Interview: Jürg Schüpbach von Essemtec »Der Wettbewerb ist hart«

Jürg Schüpbach, Essemtec: »Das Dispensen erfährt ein Revival.«

Seit der Firmengründung vor über 25 Jahren hat der Luzerner Maschinenbauer Essemtec Höhen und Tiefen der Branche miterlebt. Jürg Schüpbach, Director of Sales & Marketing und Mitglied der Geschäftsführung, erläutert im Interview, wie sich die momentane Marktsituation auf das Unternehmen auswirkt.

Markt&Technik: Der Markt ist momentan von starkem Wachstum geprägt. Wie empfinden Sie die Wettbewerbssituation Ihrer Branche?

Jürg Schüpbach: Der Wettbewerb ist hart. Wir als mittelständiges Schweizer Unternehmen werden nie die Günstigsten sein. Deshalb müssen wir mit unseren Produkten einen Mehrwert bieten, der den höheren Kaufpreis rechtfertigt. Das gelingt uns gut, was auch daran liegt, dass wir uns auf Kerngeschäftsfelder konzentrieren: das reine Pick&Place, das Pick&Place plus Dispensen, das reine Dispensen und die automatisierten Lagersysteme. Jedes Geschäftsfeld hat andere Zielgruppen. Es gibt aber auch viele Überschneidungen. Wir arbeiten außerdem eng mit unseren Kunden zusammen. Zollner nutzt zum Beispiel für eines seiner Kundenprojekte unsere Fox-Bestücker mit zusätzlicher Dispensfunktion. Das kam zustande, weil in der gleichen Firma bereits über 20 unserer Hochleistungsdispenser erfolgreich im Einsatz sind. So befruchten sich unsere Geschäftsfelder gegenseitig, und wir haben mehr Masse zum Manövrieren. 

Wie reagieren Sie auf die Anforderungen, die die Elektromobilität, die Wearable-Technik und das Internet of Things stellen?

Indem wir die erfolgversprechendsten Trends und Möglichkeiten für unsere Systeme feststellen. Wir können und wollen nicht überall mitmachen. Partnerschaften und Netzwerke mit dem Anwender sind aber ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. 

Vor kurzem hat sich zu Ihrem Produktportfolio die „Puma“ gesellt. Was gab den Anstoß zur Entwicklung der neuen Maschine?

Zwar sind wir mit der Fox sehr erfolgreich, durch die eingeschränkte Leiterplattengröße kann die Maschine aber nicht alle Segmente abdecken. Das gilt vor allem für den EMS-Markt. Um das zu ändern, haben wir die Puma so groß gebaut, dass sie Leiterplatten mit Flächen von 560 x 610 mm und 1800 x 610 mm verarbeiten und gleichzeitig bestücken und jetten kann. Dabei haben wir die ausgereiften Techniken der Fox und Spider übernommen. Dazu zählen zum Beispiel die Linearmotoren, Mineralguss-Chassis, die Köpfe und Dispensventile. Die Puma eröffnet uns jetzt den Mid-Range-EMS-Markt und gibt dem Anwender die Möglichkeit, mit der gleichen Maschinenplattform Prototypen und Hochleistungsbestückung in der Linie durchzuführen. 

Ihre Maschinen stehen unter dem Motto „natural adaptiv“. Was kann man darunter verstehen?

Wir haben das Firmenjubiläum im letzten Jahr zum Anlass genommen, unser Tun und Handeln in allen Facetten zu hinterfragen. Unsere Firmengebäude liegen am Hallwilersee und sind umgeben von einer fantastischen Natur. Für unsere neue Maschinenplattform haben wir uns von dieser Natur inspirieren lassen, und durch diesen Blickwinkel sind schon viele gute Ideen in unsere Produkte eingeflossen. Wie die Natur und Tierwelt passen sich unsere Maschinen an und sind adaptiv aufgebaut. 

Sie fertigen in der Schweiz. Betrifft das Ihr komplettes Produktsortiment?

Wir entwickeln und produzieren alle unsere Produkte unter einem Dach in der Schweiz. Wir haben es mit teilweisen Auslagerungen der Produktion versucht. Die Vorteile, alles in der Nähe zu haben und sehr schnell auf Veränderungen reagieren zu können, haben uns aber dazu bewogen, die Auslagerungen rückgängig zu machen. Die Produktionskosten sind bei entsprechend optimierten Produkten und Herstellungsprozessen ähnlich wie in Osteuropa, wenn alle Kosten sauber gerechnet werden. 

Wie entwickelt sich die Absatzsituation für Essemtec derzeit?

Ich bin sehr zufrieden. Nach dem dritten Quartal 2017 sind wir umsatzmäßig 40 Prozent vor der gleichen Periode im letzten Jahr. Unsere neuen Strategien und das neue Produktportfolio kommen am Markt gut an. 

Aus welchen Regionen kommt das Wachstum?

Deutschland ist mit Abstand unser stärkster Markt. Sicherlich hilft auch, dass die deutsche Elektronikindustrie momentan brummt. Das Dispensen erfährt ein richtiges Revival. Dadurch konnten wir bei unseren großen Key Accounts wachsen und vor allem auch neue hinzugewinnen. Diese operieren global und sind auch stark in Asien verankert. 

Essemtec hat innerhalb von 18 Monaten fünf neue Maschinen auf den Markt gebracht...

Neben der Puma haben wir auf der productronica die Dispensmaschine „Tarantula“ eingeführt, die auf der Puma basiert. Statt den Bestückköpfen können drei verschiedene Dispensprozesse aufgebaut und Dispensleistungen bis 150.000 dots/h erreicht werden. 

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Sind neue Produkte schon in Planung?

Zunächst wollen wir unsere neuen Plattformgenerationen konsolidieren. Die strategische Planung sieht vor, dass wir Optionen entwickeln, die auch neue Applikationen anspricht. Dazu gehören zum Beispiel Reel-to-Reel und die IMSE-Technik. Unsere neuen Maschinen sind so ausgelegt, dass wir diese Technologien adaptieren können.