklassen vordringen: Mithilfe der „HP Multi Jet Fusion“-Technologie konnte HP innerhalb von nur 30 Minuten ein Kettenglied drucken. Das Kettenglied wiegt 0,25 Pfund und kann ein Gewicht von bis zu 10.000 Pfund anheben.

Das Ergebnis aus dem 3D-Drucker ist allerdings immer nur so gut wie die Software, mit der das Druck-Objekt entworfen wird: Dazu hat die Siemens-Sparte PLM – Product Lifecycle Management – jetzt ein umfassendes Software-Paket für die additive Fertigung auf den Markt gebracht. Die neue Lösung wird ab Januar 2017 erhältlich sein und besteht aus integrierter Software für Konstruktion, Simulation, digitale Fertigung sowie Daten- und Prozessmanagement. Bei der neuen Lösung kommen über alle Phasen hinweg intelligente Produktmodelle zum Einsatz, ohne Daten zwischen Prozessen und Anwendungen konvertieren oder übersetzen zu müssen. Dadurch ist es möglich, ein Generative Design automatisiert zu erstellen, und zwar auf Basis neuer Funktionen für optimierte Topologien. So entstehen häufig organische Formen, auf die ein Konstrukteur von sich aus kaum käme und die mit herkömmlichen Fertigungsmethoden nur sehr kompliziert oder gar nicht zu fertigen wären.

Diese Technologie in Kombination mit der neuen Software für additive Fertigung von Siemens könnte Unternehmen in die Lage versetzen, die Produktgestaltung völlig neu zu definieren und dadurch optimale Performance bei geringeren Kosten zu erreichen. Darüber hinaus könnte durch 3D-gedruckte, formoptimierte Bauteile die Anzahl der Teile in einer Baugruppe sinken. Das sorgt für geringeres Gewicht bei höherer Festigkeit. Im Endeffekt ergibt sich dadurch enormer Mehrwert für Branchen wie den Automobilbau, die Luftfahrtindustrie oder die Medizintechnik. »Bislang unlösbare Aufgaben bei Konstruktion und Fertigung sind mit diesen neuen Software- und Produktionstechnologien jetzt machbar«, bestätigt Dr. Ken Versprille, Executive Consultant von CIMdata. Konstrukteure entwickeln Bauteile aufgrund ihrer Ausbildung mit herkömmlichen Produktionstechnologien im Hinterkopf. Das schränkt Kreativität und Innovationsgeist ein. Heute werden Teile in der Fertigung noch gestanzt, tiefgezogen, gegossen oder maschinell hergestellt.