Interview zu Taktgebern Weiter steigende Lieferzeiten

Rolf Aschhoff, SE Spezial-Electronic
»Ich halte es durchaus für denkbar, dass die MEMS-Technologie schon in wenigen Jahren den Markt dominiert.«
Rolf Aschhoff, SE Spezial-Electronic »Ich halte es durchaus für denkbar, dass die MEMS-Technologie schon in wenigen Jahren den Markt dominiert.«

Mit weiter steigenden Lieferzeiten sei in den nächsten Monaten auch bei Taktgebern zu rechnen, prognostiziert Rolf Aschhoff, Vice President bei SE Spezial-Electronic. Wer keinen Forecast abgegeben habe und größere Mengen benötige, »muss mitunter schon acht bis zehn Wochen auf seine Ware warten«.

Markt&Technik: Gilt das ebenfalls für MEMS-Oszillatoren von SiTime, die Sie auch im Programm haben?

Rolf Aschhoff, SE Spezial-Electronic: Wer seine Oszillatoren bei SiTime in Asien programmieren lässt, muss inzwischen mit Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen rechnen, Tendenz weiter steigend. Ein kleiner Trost für alle Betroffenen: Das Lager unseres SiTime-Programmiercenters in Bückeburg ist nach wie vor gut gefüllt. Und zumindest Low-Power-, Low-Jitter- und Low-Jitter-Differential-Oszillatoren können wir in der Regel innerhalb von 24 Stunden auch in größeren Einheiten von einigen 10.000 Stück programmieren und ausliefern.

Wie verlief denn 2016 der Umsatz im Vergleich mit 2015, und wie sind die Erwartungen für dieses Jahr?

Der Absatz von Quarzen und Oszillatoren hat sich bei uns im vergangenen Jahr mit einer Umsatzsteigerung von über 15 Prozent sehr positiv entwickelt. Auch das erste Quartal dieses Jahres ist hervorragend gelaufen. Wegen der hohen Auslastung unseres erst im Herbst 2016 in Betrieb genommenen Programmiercenters für MEMS-Oszillatoren von SiTime sind wir sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Marktsegment auch 2017 wieder deutlich zweistellig wachsen werden.

Sieht es bei den Margen ähnlich gut aus?

Im klassischen Handelsgeschäft haben sich in den letzten zwölf Monaten üblicherweise erzielbaren Margen nicht allzuviel geändert, auch weil zuletzt die Lieferzeiten und Preise vor allem für SMD-Quarze leicht angezogen haben. Unser 24-Stunden-Programmierservice garantiert den Kunden zum einen größtmögliche Sicherheit bei der Abdeckung von Bedarfspitzen, zum anderen minimiert er deren eigene Lagerkosten. Dsehalb sind die meisten Kunden auch bereit, dafür einen oder zwei Cents mehr auf den Tisch zu legen.

Mit welcher Preisentwicklung müssen die Kunden rechnen – geht’s noch weiter nach unten?

Weil sich im Low-End-Bereich die Preise für Quarz-Oszillatoren ohnehin schon in der unteren Hälfte der Wirtschaftlichkeitsskala bewegen, sehe ich langfristig niemanden, der an noch weiter sinkenden Preisen Interesse haben könnte. Das gilt auch für MEMS-Oszillatoren-Hersteller wie SiTime, die inzwischen in jedem Segment locker mit den etablierten Quarz-Herstellern preislich mithalten können. Am Ende geht es bei der MEMS-Technologie ja auch nicht vorrangig darum, den Markt mit billigeren Produkten zu versorgen. Ziel ist es, Kunden die bestmögliche technische Lösung zu einem fairen, marktkonformen Preis anzubieten. Das passiert momentan, und ich halte es durchaus für denkbar, dass die MEMS-Technologie schon in wenigen Jahren den Markt dominiert.

MEMS-Oszis haben demnach technologisch kräftig aufgeholt …

Ja. Inzwischen sind MEMS-Bausteine herkömmlichen Quarz-basierenden Oszillatoren in fast allen Parametern und Applikationen nicht nur ebenbürtig, sondern sogar deutlich überlegen. Das gilt insbesondere für die mechanische Belastbarkeit, die Zuverlässigkeit und die Lebenserwartung. Deshalb scheint mir mittelfristig der Siegeszug der MEMS-Technologie in allen Anwendungsbereichen nicht mehr aufzuhalten zu sein.

Wird SiTime denn eine rasch wachsende Nachfrage so ohne weiteres bedienen können?

SiTime agiert ja ohnehin als Fabless-Company. Hier wird übrigens ein weiterer großer Vorteil der MEMS-Technologie deutlich: Weil sich die Taktgeber und Oszillatoren mit üblichen Halbleiter-Prozessen herstellen lassen, können Anbieter von MEMS-basierenden Taktgebern und Oszillatoren viel flexibler auf sich ändernde Marktgegebenheiten reagieren, was wiederum deutlich geringere Versorgungsrisiken für die Kunden zur Folge hat.

Welche Branchen sind der Motor für Ihre Taktgeber – sind Änderungen geplant?

Abgesehen vom Automotive-Bereich, der traditionell von den Herstellern selbst betreut wird, hat aktuell eigentlich jede Branche reichlich Wachstumspotenzial. Der wichtigste Bereich sind für uns aber nach wie vor die klassischen Industriekunden, und daran wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern.

Wo sitzen regional Ihre wichtigsten Kunden?

Trotz mehrerer Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien, Russland und den USA sind wir nach wie vor sehr stark auf die DACH-Region und hier auf Deutschland fokussiert. Solange sich unsere Kunden ganz klar zum Fertigungsstandort Deutschland bekennen, in vielen Fällen sogar die Produktionskapazitäten im Land weiter ausbauen, gibt es für uns auch keinen Grund, von dieser Strategie abzuweichen. Unser Erfolg ist zumindest teilweise diese starke Fokussierung auf wenige Märkte und der nur dadurch möglichen Nähe zum Kunden geschuldet.