Nepcon 2013 in Shenzen 03015-Bauteile auf dem Sprung in die Fertigung

Nepcon 2013 in Shenzen: Trauben von Besuchern beobachten am Siplace-Stand die 03015-Bestückung mit einer »Siplace XS«.
Nepcon 2013 in Shenzen: Trauben von Besuchern beobachten am Siplace-Stand die 03015-Bestückung mit einer »Siplace XS«.

Im Frühjahr kündigten Fuji und ASM Assembly Systems alias Siplace für den Herbst die ersten Bestückungsmaschinen an, die die derzeit kleinsten Bauteile der Größe 03015 bestücken können. Jetzt haben beide bereits Ende August auf der Nepcon-Fertigungsmesse im südchinesischen Shenzen das Geheimnis gelüftet.

Fuji hat seine neue Wunderwaffe NXTIII aus der Entwicklungsschmiede in Japan vorgestellt, die auf der bewährten NXT-Plattform basiert und die Winzlinge laut Aussage von Klaus Gross, Geschäftsführer von Fuji Machine Europe, einwandfrei bestücken kann.

Siplace wartete schon auf der Nepcon mit einer Live-Demo auf: Tausende Besucher konnten vor Ort am Siplace-Messestand beobachten, wie der Hersteller den Bestückprozess mit einer »Siplace X S« meistert. Mit Features wie hoher Bestückgenauigkeit, hochauflösenden Vision-Kameras und einem intelligenten Bestückprozess ist die »Siplace X S« nach den Worten von Thomas Hüttl, Siplace Product Marketing Manager, für die Bestückung der Winzlinge bestens gerüstet.

03015-Kondensatoren und Widerstände sind seit 2012 auf dem Markt - unter anderem haben Rohm und Murata Produkte der Größe 03015 vorgestellt. Die Murata-Kondensatoren sind gerade mal 0,25 mm lang und 0,125 mm breit. Deshalb ist es fast eine Sensation, dass die Bauteile im SMT-Serienprozess verarbeitbar sind. Die neuen Winzlinge nehmen ihren Vorgängern der Baugröße 01005 immerhin noch mal einige µm ab. Deshalb ist es nicht unbedingt selbstverständlich, dass eine Bestückunsgmaschine, die 01005-fähig ist, auch die nächst kleinere Bauteilegeneration problemlos verarbeiten kann.

»Anpassungen sind aber im Bestückprozess, zum Beispiel bei der Pipette, erforderlich, auch bei der Aufsetzkraft und der Geschwindigkeit«, erklärt Norbert Heilmann, Trendscout von ASM Assembly Systems. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich laut Heilmann dadurch, dass sich die Bauelemente-Hersteller noch nicht über die äußere Form der 03015er-Teile einig sind: »Bei Kondensatoren war bisher eine fünfseitige Metallisierung und bei einem Widerstand eine dreiseitige Metallisierung üblich. Jetzt baut der eine Hersteller dreiseitig metallisierte Widerstände, der andere eine einseitig nur auf der Unterseite metallisierte Version.«

Aber nicht nur der Bestückprozess, auch das Leiterplattendesign, das Drucken und das Reflow-Löten sind Herausforderungen, die es zu meistern gilt:  »Wir stehen zu diesem Thema derzeit in regem Austausch mit den Drucker-, Schablonen-, und Leiterplattenherstellern«, erklärt Heilmann.

Bei dieser Gelegenheit stellt sich aber natürlich die Frage, ob sich ein europäischer Fertiger überhaupt mit solchen Bauteile-Winzlingen auseinandersetzen muss, denn schon die Baugröße 01005 spielt in Europa nach wie vor noch keine große Rolle. Zwar gibt es einzelne Elektronikfertiger, die solche Bauteile einsetzen, beispielsweise in Applikationen für die Medizintechnik, aber das ist eher die Ausnahme.

Nachdem viele technische Innovationen nach wie vor in Deutschland entwickelt werden, sollte Europa hier aber in jedem Fall am Ball bleiben, davon sind zumindest die großen und weltweit agierenden SMT-Maschinenhersteller wie Fuji und Siplace überzeugt: »Baugrößen wie 01005 und 03015 sind zwar in erster Linie für den asiatischen Markt von Bedeutung, zum Beispiel für Smartphones und Tablets, aber wer innovativ sein möchte und über Miniaturisierung nachdenkt, der muss sich auch hier mit diesem Thema auseinandersetzen«, gibt Heilmann zu bedenken.

Dagegen sind Hersteller, die vorwiegend den europäischen Mittelstand bedienen, hier eher zurückhaltend, weil sie bei ihrer Klientel dafür derzeit keinen Bedarf sehen: »Bezüglich 03015-Bauteilen beobachten wir den Markt. Momentan haben wir aber keinerlei Nachfragen von unseren Kunden zur Bestückung dieser Bauteile«, erklärt Florian Schildein, Leiter Vertrieb und Marketing von Essemtec. »Das mag auch an unseren Zielkunden liegen, die sich zunächst erst einmal mit 01005 beschäftigen müssen. Ich denke, dass für kleinere Bauteile der Markt sowieso erst in Asien aufgehen wird. In Europa wird es bestimmt noch dauern, so wie das bei 01005 auch der Fall war.« Sollte es die Nachfrage erfordern, wolle aber auch Essemtec eine zuverlässige Lösung anbieten, bekräftigt Schildein.