Passive & Elektromechanik Würth Elektronik eiSos: »Wir wollen den Umsatz bis 2020 verdoppeln«

Oliver Konz (links) und Thomas Schrott, Würth Elektronik eiSos Gruppe: »Wir werden unser Produktangebot im Bereich passiver Bauelemente in den nächsten Jahren auch durch ergänzende, zukunftsfähige Zukäufe weiter ausbauen und streben bis 2020 ein Umsatzvolumen von 600 Millionen Euro an.«
Oliver Konz (links) und Thomas Schrott, Würth Elektronik eiSos Gruppe: »Wir werden unser Produktangebot im Bereich passiver Bauelemente in den nächsten Jahren auch durch ergänzende, zukunftsfähige Zukäufe weiter ausbauen und streben bis 2020 ein Umsatzvolumen von 600 Millionen Euro an.«

Die Geschäftsführer und CEOs der Würth Elektronik eiSos Gruppe, Oliver Konz und Thomas Schrott, haben vor, den Unternehmensumsatz bis 2020 auf 600 Mio. Euro zu verdoppeln. Wie Akquisitionen und der Einstieg in neue Marktsegmente dazu beitragen sollen, erläutern Sie im Interview.

Markt&Technik: Sie haben 2012 in Waldenburg ein neues Technologiezentrum für 10 Millionen Euro errichtet, das über 300 Arbeitsplätze verfügt. Nun haben Sie am Businesscampus Garching bei München offiziell ein Electronic Design & Application Center eröffnet. Bekommen Sie in Waldenburg nicht ausreichend Entwickler?

Oliver Konz: Der neue Standort bietet neben 50 Arbeitsplätzen auch noch 14 Laborplätze. Die Entwicklungsschwerpunkte des Teams in Garching werden vor allem in den Bereichen Wireless Power Transfer, Energy Harvesting, sowie auf der Entwicklung der neuen MagI3C-Power Module liegen. Darüber hinaus entwickeln wir dort bereits seit Anfang des Jahres die ersten kundenspezifischen Magnetics von Wurth Electronics Midcom, und sind dabei den Vertrieb in Europa deutlich für diesen Bereich auszubauen. Um aber Ihre Frage zu beantworten, wir haben am Universitätsstandort München sicher größere Chancen, junge Entwickler für uns zu gewinnen, wie in Waldenburg. Zudem war der direkte Draht zu den Kunden und IC-Herstellern in München für uns ein wichtiger Grund für diese Entscheidung.

Thomas Schrott: Wir waren ja bereits mit dem vor eineinhalb Jahren eröffneten Innovations-Büro in Aschheim und der Niederlassung unseres Tochterunternehmens Wurth Electronics Midcom im Raum München vertreten. Wir haben nun die Möglichkeit genutzt, unsere Aktivitäten am schnell wachsenden und attraktiven Businesscampus Garching zu konzentrieren. Im ersten Schritt bietet das 1000 m2 große Büro hier 50 Arbeitsplätze, wenn man etwas zusammenrückt, werden hier aus 60 bis 70 Leute arbeiten können. Sollte das schon in naher Zukunft nicht mehr reichen, haben wir genügend Optionen für ein dynamisches Wachstum. München bietet uns nicht nur einen direkteren Zugang zu den Universitätsabgängern, mit unserer Aufstellung im Bereich passiver und elektromechanischer Komponenten sind wir sicher auch eine interessante Alternative für erfahrene Entwickler, die neue Herausforderungen suchen.

Sie haben in den neuen Standort 2,5 Millionen Euro investiert und sind dabei rund um die Welt sowohl Ihre Produktions-, als auch die Lagerkapazitäten deutlich auszubauen. Entwickelte sich das Jahr 2013 wirtschaftlich für Sie so, wie Sie es erwartet hatten?

Konz: Nach einem Umsatz von 267 Millionen Euro im letzten Jahr, steuern wir auf die 300 Millionen Euro Umsatzschwelle zu. Sollten wir sie nicht in diesem Jahr erreichen, dann werden wir sicherlich 2014 darüber liegen. Wir wachsen äußert dynamisch, mit derzeit rund 16 Prozent zum Vorjahr. Um die damit verbundenen Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen, investierten wir in diesem Jahr allein knapp 7 Millionen Euro in den Ausbau unserer Fertigungskapazitäten unter anderem in Mexiko, Bulgarien und Thailand. Im Zuge dieser Entwicklung werden wir uns auch zeitnah mit einer Verdoppelung unseres Europa-Zentrallagers in Waldenburg beschäftigen müssen. Wir planen dort derzeit mit Investitionskosten von 15 bis 18 Millionen Euro.

Als Teil der Würth-Gruppe dürfte Ihnen die nötige Kapitalbeschaffung etwas einfacher fallen, als einem „normalen“ Mittelständler Ihrer Größe. Wie tief sind die Taschen des Herrn Würth, wenn es um das weitere Wachstum der Würth Elektronik eiSos geht?

Schrott: Die alles entscheidende Frage in diesem Zusammenhang lautet: „Was braucht der Kunde, und wie können wir seinen Anforderungen gerecht werden und ihn begeistern? Bisher haben wir auf diese Frage in den Augen unseres Gründers offenbar immer die richtigen Antworten gefunden. Ein wesentlicher Schlüssel zu unserem Erfolg ist die konsequente Multiplikation unserer Verkaufsmannschaft sowie die damit verbundene Internationalisierung. Angefangen bei den Ferriten und den Induktivitäten, haben wir dieses Geschäftsmodell erfolgreich auf den Bereich Steckverbinder, LED und vor kurzem Module übertragen. Und wir sehen die Chance, dieses Konzept noch auf andere Bereiche anzuwenden und so die Elektronikwelt aus unserer Sicht noch weiter zu komplettieren.

Sie feiern im nächsten Jahr ein Jubiläum. Beim Start der Würth Elektronik war kaum vorherzusehen, dass sich der Bereich Elektronische & Elektromechanische Bauelemente, in weniger als zwei Jahrzehnten zum größten unabhängigen europäischen Hersteller dieser Produkte entwickeln würde.

Konz: Da ist sicherlich einiges besser gelaufen, als sich das die Verantwortlichen zu Beginn erhofft hatten. Noch vor 20 Jahren waren wir ein kleines Unternehmen, das Ferrite verkauft hat. Heute beschäftigen wir weltweit 5000 Mitarbeiter, sind in 38 Ländern mit eigenen Niederlassungen präsent und über Distributoren zusammen in 50 Ländern aktiv. Zuletzt steuerten wir knapp 40 Prozent zum Umsatz der Würth Elektronik bei und wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Anteil noch weiter erhöhen können. Dieses Ziel werden wir nicht nur durch organisches Wachstum erreichen, sondern auch durch Zukäufe. Unser Fokus liegt dabei auf Produktsegmenten und Firmen, die unser Sortiment sinnvoll mit zukunftsfähigen Produkten ergänzen. Für den reinen Kauf von Markt, würden wir sicher keine Zustimmung von Herrn Professor Würth bekommen.