Digitale Transformation aus Sicht eines IT-Distributors »Daten sind das Öl der Zukunft«

Die Digitale Transformation mit Industrie 4.0 ist für den IT-Distributor Ingram Micro in Deutschland ein strategisches Fokusthema, weil sich viele altbekannte Vertriebskonzepte und Businessmodelle ändern.

»Auch der IT-Hardware-Vertrieb muss umdenken, weil sich die Wertschöpfungskette verschiebt«, ist Michael Bauer, Architect Digital Transformation, überzeugt. Er bekleidet eine neue Querschnittsfunktion bei Ingram Micro, unter der Leitung von Mike Cramer, Senior Manager Advanced Solution, bei der die Fäden aus den einzelnen Bereichen rund um das Thema „Digitale Transformation“ zusammenlaufen.

Markt&Technik: Digitale Transformation ist vielschichtig. Die Definitionen sind es auch. Wie definieren Sie bzw. Ingram die Digitale Transformation?
Michael Bauer: Die Welt der Prozesse wird mit Einfluss der IT immer stärker verändert, sprich digitalisiert, sei es durch Robotik, kognitive Intelligenz oder smarte Fabriken. Auf der Prozessebene bedeutet das, es werden immer mehr Informationen benötigt. Das heißt, aus den Prozessen und Maschinen werden immer mehr Daten gewonnen. Damit sind wir bei der Industrie-4.0-Definition angelangt. Industrie 4.0 heißt nach unserem Verständnis, Produktions- und Logistik-Prozesse zu digitalisieren. Dazu muss ich als Unternehmen meine Prozesse intensiv kennen, ausreichend digitalen Content erzeugen, damit ich weiß, wo ich ansetzen muss. Erst dann kann ich Industrie 4.0 starten. Geht man von der Produktion weiter in Richtung Kundennutzen, dann ist man bereits im IoT.

Digitale Transformation funktioniert selbstverständlich nicht von jetzt auf gleich, sondern die Unternehmen durchwandern verschiedene Phasen auf ihrem Weg zur digitalen Transformation.

In welcher Phase, würden Sie sagen, stehen die meisten Unternehmen in Deutschland derzeit?
Nach unseren groben Schätzungen befinden sich aktuell noch über 90 Prozent der Unternehmen hierzulande in einer prä-digitalen Phase. Das heißt, sie befassen sich momentan nur ganz rudimentär mit dem Thema „Daten sammeln“.

Lässt sich die Affinität für die digitale Transformation an bestimmten Branchensegmenten festmachen?
Ja, es gibt in den unterschiedlichen Branchen unterschiedliche Stati. Aber wie gesagt, die meisten Firmen sind noch in einer frühen Phase. Es gibt viele Leuchttürme, aber mit einem Leuchtturm alleine ist noch keine digitale Transformation abgeschlossen. Die bereits am Markt bekannten Lösungen zeigen neue Mechanismen auf, aber es gehört noch mehr dazu: Neben der IT müssen auch Organisations- und Führungsstrukturen innerhalb der Unternehmen überdacht und neu ausgerichtet werden. Man braucht die richtigen Leute an Bord, und das heißt vielleicht auch eine ganz andere Generation an Menschen. Jedes Unternehmen muss sich überlegen, ob es die Eckpfeiler sauber aufgestellt hat, damit dynamische Mitarbeiter vernünftig arbeiten und innovative Ideen einbringen können, um damit die Verwandlung zu einem digitalen Geschäftsmodell zu erreichen. Dabei helfen Modelle bzw. Mechanismen wie „New Work“.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „New Work“?
Hier geht es um das Neuaufstellen von Organisations- und Führungsstrukturen, z.B. Reduzieren von Hierarchielinien, um den Menschen mehr in den Mittelpunkt zu stellen und ein anderes Arbeitsumfeld verfügbar zu machen. Wir arbeiten hierzu eng mit der Karlshochschule, Herrn Prof. Frank Widmayer, zusammen.

Wie funktioniert technisch betrachtet die Verbindung zwischen der IT-, also Ihrer Welt, und der Operation-Technology-Welt?
Eine wichtige Rolle spielt OPC-UA. Dieser offene und kostenfrei zugängliche Standard schafft die Kommunikation zwischen IT- und Operation-Technology-Welt. OPC-UA ist schon relativ populär. Große Firmen aus dem IT- oder dem Operation-Technology-Umfeld setzen auf den Standard OPC-UA. Das hilft natürlich, diesen Standard zu verbreiten.

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