Kollaborativ oder in-line? Der Roboter im Fertigungseinsatz

Auch in den Pausen wird rege disuktiert: EMS-Firmen beim Markt&Technik EMS-Forum

Seit der Hannover Messe 2017 ist die kollaborative Robotik auf dem Vormarsch. In der Elektronikfertigung in D/A/CH fanden Roboter bislang in Fertigungszellen oder beim Handling ihren Einsatz. Welchen Stellenwert hat die Robotik bei mitteleuropäischen EMS-Firmen?

Für TQ spielt die kollaborative Robotik laut Geschäftsführes Rüdiger Stahl eine große Rolle. Als Fertigungsbetrieb im Low- bis Mid-Volume-Sektor brauche TQ eine intelligente Flexibilisierung bzw. Automatisierung, so Stahl. »Wir brauchen kollaborierende Roboter, die den Menschen bei einfachen sich wiederholenden Tätigkeiten unterstützen, ebenso bei Arbeiten, die möglicherweise gefährlich sind, etwa wenn mit Chemikalien wie Lösungsmitteln gearbeitet wird, oder bei Tätigkeiten, für die eine besondere Reproduzierbarkeit gefordert ist. Ich sehe darin eine Riesenchance, Arbeitsplätze in Europa zu halten oder sogar zurückzuholen und gleichzeitig die höchstmögliche Qualität zu sichern.«

Auch bei Asteelflash werden die „CoBots“, so die gängige Abkürzung für Collaborative Robotics, einen großen Stellenwert einnehmen, verkündet Sebastian Grundmann, Director Operations East Emea Region von Asteelflash: »Wir werden diverse Programme starten, um die Automatisierung mithilfe von CoBots auch in eine Low-Volume/High-Mix-Fertigung tiefer eindringen zu lassen.«

Bei Limtronik ist die kollaborative Robotik Bestandteil der „digitalen Agenda“. »Eigentlich hatten wir den Einsatz von Robotern für 2019 auf unserer Agenda. Die Hannover Messe 2017 hat aber gezeigt, dass die kollaborative Robotik schon sehr weit fortgeschritten ist, daher beschäftigen wir uns nun früher mit diesem Thema und wollen das erste System dieser Art definitiv demnächst einsetzen«, berichtet Gerd Ohl, Geschäftsführer von Limtronik. »Parallel dazu haben wir mit einem Institut ein Förderprogramm für die nächsten drei Jahren aufgesetzt, in dem wir die Arbeitswelt mit dem Einsatz von Cobots analysieren werden.« Erklärtes Ziel von Limtronik ist, dass jeder Facharbeiter künftig vier Robotersystem bedienen soll. Ihren Einsatz finden kollaborative Roboter auch schon bei Zollner Elektronik in diversen Test-Szenarios: zum Löten von Spulen, beim Handling für den In-Circuit-Test oder auch als fahrerlose Transportsysteme. Darüber hinaus setzt Zollner nach wie vor zahlreiche klassische In-line-Roboter ein, die durch eine Schutzvorrichtung geschützt sind.

Montage, Handling, In-line

Handhabung und Montage sowie der Einsatz In-line sind weitere große klassische Einsatzfelder für Roboter in der Fertigung. Hierbei arbeiten die Roboter nicht kollaborativ mit Menschen, sondern erfüllen ihre Aufgaben singulär, meist auch durch Schutzvorrichtungen von Menschen abgeschirmt. So kommen bei bebro Handlings-Roboter in einer Linie zum Einsatz, die eigens für ein Automotive-Projekt aufgebaut wurde. Davon verspricht sich Geschäftsführer Albrecht Faber Erkenntnisse, um die Robotik auch für das klassische EMS-Geschäft nutzen zu können.

cms electronics arbeitet bereits seit einigen Jahren mit Robotern, die fest und geschützt in Anlagen eingebunden sind und teilautomatisierte Prozesse ersetzen. Der EMS konnte dadurch seinen Durchsatz signifikant steigern. »Wir sehen die Notwendigkeit, noch flexibler zu werden, und werden daher dieses Prinzip künftig mit größeren Stationen realisieren«, erklärt Michael Velmeden, Geschäftsführer von TQ.

Auch Steca setzt bei der Montage auf Roboter – dabei gehe es laut Geschäftsführer Andreas Voigtsberger vor allem um Prozesssicherheit. Aus Kostengründen im Sinne von reduzierten Lohnkosten sieht Voigtsberger keine Notwendigkeit, Roboter einzusetzen. Viele Handlings- und Montageaufgaben könnten von Menschen genauso rentabel umgesetzt werden.

»Wir setzen Roboter überall dort ein, wo wir im Liniensystem mit großen Stückzahlen arbeiten und bestimmte Handhabungstätig-keiten auszuführen sind«, bekundet Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck duotec.  Aber auch bei kleinen Stückzahlen im Manufaktur-Bereich wie etwa in der Prüfmitteltechnik kommen Roboter zur Handhabung zum Einsatz. »Wir wollen damit die Fachpersonal-Ressourcen von eintönigen Tätigkeiten entlasten«, so Rönisch. 

Software-Roboter helfen,
Prozesse zu automatisieren 
 

Die Digitalisierung zwingt Unternehmen auch dazu, ihre Ressourcen effizient einzusetzen. Die Robotic Process Automation bietet dafür einen wichtigen Ansatzpunkt, wie das EMS-Unternehmen Lacon zeigt: Dort wurde der Prozess der Angebotserstellung mithilfe von Software automatisiert, wie Ralf Hasler beschreibt, Geschäftsführer von Lacon: »Im ersten Schritt werden Kundendaten in unserem ERP-System recherchiert, im zweiten Schritt durchsucht die Software sechs große Online-Shops automatisch nach Bauteile-Preisen, daher schaffen wir es innerhalb von 20 bis 30 Minuten, für kleinere Angebote erste Indikationen zu haben, ohne dass ein Mitarbeiter sich mit dem Angebot befasst hat.« Das bietet für Low-Volume/High-Mix-Fertigungen einen deutlichen Effizienzsprung, denn ein Angebot zu erstellen gehört wohl zu den aufwendigsten Prozessen eines Elektronik-Dienstleisters.