Boom für High-Tech-PCBs aus Europa »Der höchste Auftragsstand aller Zeiten!«

Christoph Jarisch, Häusermann
»Dem starken Preisdruck begegnen wir mit 
kontinuierlichen Verbesserungen unserer Prozesse und Leistungen und mit Produktivitäts-
steigerung.«
Christoph Jarisch, Häusermann »Dem starken Preisdruck begegnen wir mit kontinuierlichen Verbesserungen unserer Prozesse und Leistungen und mit Produktivitätssteigerung.«

Vor 110 Jahren wurde Häusermann als Metallätzerei in Wien gegründet. 1966 wurden die ersten Leiterplatten gefertigt. in den letzten 15 Jahren sank die Zahl der PCB-Produktionen von 561 auf 228. Häusermann dagegen kontinuierlich zulegen. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Christoph Jarisch.

Markt&Technik: Heute produziert das Unternehmen Häusermann zum Großteil Leiterplatten und hat mit einem Umsatz von über 27 Millionen Euro Umsatz in 2015 und 2016 zwei Rekordjahre hinter sich. Was ist das Erfolgsrezept?

Christoph Jarisch: Eine unserer größten Stärken ist das Know-how unserer Mannschaft. Unsere Mitarbeiter sind sehr gut ausgebildet und haben eine langjährige Betriebszugehörigkeit. Dadurch können wir unseren Kunden Beratung und Serviceleistungen auf hohem Niveau bieten. Ein weiterer Eckpfeiler ist die kontinuierliche technologische Weiterentwicklung bei gleichzeitig hohen technologischen und qualitativen Standards. Wesentlich für das Bestehen am Markt ist aber sicher auch eine breite Kundenbasis.

Aus welchen vertikalen Segmenten kommen die Kunden heute vorwiegend?

Das Hauptsegment ist für uns mit 45 Prozent die klassische Industrieelektronik – allen voran der Anlagenbau sowie die Mess-, Regel- und Steuerungstechnik. Der zweitgrößte Anteil entfällt mit 24 Prozent auf die EMS-Branche, die – in unserem Fall – zum Großteil ebenso in die Industrieelektronik liefert. Mit 18 Prozent ist die Kommunikation und Unterhaltungselektronik unser drittgrößtes Standbein. Und rund 8 Prozent liefern wir in die Medizintechnik.

Was ist eigentlich aus dem ursprünglichen Bereich „Metallätzerei“ geworden?

Aus der „Metallätzerei“ hat sich letztlich in den 1960er-Jahren die Leiterplattenfertigung entwickelt. Nachdem das Herstellverfahren von Leiterplatten dem Herstellverfahren von Schildern ähnlich war, wurde damals auf Kundenwunsch hin begonnen, Leiterplatten zu produzieren. Die reine Schilderfertigung verlor über die Jahre laufend an Bedeutung und wurde nach der Zerstörung großer Teile der Fertigung durch das Hochwasser im Jahr 2007 komplett eingestellt.

Beratung und Zuverlässigkeit bezeichnen Sie als wichtige Werte Ihres Unternehmens. Zählen solche Attribute heute noch, wo alles möglichst günstig sein muss?

Sicherlich stellt das Preisdumping eine große Herausforderung dar. Wir sind jedoch der Meinung, dass wir hier an unserem Standort in Europa nur mit eben solchen Qualitäten entgegenhalten können. Die Leiterplatte ist eine Schlüsseltechnologie in der Elektronikindustrie, und die Elektronikentwicklung ist zum Großteil noch in Europa angesiedelt. Viele Projekte gewinnen wir durch überzeugendes Wissen und Hilfestellung zur Leiterplatte – das macht uns zu einem starken Partner und bringt uns etwas weg von der reinen Preisdiskussion. Und wir beobachten auch, dass gerade die hohe Komplexität der Produkte unserer Kunden auch anspruchsvolle Beratungsleistung seitens des Leiterplattenproduzenten erfordert.
 

Und wie managen Sie den steigenden Preisdruck in der Leiterplattenindustrie?

Dem starken Preisdruck entgegnen wir mit kontinuierlicher Verbesserung unserer Prozesse und Leistungen sowie mit Produktivitätssteigerung. Wir haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, unsere Kunden bezüglich preistreibender Faktoren in der Leiterplattenfertigung zu sensibilisieren. So schaffen wir es oft gemeinsam mit den Kunden, die Kosten zu senken. Neben individueller Beratung bieten wir unseren Kunden zu diesem Thema auch Schulungen und Webinare.

Welches sind die preistreibenden Faktoren in der Leiterplattenfertigung?

Hier gibt es verschiedene Faktoren, wie etwa die mechanische Endbearbeitung: In dem Bereich lassen sich die Kosten beispielsweise dadurch minimieren, dass man, sofern möglich, ritzt anstatt fräst. Weiteres Optimierungspotenzial gibt es oftmals auch bei der Layout-Abstimmung. Durch ein optimales Layout lassen sich Kostenvorteile in der Produktion erzielen. Darüber hinaus spielt auch die Ausnutzung der Panelgröße eine Rolle für den Preis. Wir produzieren auf vorgegebenen Panelgrößen. Verbessert man die Kontur der Leiterplatte, ist auch die Ausnutzung besser und damit auch der Preis.

Hat die Leiterplattenindustrie in Mitteleuropa mittelfristig eine Überlebenschance für die Serienproduktion?

Ja, das sehen wir absolut so. Insbesondere dort wo Qualität, Stabilität und Flexibilität gefordert sind, können wir weiterhin punkten.

Mit der Strategie „Made in Europe“ schwimmt das Unternehmen gegen den Strom – wie ist Häusermann in Europa aufgestellt, und wo genau wird produziert?

Produziert wird ausschließlich an unserem Standort in Zitternberg – im nördlichen Österreich. Von der Datenbearbeitung über Beratung bis hin zur Fertigung passiert alles von diesem Standort aus. Lediglich der Außendienst ist großteils vor Ort in Deutschland positioniert. Wir haben über das Bundesgebiet fünf Außendienstmitarbeiter.