Relais-Forum Würfelrelais vor dem Aus?

Die Teilnehmer am Relais-Forum der Markt&Technik (v.l.n.r.): Hans Grobben, Fujitsu; Richard Bayer, Zettler electronics; Andreas Deisenrieder, Panasonic; Evert Groen, Finder; Karin Braun, Song Chuan; Jürgen Steinhäuser, Elesta relays; Erich Schenk, Markt&Technik; Dr. Christian Veit, TE Connectivity; Theo Reisel, Hongfa

Seit über 30 Jahren behauptet sich das Würfelrelais technisch unverändert, doch das Ende der Erfolgsgeschichte des Dinosauriers kündigt sich an: Hoher Energieverbrauch und großer Platzbedarf sind nicht mehr zeitgemäß, wegen des niedrigen Preises haben sich einige der renommierten Hersteller schon aus der Produktion dieses elektromechanischen Relais’ verabschiedet.

Für Weiße Ware wie Waschmaschinen werden derzeit weltweit noch etwa 400 Mio. der Sugar-Cube-Relais mit 10 A gefertigt. Gemessen am Gesamtmarkt der E-Mechanik-Relais in einer Höhe von 6 bis 7 Mrd. Units liegt der prozentuale Anteil somit nurmehr im einstelligen Bereich. Weil sich nach Überzeugung der Teilnehmer am Relais-Forum der Markt&Technik für mindestens 80 Prozent der bisherigen Einsatzgebiete auch andere Relais eignen, wagt Theo Reisel, Vertriebsleiter bei Hongfa Europe, die Prognose, dass »2015 die Stückzahlen kräftig einbrechen werden, nur in Nischen wird es weiterhin einen Bedarf geben«. Dazu zählten Anwendungen in Weißer Ware, die stärkere Ströme schalten müssten wie das Heizungsrelais in Waschmaschinen, weil hier die Kleinrelais (7 mm) einfach zu schwach sind.

Momentan fertigen von den namhaften Herstellern noch die chinesische Hongfa, die taiwanische Song Chuan und die japanische Omron Würfelrelais in nennenswerten Stückzahlen. Neben dem 10-A-Relais gibt es noch zwei weitere Würfelrelais mit 12 A und 16 A, wobei allerdings der Sugar Cube mit 70 Prozent den Löwenanteil ausmacht. Hongfas Produktionsvolumen belief sich 2012 für alle drei Typen auf 150 bis 200 Mio. Units, Song Chuans Ausstoß bewegte sich in derselben Größenordnung, Omrons Stückzahlen lagen darunter. Den Rest des Markts teilen sich diverse kleinere chinesische Relais-Hersteller wie Tianbo, Ningbo Foreward und Sanyou.

Was die Preise anbelangt, so erstrecken sich diese von 20 über 30 bis 40 Eurocent für die drei Leisungsklassen von 10, 12 und 16 A. »Mit diesen Preisen wird fast kein Geld verdient«, versichert Reisel. Absoluter Tiefpunkt für die Sugar-Cube-Relais waren 15 Eurocent, zu dem die No-Name-Lieferanten das 10-A-Relais auf den Markt warfen. Der Hongfa-Manager bezweifelt, dass die No-Name-Hersteller zu diesem Preis noch einmal das Sugar-Cube-Relais anbieten könnten, »sofern sie die Anforderungen an die Qualität und die verwendeten Materialien erfüllen müssen, denn das kostet richtig Geld«. Eine Massenproduktion mache jedenfalls »nur Sinn«, wenn auch Geld verdient werde, zumal die Schadensersatzforderungen der Kunden »sehr hoch« seien, falls es zu Rückrufaktionen komme.

Wenn es nicht um einen möglichst niedrigen Preis gehe, könnten »eigentlich alle Würfel durch andere Relais abgelöst werden«, lautet Reisels Fazit. Momentan seien die Preise für die 12-A- und 16-A-Würfelrelais »teilweise noch etwas günstiger« als die der möglichen Alternativen wie etwa der RZ-Relais von TE Connectivity. Weil aber die Herstellkosten in China steigen und TE in Europa vollautomatisch produziert, werde es »zusehends enger«.