LPKF auf Erfolgskurs "Das Potenzial für lasergestützte Produktionslösungen ist noch lange nicht ausgeschöpft"

Dr. Ingo Bretthauer, CEO der LPKF
Dr. Ingo Bretthauer, LPKF: »Es ist ein wichtiger Eckpfeiler unseres Erfolges, dass wir die Lasertechnologie zu einem immer besseren Preis/Leistungsverhältnis anbieten konnten. Wir befinden uns in einem Prozess der noch viele Jahre andauern wird, auch wenn wir schon viele Schritte gemacht haben.«

Wieder ein Umsatzplus und wieder ein Feuerwerk an neuen Produkten – so lässt sich das Jahr 2013 für LPKF kurz zusammenfassen. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung des LDS-Prototypings Ende des Jahres. Was den Erfolg von LPKF ausmacht und wo er für die Zukunft noch Potenzial sieht, zeigt CEO Dr. Ingo Bretthauer im Interview auf.

LPKF hat laut Geschäftsbericht 2013 wieder zugelegt und konnte den Umsatz auf 129,7 Mio Euro steigern von 115,1 Mio Euro. Welche Technologien aus Ihrem Portfolio waren die Umsatztreiber im vergangenen Jahr?

Das Electronics Production Equipment ist am stärksten gewachsen. Innerhalb dieses Bereichs ist LDS mit Abstand das größte Segment und war der Hauptumsatztreiber. Nachdem es im Vorjahr bei LDS eine Beruhigung gegeben hatte, hat das Geschäft 2013 wieder angezogen. Treiber waren die großen koreanischen Smartphone-Hersteller, die sich für den Einsatz unserer LDS-Technologie entschieden haben.

Auch bei Rapid Prototyping hatten wir ein kleines aber sehr schönes Wachstum. Dieses Segment hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt. Nicht mit sprunghaftem Wachstum, aber wir hatten immer bis zu zehn Prozent Steigerung.
Darüber hinaus gibt noch einen Bereich, der sich sehr gut entwickelt hat: das Plastic Welding. Das ist auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich, weil Plastic Welding mit dem Solargeschäft in einem Segment aufgeführt wird, das im vergangenen Jahr rückläufig war. Aber dieser Rückgang war geplant und hat den Grund, dass wir einen sehr großen Auftrag aus der Solarindustrie von 2011 inzwischen abgearbeitet haben.

Ihre Umsätze sind in Asien deutlich stärker als in Europa, das ist im Grunde nichts Neues. Allerdings hat LPKF laut GB 2013 in Deutschland erstmals seit 2010 wieder einen Umsatzrückgang hinnehmen musste. Woran liegt das?

Das ist keine Besonderheit, sondern eine normale Schwankung. Wenn Sie auf die mehrjährige Entwicklung schauen, sehen Sie, dass der Umsatz in Deutschland immer relativ konstant ist. Deutschland ist für uns ein Markt der horizontal läuft. Das Wachstum kommt schon lange aus dem Ausland und hier wie Sie festgestellt haben, stark aus Asien. Das ist nun einmal die Region der Welt, wo heute die Elektronikproduktion stattfindet.

»Interessant ist, dass nicht die Region China der entscheidende Treiber für uns war, sondern Südkorea und Taiwan«, so äußerten Sie im Interview vor einem Jahr. Hat sich diese Entwicklung weiter bestätigt?

Ja, dieser Trend hatte sich interessanterweise bereits vor einem Jahr abgezeichnet. Wir hatten schon Ende 2012 sehr gute Auftragseingänge aus Korea und das hat sich wie ich ja bereits eingangs erläutert habe, im Jahr 2013 fortgeführt.

Welche Länder Asiens wollen Sie demnächst noch erschließen?

Wir sind im Norden und Osten Asiens mittlerweile sehr gut vertreten. Zum 1. April haben wir in Südkorea eine Tochtergesellschaft eröffnet und wollen uns natürlich jetzt erst einmal darauf konzentrieren, diese aufzubauen. Darüber hinaus gibt es zwar kein konkretes Land auf unserer Liste, aber wir schauen uns intensiv Südostasien an. Hier gibt es sehr interessante Länder wie Malaysia und Singapur. Aber konkrete Pläne haben wir derzeit noch nicht.

Bieten Sie spezielle Maschinen für den asiatischen Markt an oder ist das Portfolio über die Kontinente hinweg gleich?

Grundsätzlich sind unsere Maschinen international ziemlich gleich. Das liegt einfach daran, dass sie meist in Produktionen von internationalen Konzernen eingesetzt werden. Das sind vor allem amerikanische Konzerne, die ihre Produktion in China haben. Somit ist die Notwendigkeit von regionenspezifischen Maschinen relativ gering. Natürlich gibt es spezifische Anpassungen wie Stromversorgungen, aber keine spezielle Produktlinie.

Es gab in der Tat vor mehreren Jahren einmal den Trend, dass Maschinenbauer Billiglinien für China auf den Markt gebracht haben. Aber die Ansprüche dort sind immens gestiegen und somit wäre das heute nichtmehr zeitgemäß.

Ich hatte Sie das schon diverse Male gefragt, bislang verneinten Sie immer: Hat die asiatische Stärke mittelfristig Auswirkungen auf Ihre Produktionsstandorte – sprich kommt eine Verlagerung nach Asien in Frage?

Aktuell ist nichts dergleichen geplant. Im Moment macht das kein Sinn, und auch kein Kunde trägt eine solche Forderung an uns heran. Ob das für alle Zeiten so bleiben wird, wird sich zeigen.

Der After-Sales-Service scheint inzwischen auch im Maschinenbau eine steigende Bedeutung einzunehmen – (inwieweit) unterstützen Sie die Kunden auch nach dem Kauf einer Maschine bei ihren Prozessen – gibt es ein After-Sales-Konzept?

Der Service hat sogar eine sehr hohe Bedeutung für uns. Der professionelle Service ist für die Kunden ein Hauptargument, um bei uns zu kaufen und nicht bei Billiganbietern. In China beispielsweise haben wir über 80 Mitarbeiter, und ungefähr die Hälfte davon sind Servicemitarbeiter. Alleine daran sehen Sie, dass uns der Service genauso wichtig ist wie der Vertrieb. Die höherwertigen Maschinen werden sogar meist mit einem entsprechenden Contract verkauft. Inzwischen werden unsere asiatischen Niederlassungen in China, Japan, Korea und HongKong alle zentral von einem Service-Leiter geführt und koordiniert, weil wir allen Kunden in Asien grenzübergreifend den gleichen Service bieten möchten. Außerdem können wir so Kapazitäten viel besser austauschen.

Sie haben seit letztem Herbst das LDS-Prototyping deutlich vereinfacht und die Einstiegshürden damit niedriger gesetzt. Welche Erfolge sind aus Ihrer Sicht bereits sichtbar?

Für uns war es genau die richtige Entscheidung auch für LDS ein Prototyping anzubieten. Wir haben um den Jahreswechsel herum mit der Auslieferung beginnen können und verzeichnen derzeit sogar eine etwas höhere Nachfrage als wir befriedigen können. Wir sind davon überzeugt durch das LDS-Prototyping neue Kundenkreise zu erschließen, die den Einstig bisher aufgrund der hohen Investition noch nicht gewagt haben. Außerdem werden Entwicklungen viel schneller vonstattengehen und die Nachfrage steigern.

Wird das Ihre LDS-Umsätze weiter beflügeln?

Es wird positive Auswirkungen haben, aber Prognosen kann ich derzeit noch keine abgeben. Dafür ist es noch zu früh. Gute Chancen sehen wir beim LDS PowderCoating. Ein LDS-Pulverlack beschichtet Metallkörper, und dort lassen sich Leiterbahnen anlegen. Das eröffnet ganz neue Produktlyouts, zum Beispiel bei LED-Beleuchtungen.

Inwieweit arbeiten Sie bei der Weiterentwicklung des LDS-Prototypings und der LDS-Technologie auch mit Anwendern aus der Industrie zusammen?

Selbstverständlich arbeiten wir intensiv mit unseren Partnern wie Materialanbietern für Lacke und Metallisierung zusammen und versuchen im Sinne unserer Kunden die Prozesse zu optimieren. Und selbstverständlich gibt es auch mit der Anwender-Seite der LDS-Technologie wie die Smartphone-Hersteller einen regen Austausch.

LPKF hat sich zum Ziel gesetzt, die Lasertechnologie vom Image einer teuren Elite-Technologie zu befreien und in eine wirtschaftliche Produktionstechnik zu verwandeln, so steht auf Ihrer Webseite zu lesen. Ist das inzwischen gelungen?

Es ist ein wichtiger Eckpfeiler unseres Erfolges, dass wir die Lasertechnologie zu einem immer besseren Preis/Leistungsverhältnis anbieten konnten. Wir befinden uns in einem Prozess der noch viele Jahre andauern wird, auch wenn wir schon viele Schritte gemacht haben. Ein schönes Beispiel ist das UV-Schneiden für Leiterplatten. Aber es gibt noch Potenzial: unsere Wettbewerber sind nicht unbedingt andere Laserhersteller, sondern andere Produktionsverfahren.

LPKF ist Pionier bei der Erschließung neuer Märkte für den Einsatz der Lasertechnologie - gibt es weitere neue Bereiche, in die LPKF die Fühler ausstrecken möchte – z. B. 3D-Druck oder Laserprozesse für die Fertigung gedruckter und organischer Elektronik?

Generell suchen wir ständig nach neuen Anwendungsbereichen für unser KnowHow und arbeiten an spannenden neuen Entwicklungen. Aber mehr kann ich Ihnen dazu leider noch nicht verraten.

Zum 3D-Druck ist zu sagen: Der 3D-Druck, den Sie aus Massenanwendungen kennen, hat mit dem Laser nichts zu tun. Wenn es für unser Laser Know How Möglichkeiten gibt, innovative Produkte in Bezug auf den 3D-Druck auf den Markt zu bringen, dann schauen wir uns das selbstverständlich an. Aber es muss etwas sein, wo wir unsere Lasertechnologie sinnvoll einsetzen können. Denn unser Commitment ist klar: Wir sind die Laserspezialisten und dabei werden wir auch bleiben.

Sie hatten im Interview mit einem Finanzsender gesagt: „Wir wollen im Solargeschäft drin bleiben!“ – gilt das auch weiterhin – also nachdem die Bundesregierung die PV-Subventionen heruntergefahren hat?

Ja das gilt auch weiterhin. Wir haben Anfang dieses Jahres einen großen Auftrag bekommen, den wir adhoc gemeldet haben. Wir glauben, dass die Photovoltaik noch Potenzial für uns bietet und denken nicht darüber nach, aus dem Solargeschäft auszusteigen – aber das ist natürlich eine Momentaufnahme. Wir haben derzeit eine gute Auftragslage, so dass wir uns in naher Zukunft überhaupt keine Sorgen machen.

Welche Ideen haben Sie und das Unternehmen noch, um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben?

Ganz entscheidend für mich ist, dass wir die hohe F&E-Quote beibehalten. Wir versuchen 10 Prozent unseres Umsatzes für F&E aufzuwenden. Nachdem unser Umsatz kontinuierlich gestiegen ist, sind auch die F&E Ausgaben ständig gestiegen. Wir suchen permanent nach neuen Lösungen. Denn wir glauben, dass das Potenzial für lasergestützte Produktionslösungen in der Elektronik-Industrie bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

Und wie lautet Ihr Ausblick für 2014?

Wir haben eine Prognose herausgegeben, dass wir unseren Umsatz von 132 auf 140 Mio. Euro steigern wollen. Die Auftragslage vor allem der Auftragseingang hat sich trotz eines leichten Umsatz-Rückgangs – im Quartalsvergleich - im ersten Quartal sehr gut entwickelt. Insofern sind wir überzeugt davon, dass wir unser Jahresziel schaffen können. Klar ist: Wir wollen in jedem Fall weiter wachsen!