Stiftung Warentest Bericht "Geräteverschleiß" "Absichtliche Sollbruchstellen finden wir in allen Preisgruppen!"

Edbill Grote, HTV: "Wir haben das HTV-Life-Prüfzeichen entwickelt, um den Schwachsinn der geplanten Sollbruchstellen aus ökonomischer und ökologischer Sicht zu stoppen."

Im September veröffentlichte die Stiftung Warentest den Bericht »Geräteverschleiß« mit dem Ergebnis, dass Hersteller zwar die Lebensdauer von Produkten planen, aber nicht bewusst Sollbruchstellen einbauen. Ein Widerspruch? Der Bericht stieß jedenfalls auf zwiespältige Reaktionen in der Industrie. Edbill Grote, CEO des Testhauses HTV, erklärt warum.

Markt&Technik: Beim Durchlesen des Stiftung-Warentest-Berichts stelle ich mir als erstes die Frage, wo der Unterschied zwischen geplanter Lebensdauer, geplanten Sollbruchstellen und geplanter Obsoleszenz liegt. Wie ordnen Sie diese Begriffe ein – gibt es einen Unterschied?

Edbill Grote: Für mich besteht in diesen Begriffen überhaupt kein Unterschied. Alles was geplant ist, ist mit voller Absicht geschehen.

Sie konfrontieren die Stiftung Warentest in einem Brief, der uns vorliegt, damit, dass der besagte Bericht inkompetent und widersprüchlich ist, denn die Warentester lavierten um den Kern des Problems herum. Worauf stützen Sie Ihren Vorwurf konkret?

Im Testbericht nennt die Stiftung Warentest viele widersprüchliche Beispiele, einige möchte ich an dieser Stelle zitieren: »Nicht schneller kaputt als früher. Was indes fehlt, ist der Nachweis, dass Hersteller den Murks gezielt zusammenbauen um Verbraucher übers Ohr zu hauen. Auch die Testergebnisse der Stiftung Warentest liefern dafür bisher keine Hinweise.« Ebenso ist zum Beispiel zu lesen: »Ingenieure planen die Lebensdauer. Also doch geplanter Verschleiß? – in gewisser Weise ja.« Dann wird ein Professor Albert Albers zitiert: »Hersteller planen, wie lange ein Produkt halten soll ... der Ingenieur muss die geplante Gebrauchsdauer möglichst genau treffen und dafür die kostengünstigste Lösung finden.«
Ebenfalls heißt es auch: »Elektronikgeräte wie Fernseher, Notebooks und Handys prüft die Stiftung Warentest nicht im Dauertest.« Für mich ergibt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie die Stiftung Warentest diese Feststellungen überhaupt treffen kann, obwohl die Produkte nicht im Dauertest geprüft wurden und, wie sie uns persönlich mitgeteilt hat, auch bisher noch niemals auf Sollbruchstellen hin untersucht hat? Außerdem haben wir erfahren, dass im Hause der Stiftung Warentest, laut deren eigenen Aussagen, keine Tests selbst durchgeführt werden, sondern die Tests nach außen vergeben werden. Das im Bericht aufgeführte 2700 Euro teure Fernsehgerät hat die Stiftung Warentest beim besagten Test zum Testsieger erklärt. Schon nach dreieinhalb Jahren stellt der Kunde jedoch einen Totalschaden fest. Was ist ein solches Testergebnis dann überhaupt noch wert?

Einer Ihrer Kritikpunkte war, dass die Stiftung Warentest nicht über eigene Prüfeinrichtungen verfügt, sondern externe Einrichtungen beauftragt. Warum stört Sie das?

Seit circa 40 Jahren habe ich die Zeitschrift »Test« abonniert. Über diese gesamte Zeit bin ich wie viele andere Personen immer davon ausgegangen, dass die Stiftung Warentest diese Prüfungen nahezu ausschließlich selbst durchführt. Als wir erfuhren, dass dort nicht getestet wird, sondern die Tests nach außen gegeben werden, waren wir total schockiert. In dem riesigen Gebäude in Berlin mit über 300 Mitarbeitern wird anscheinend nur verwaltet. Es handelt sich bei der Stiftung Warentest um eine deutsche Verbraucherorganisation mit staatlichem Auftrag, die mit Steuermitteln gefördert wird. Darf man hier nicht Objektivität erwarten? Nach unseren neuesten Erfahrungen zweifeln wir mittlerweile alles an, was in dieser Zeitschrift veröffentlicht wird.

Die Stiftung Warentest ihrerseits bekräftigt in ihrer Antwort, die wir ebenfalls vorliegen haben, es gäbe bisher keinerlei Nachweis, dass es sich um eine anbieterübergreifende und umfassende Strategie handle, wenn Produkte schnell (oder auch schneller als früher) kaputt gehen. Sie sind da aber anderer Meinung?

Wie können die so etwas behaupten, obwohl sie, wie schon erwähnt, nach eigenen Aussagen noch nie danach gesucht hat? Hier enthalte ich mich lieber einer Wertung!

Hat sich das Problem der geplanten Obsoleszenz aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verstärkt?

Gerade in den letzten Jahren kommen immer mehr Produkte auf den Markt, bei denen eine absichtliche Sollbruchstelle eingebaut ist. Wir können Ihre Frage also definitiv bejahen, weil wir schon seit vielen Jahren defekte Geräte von uns und unseren 170 Mitarbeitern selbst reparieren und seit mehr als 27 Jahren elektronische Bauteile und Geräte für die europäische Industrie testen, einschließlich der Lebensdauerprüfungen.

HTV hat im letzten Jahr zur electronica das Prüfzeichen »HTV Life« vorgestellt. Das bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte gegen bewusste Sollbruchstellen und geplante Obsoleszenz sozusagen zu zertifizieren. Mit Technisat hat vor kurzem das erste Unternehmen für bestimmte Satelliten-Empfänger so ein Prüfzeichen erhalten. Weitere Tests für namhafte OEMs laufen. Können Sie dazu schon mehr sagen?

Wir haben das HTV-Life-Prüfzeichen entwickelt, um den Schwachsinn der geplanten Sollbruchstellen aus ökonomischer und ökologischer Sicht zu stoppen. Die Untersuchungen und die eventuelle Vergabe des Prüfzeichens erfolgen rein aus moralischen und ethischen Gründen. Wir führen die erforderlichen Tests praktisch zum Selbstkostenpreis durch. Zurzeit laufen zum Beispiel die Untersuchungen für die ersten vier Gigaset-Telefone, weitere ca. 180 Produkte sollen folgen. Soweit wir informiert sind, will das Unternehmen für alle auf dem deutschen Markt angebotenen Produkte das Prüfzeichen bei uns beantragen. Mit neun weiteren Firmen sind wir im Moment im Gespräch.