Eine Branche im Wandel Die Galvanotechnik als Wettbewerbsvorteil nutzen

Falko Eidner, FMB Group: »Die Dienstleistungen der Galvanik-Unternehmen gehen heute weit über die direkte Beratung bezüglich der galvanischen Oberfläche hinaus.«

»Die Galvanotechnik ist heute wegen ihrer technischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nach der Lackiertechnik die mit Abstand wichtigste Oberflächentechnologie.« Davon ist Falko A. Eidner, Geschäftsführer der FMB Group, überzeugt. In den Nano- bis Mikrometer dicken Schichten steckt mittlerweile ein erheblicher Teil der Wertschöpfung!

Die Trends in der Elektronikindustrie wie die Miniaturisierung, die zunehmende Funktionalität von Bauelementen und das allgemein steigende Umweltbewusstsein werden dazu führen, dass die Bedeutung der Oberflächentechnik in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Doch spiegelt sich diese Entwicklung auch am Markt wider?

Laut Falko Eidner hat sich die Fertigungstiefe in Bezug auf galvanische Oberflächen in den Unternehmen in den letzten Jahren verringert. Dies schlägt sich auch in der Anzahl der Betriebsgalvaniken nieder, die massiv abgenommen hat - Stichwort Outsourcing. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Zulieferer reduziert. Die  Folge: Die in Deutschland tätigen Galvanik-Unternehmen arbeiten heute viel enger mit ihren Kunden zusammen.

Bei der Auswahl der »Partnerunternehmen« sollte man laut Eidner folgende Kriterien mit einbeziehen:

  • Qualität
  • Lieferfähigkeit und Einhaltung der Liefertermine
  • fachliche Beratung, Kommunikation, Reklamationsbearbeitung und weitere Dienstleistungen
  • sowie die Preiswürdigkeit

»Die Dienstleistungen der Galvanik-Unternehmen gehen heute weit über die direkte Beratung bezüglich der galvanischen Oberfläche hinaus«, erklärt Eidner. Und das ist nicht die einzige Veränderung, die der Markt durchlebt hat.

Durch die steigende Anzahl an Produkt-Typen beziehungsweise durch die Produkt-Diversifizierung in der Elektronikbranche fallen die Losgrößen mengenmäßig kleiner aus als noch vor Jahren. Das führt dazu, dass sich die »Außerhaus-Galvaniken«, also die Lohngalvaniker, immer stärker spezialisieren. »Dabei hat sich in den letzten Jahren eine Konzentration der Lohngalvaniker, welche sich auf die Bandgalvanik spezialisieren, gebildet,« berichtet der Geschäftsführer der FMB Group. Denn Branchen wie die Automobilelektronik oder die Telekommunikation, die Massenartikel produzieren, haben die Entwicklungen im Bereich der Bandgalvanik stark vorangetrieben. Bei Massenwaren ist die Bandgalvanik daher heute absoluter Standard. Und wie Falko Eidner berichtet, »ist die Bandgalvanik mittlerweile auch technisch und kostenmäßig nahezu ausgereizt.«

Vollkommen gegensätzlich dazu habe sich der Bereich der Trommel- und Gestell-Galvanik entwickelt. »Dieses Segment geriet in Stagnation«, berichtet Eidner. Daher sieht der Marktkenner gerade hier hohes Potenzial für technische und wirtschaftliche Innovationen. Mittlerweile haben sich spezielle Anforderungen und Merkmale im Bereich der Schüttgutgalvanik herauskristallisiert, die es zu bedienen gilt. Die FMB Group hat zum Beispiel ein Verfahren entwickelt, mit dem es möglich ist - ähnlich wie bei der Band-Galvanik -, das Edelmetall in einem wirtschaftlichen Prozess selektiv abzuscheiden. Bei Schüttgut wird die Bedeutung der Oberflächentechnologie heute oftmals noch unterschätzt. Das gilt es in den nächsten Jahren zu ändern, um auch hier zu umzusetzen, was technisch längst möglich ist.