Vishays „Asia Growth Program“ »Wir sind und bleiben ein Bauelementelieferant...«

Mit der Neuregelung ihrer Aufgabenbereiche wollen Dr. Gerald Paul und Johan Vandoorn (v.r.n.l.) Vishays Performance am Markt weiter stärken. Eines ihrer Ziele ist dabei der weitere erfolgreiche Ausbau der zunehmend auf eigene Mitarbeiter setzenden Vertriebsstrategie in Asien und speziell in China.

Nicht euphorisch aber sehr zufrieden mit 2016 zeigen sich Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay, und der CTO des Unternehmens, Johan Vandoorn. Ihr Ausbau der R&D-Aktivitäten trägt nicht nur in Form eigener GaN-FETs Früchte. Sehr erfolgreich entwickelt sich das China-Geschäft.

Markt&Technik: Dr. Paul, Vishay hat 2015 einen Umsatz von rund 2,3 Mrd. Dollar erzielt. Sie waren damit nicht wirklich zufrieden. Wie hat sich das Geschäftsjahr 2016 bisher für Sie entwickelt?

Dr. Gerald Paul: Wir liegen nach den ersten drei Quartalen des Jahres bei über 1,7 Mrd. Dollar und sind optimistisch, das Umsatzergebnis des Vorjahres sogar noch leicht übertreffen zu können. Und das in einem wirtschaftlichen Umfeld, das nicht ganz einfach war. Beispielsweise fällt die Preiserosion in diesem Jahr im Halbleiterbereich stärker aus als bei den passiven Bauelementen. In Summe verläuft das Jahr 2016 besser als 2015, es ist vor allem weniger erratisch. Fast paradox möchte ich dabei die Tatsache nennen, dass wir erstmals im dritten Quartal keinen Abbruch der Liefereingänge feststellen konnten. Der Optimismus des ersten Halbjahres scheint dieses Mal auch in der zweiten Jahreshälfte zu tragen.

Johan Vandoorn: Auch wenn sich das Jahr 2016 bislang gut entwickelt hat, so verändert sich der Markt doch weiterhin sehr dynamisch. Nehmen sie das Beispiel der Compact-Kameras oder auch die Laptops. Das war für uns lange Zeit in Asien ein sehr guter Abnehmermarkt. Allein bei den Compact-Kameras ist da ein Marktsegment von gut 100 Mio. Dollar verschwunden. Schrittweise ist unser Umsatz in den letzten Jahren im Consumerbereich auf nunmehr 7% zurückgegangen. Wir haben mit einem verstärkten Engagement im Industriebereich in Asien gegengesteuert und dort in den letzten drei Jahren rund 150 Mio. Dollar hinzugewonnen. Aber das war auch notwendig, um die Marktveränderungen auszugleichen.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für 2017?

Dr. Paul: Vorausgesetzt, die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben unverändert, gehen wir von einem moderaten Marktwachstum von 2 bis 3% aus. Unser Ziel ist es, stärker als der Markt zu wachsen.

Wie stellt sich aktuell die regionale Umsatzverteilung für Vishay dar? Welches sind die wichtigsten Anwendermärkte für Sie?

Dr. Paul: Aktuell erzielen wir 40% unseres Umsatzes in Asien, Europa steuert 34% bei, und auf dem amerikanischen Kontinent entfallen 26%. Damit ist es uns gelungen, unseren Umsatzanteil in Asien zu steigern. Mit einem Umsatzanteil von 35% im Industriebereich und 26% im Automotive-Segment entfallen fast zwei Drittel unseres Umsatzvolumens auf diese beiden Anwendungsbereiche. Setzt sich die Entwicklung der letzten Jahre fort, wird sich der Automotive-Anteil noch weiter erhöhen.

Vandoorn: Ein wichtiger und in Zukunft sicher noch wachsender Absatzbereich ist das Connectivity-Segment. Bisher entfällt rund ein Viertes unseres Umsatzes auf dieses Segment. Für uns der wichtigste Einsatzbereich bei diesem Thema ist Server-Power. In diesem Jahr wird der Energieverbrauch im Serverbereich weltweit bei rund 300 GW liegen. Aktuell liegen wir bei Datenraten von 1,5 TByte/s, bis 2030 wird dieser Wert aller Voraussicht nach auf 17 TByte/s steigen. Energieeffizienz ist also kein Selbstzweck, sondern dringende Notwendigkeit, wenn das Connectivity-Angebot in Zukunft noch weiter ausgebaut werden soll!

Sie haben vor einigen Jahren eine strukturelle Schwäche speziell in China festgestellt, und ein eigenes Programm ins Leben gerufen, um ihre Aktivitäten dort zu verstärken. Wie hat sich dieser Ansatz entwickelt?

Dr. Paul: Wir haben dieses Programm 2012 gestartet und uns dabei auf unsere ausgewiesenen Stärken konzentriert: Industrie und Automotive. Bis zu diesem Zeitpunkt war unser Asien- und speziell unser China-Geschäft vor allem durch den Bedarf der westlichen Industrienationen getrieben. In den letzten drei Jahren haben wir uns darauf konzentriert, lokale Kunden vor allem auch in China zu entwickeln. Dazu haben wir unter anderem unser Büro in Peking deutlich ausgebaut, Verkaufsbüros im nördlichen Teil von China, in X´ian und Wuhan, eröffnet und rund 50 Vertriebsingenieure eingestellt. Asien und speziell China waren lange Zeit vor allem Distributionsgeschäft. Das haben wir nun geändert, und die Wachstumszahlen in den Bereichen Industrie, Automotive und Computing geben uns Recht. Auch haben wir uns bei diesem Programm etwas stärker auf unser Portfolio passiver Bauelemente konzentriert, weil unser Asiengeschäft traditionell etwas Halbleiter-fixiert war.

Vandoorn: Im Besonderen gilt das für den Automotive-Markt in China. Seit 2012 haben wir unser Automotive-Business in China mehr als verdoppelt, und für 2016 sieht es nach einer weiteren Verdopplung aus. Ich glaube an das Thema Elektromobilität, und China stellt für uns auf diesem Gebiet eine hervorragende Möglichkeit dar, von diesem Trend zu profitieren. Unser Erfolg in diesem und in anderen Bereichen hat aber sicher auch damit zu tun, dass wir seit 2009 unsere R&D-Mannschaft um 20% vergrößert haben – was sich jetzt immer deutlicher auszahlt.