Business as usual in Mexiko »Die Vernunft setzt sich durch«

Business as usual in Mexiko, das bestätigen die Teilnehmer des Markt&Technik Forums "Elektronik-Dienstleistungen".

Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump, den Handel zwischen Mexiko und den USA einzudämmen, lassen die Industrie kalt. Das Geschäft in Mexiko brummt, wie die Teilnehmer am Markt&Technik Forum „Elektronik-Dienstleistungen“ bestätigen.

Augen zu und einfach ignorieren, wenn der US-Präsident poltert, das scheint die Strategie der Industrie-Unternehmen zu sein, die mit oder in Mexiko Geschäfte für den lokalen Markt USA machen. Donald Trump hatte Anfang des Jahres über Twitter verlautbart, die Einfuhr von in Mexiko gefertigten Gütern mit hohen Einfuhrzöllen belegen zu wollen. Konkretisiert hat er dieses Vorhaben bislang nicht.

Mit 61,7 Mrd. Euro verfügt Mexiko nach Auskunft des ZVEI über den zweitgrößten Elektromarkt in Lateinamerika. Von 2005 bis 2015 haben sich die heimischen Elektroausfuhren in das Land verdoppelt. Zwischen Januar und Oktober 2016 gab es einen Rückgang der deutschen Elektroexporte nach Mexiko um 4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hier spielen aber auch Wechselkursveränderungen eine Rolle. Mexiko ist inzwischen das Eldorado der deutschen und internationalen Automobil-Industrie. Nicht nur die Konzerne haben Milliarden in den Standort investiert, sondern auch die Zulieferer. Kurze Wege und Just-in-Time/Just-in-Sequence-Belieferung ist eine Voraussetzung, um für die Automobilindustrie fertigen zu dürfen. 2016 gab es eine wahre Eröffnungsflut deutscher Zulieferer in Mexiko. Auch Elektronik-Dienstleister oder kurz „EMS“ sind dort präsent, um die dort ansässigen Autobauer zu beliefern.

So hat beispielweise Turck duotec erst kürzlich eine Produktion in Mexiko errichtet, um Kunden zu beliefern, die für den US-Markt in Mexiko produzieren möchten. Inzwischen ist die Startphase der neuen Fabrik erfolgreich abgeschlossen und die Produktion angelaufen. Die Mitarbeiter wurden eigens in Zentraleuropa ausgebildet. »Die Mannschafft agiert sehr erfolgreich«, freut sich Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck duotec. »Die USA sind in der Turck-Gruppe momentan der erfolgreichste Markt. Unsere Kunden lassen sich nicht verunsichern.« Außerdem gebe es Verträge, so Rönisch, und die Aussagen von Trump lassen sich schnell ad absurdum führen, denn Familie Trump lebt nach dem Prinzip „das Eine sagen, das Andere tun“. Rönisch spielt damit auf die Tatsache an, dass Trump-Tochter ihre Mode-Kollektion in China produzieren lässt und sich nicht für „Amerika First“ entschieden hat. »Trump weiß, dass die USA die Lieferkette in Mexiko braucht, weil sonst vieles in den USA nicht funktionieren würde«, gibt Rönisch folgerichtig zu bedenken.

Auch Asteelflash, einer der größten EMS mit Stammsitz in Europa, fertigt für Industrie- und Automotive-Kunden in Mexiko. Produziert wird dort für den globalen Markt, aber auch zu großen Teilen für den amerikanischen. »Nur keine Panik – ruhig bleiben und abwarten, dann wird sich das von selbst erledigen«, lautet die Devise von Asteelflash, beim EMS-Forum vertreten durch Sebastian Grundmann, Director Operations East EMEA Region. Diese Haltung scheint sich auszuzahlen: »Wir verzeichnen in Mexiko ein unglaublich erfolgreiches Jahr 2017, haben uns im Werk sowohl von der Technologie als auch von der Infrastruktur her weiterentwickelt, stellen neue Mitarbeiter ein und planen weiteres Wachstum«, erklärt Grundmann.

Business as usual plant der örtliche Vertriebspartner von TQ. Das Unternehmen hat selbst kein Werk in Mexiko oder den USA, aber zahlreiche Kunden vor Ort. »Nach Auskunft unseres Vertriebspartners herrscht dort einhellig die Meinung, dass sich die Vernunft durchsetzen wird«, betont Rüdiger Stahl, Geschäftsführer von TQ.

Zollner Elektronik, Europas größter EMS, fertigt in Costa Rica und Milpitas (USA) für den lokalen Markt – und das nach Auskunft von Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, ebenfalls ohne erkennbare Auswirkungen oder Einschränkungen.

Limtronik produziert seit 2010 ebenfalls erfolgreich in den USA. »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auch schon vor Trump mehr und mehr Produktion zurück in die USA verlagert wurde, was für uns sehr positiv ist.« Diese Strategie, die lokale Produktion in den USA weiter zu stärken, wäre an sich ein richtiger Weg und wird sich künftig auch weiter durchsetzen, meinen einige der Forumsteilnehmer. – Flankierend dazu wird sich aber auch die Zulieferindustrie in Mexiko weiterentwickeln. Die Zuliefer-Strukturen in Mexiko sind bereits seit den 1960er-Jahren (damals siedelte sich VW in Mexiko an) vorhanden und sind aus dem globalen Zuliefer-Kosmos nicht mehr wegzudenken. Das, so die einhellige Meinung unter den Diskussionsteilnehmern, wird Trump auch nicht ändern. In den nun verbleibenden drei Jahren wird ihm kaum genug Zeit bleiben, um einschneidende Veränderungen in Bezug auf die Zulieferindustrie durchzusetzen. »Viele planen ja schon mit der „Nach-Trump-Zeit“.

In zwei Jahren ist schließlich schon wieder Wahlkampf«, sagt Oliver Seifert, Geschäftsführer von Neways Riesa. Und an eine Wiederwahl von Trump glaubt zumindest derzeit niemand. Insgesamt betrachtet nehmen die Unwägbarkeiten von Auslands-Engagements aufgrund von politischen Veränderungen generell zu, gibt Albrecht Faber zu bedenken, Geschäftsführer von bebro electronic. Beispiele gibt es viele: Nordafrika, Ukraine oder jüngst die Türkei. »Es gibt immer mehr Brennpunkte. Umgekehrt können wir in D/A/CH mit unseren Standorten punkten, weil wir eine sehr hohe Stabilität bieten.«