In Produktion und Organisation Becker & Müller setzt auf Umweltschutz

Der Einsatz eines Direktbelichters spart jede Menge Chemie.
Der Einsatz eines Direktbelichters spart jede Menge Chemie.

Umweltschutz wird beim Leiterplattenhersteller Becker & Müller groß geschrieben. So wurde auch der Einsatz von Chemie in der Produktion deutlich reduziert.

Mit der kürzlich erfolgten Re-Zertifizierung der ISO 14001 (Umweltmanagement) und ISO 9001 (Qualitätsprozesse) hat Becker & Müller sein Umweltengagement auch formal untermauert. Die ISO 14001 ist für die Betriebe keine verpflichtende Normierung. Jeder Betrieb entscheidet selbst und dokumentiert über eine Zertifizierung nach innen und außen den hohen Stellenwert, den Umweltaspekte im eigenen Betrieb haben sollen.

Seit September 2015 gibt es nun die aktuelle Normversion. Für den Übergang auf die neue Version ist eine Frist von drei Jahren gesetzt worden. Becker & Müller wollte früh dabei sein und die Abläufe in der Firma schnell mit den neuen Anforderungen auf dem Prüfstand haben. Dass das Re-Zertifizierungsprojekt so anstandslos vonstattengehen konnte, ist ein Indiz dafür, wie wichtig der Firma die Umweltaspekte in den Betriebsabläufen sind und wie stark darauf geachtet wird, sie einzuhalten. Daher wird in der ISO 14001 von den Betrieben ein Umweltbeauftragter gefordert. Bei Becker & Müller hat diese Aufgabe einer der Geschäftsführer, Xaver Müller, übernommen und die Wichtigkeit des Umweltschutzes zur Chefsache gemacht.

Umweltschutz ist Chefsache

So hat der Leiterplattenhersteller beispielsweise den Energiebedarf im Laufe der vergangenen Jahre stark reduziert. In einer Branche, die naturgemäß einen relativ hohen Energiebedarf hat, liegt in diesem Bereich natürlich ein großes Einsparpotential. Früher wurden bei der Leiterplattenproduktion im Unternehmen noch die gesamten Heizblöcke der Multi­layerpresse erhitzt und wieder abgekühlt. Heute, durch eine Neuanschaffung einer neuen HML-Multilayerpresse und einer neuen Kühlpresse, sind es nur noch die Leiterplatten selbst. Und das Gesamtsystem ist passender dimensioniert. Für die Produktion von Prototypen müssen nunmehr keine großen Anlagen hochgefahren und betrieben werden, hier wird mit passenden Dimensionen für die laufende Prototypenproduktion gearbeitet.

Auch der Einsatz von Chemie bei der Produktion von Leiterplatten wurde deutlich reduziert. Schon vor einiger Zeit wurde bei Becker & Müller in die Prozesse und einen Direktbelichter investiert. Durch dessen Einsatz werden die Layouts direkt auf die Leiterplattenrohlinge übertragen. So werden Prozessschritte eingespart und die notwendige Chemie für die Entwicklung der Filme und die Übertragung auf die Rohlinge eingespart. Darüber hinaus machen sich die Vorteile des modernen Verfahrens auch beim Energiebedarf einschlägig bemerkbar.

Auf dem Dach steht eine PV-Anlage
mit einer Leistung bis 42 kW

»Bei uns werden die Ersatz- oder Neuinvestitionen immer auch stark unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit beurteilt. Was nicht „umweltfreundlich“ genug ist, fällt bei der Auswahl durch.« Für Xaver Müller ist die Umweltfreundlichkeit eine Herzensangelegenheit. Auf dem Dach des Firmengebäudes ist eine Fotovoltaik-Anlage mit einer Peak-Leistung von 42 kW installiert. Pro Jahr bedeutet das eine Stromproduktion von ca. 50.000 kWh und eine CO2-Einsparung von 35 Tonnen.

Für die Mitarbeiter- und Elektro-Firmenfahrzeuge steht auf dem Firmenparkplatz eine Ladestation zur Verfügung – zu der übrigens auch die Öffentlichkeit kostenfrei Zugang hat. Und wer nun Bedenken hat, dass E-Mobilität nur dann Sinn macht, wenn auch der Strom umweltfreundlich produziert wurde, kann bei Becker & Müller bedenkenlos seinen Akku laden: Das Unternehmen hat sich vertraglich zusichern lassen, neben der eigenen Einspeisung von „Sonnenstrom“ 100 Prozent mit Ökostrom, beispielweise aus Wasserkraft, versorgt zu werden.

Und selbstverständlich geht der Geschäftsführer auch mit gutem Beispiel voran: Xaver Müller fährt schon lang elektrisch. Vor dem Firmengebäude ist auf dem Parkplatz regelmäßig sein Tesla-Roadster zu bewundern. Beim Tag der offenen Tür anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums lud Xaver Müller die Besucher zu einer Probefahrt in modernen Elektroautos ein. »Ich wollte Elektrofahrzeuge aus Umweltgründen haben. Und außerdem hat mich der gute Wirkungsgrad überzeugt, der deutlich höher ist als bei einem Verbrennungsmotor.«

Das Wissen um Umweltthemen soll weitergegeben werden und das Umwelt-Engagement nachhaltig wirken: Becker & Müller ist an verschiedenen Hochschulprojekten beteiligt, bei denen es um Energieeffizienz in der Mobilität geht. Die große Begeisterung der jungen Studenten, z.B. in ihren Formula-E-Teams etwas zu bewegen, etwas Neues zum Nutzen der Umwelt zu entwickeln, hält auch die Begeisterung für die Zusammenarbeit mit den Hochschulen im Hause Becker & Müller wach. Dass Investitionen in umweltfreundliche Technologien und Abläufe keineswegs eine Belastung für das Firmenbudget darstellen, unterstreicht die Umsatzerwartung für 2017: Xaver Müller und Michael Becker erwarten eine Steigerung im »gut zweistellig prozentualen Bereich«.