Interview Was sind die neuen Applikationen für den M12?

M12-Steckverbinder sind auf dem Vormarsch in einer Vielzahl von Applikationen
M12-Steckverbinder sind auf dem Vormarsch in einer Vielzahl von Applikationen

Der weit verbreitete M12-Stecker wird künftig in immer vielfältigere Applikationen einziehen. »Wesentliche Treiber sind Reduzierung von Kosten – Stichwort Standardisierung –, Miniaturisierung und verbessertes Handling«, erläutert Andrej Lorkovic, Director Product Management von Belden.

Markt&Technik: Im Bereich der Maschinenverdrahtung auf Feldebene ist der M12-Steckverbinder absoluter Standard. Welches Potenzial hat aber der neue, X-codierte M12-Stecker, der für eine industrie-taugliche Datenübertragung bis 10 GBit/s ausgelegt ist?

Andrej Lorkovic, Belden: Die Ausdehnung der M12-Steckverbinder auf neue Anwendungsgebiete ergibt sich aus dem Bedarf vieler Kunden nach Steckverbindern, welche größtmögliche Performance und industrietaugliche Robustheit sowie Qualität gewährleisten. Dabei ist der generell zunehmende Datenverkehr auf Feld- und Netzwerkebene, unter anderem bedingt durch das Aufkommen von Prozessüberwachung in High-Definition, Integration von Informationssystemen, etc., der Haupttreiber. Wesentliche Anwendungsgebiete für die neuen, x-codierten, M12-Stecker liegen beispielsweise in der visuellen Überwachung von Produktions- und Transportprozessen über Videokamerasysteme und High-Performance-Vision-Sensoren.

Wo sehen Sie typische Einsatzbereiche für den High-Speed-M12-Steckverbinder außerhalb der Factory Automation?

Einen hohen Stellenwert haben die neuen M12-Steckverbinder im Bahnumfeld, insbesondere in fahrenden Zügen.

Hierbei spielt vor allem die hohe Vibrationsbeständigkeit in Kombination mit der Kat6-Übertragung eine wichtige Rolle. Die Notwendigkeit einer Datenübertragungsrate jenseits der 100 MBit/s ergibt sich  neben der zunehmenden Installation von Infotainment-Komponenten auch aus der Ausdehnung von Steuerungs- und Sicherheits-Systemen, beispielsweise zur Ermittlung der Passagierzahl.

Daneben ist der M12-Steckverbinder auch auf dem Vormarsch in der Leistungsübertragung…

Derzeit befindet sich die Normung im Abschluss. Die T- und S-Kodierung sind aktuell die geläufigsten Formen auf dem Markt. Jedoch werden derzeit bereits zusätzliche Kodierungen erarbeitet, unter anderem K- und L-Kodierung, welche sowohl höhere Polzahlen als auch die Energieversorgung größerer Elektromotoren ermöglichen  – und somit breitere Anwendung finden werden.

Wo sehen Sie typische Anwendungen für die M12-Leistungssteckverbinder?

Miniaturisierung und Standardisierung sind derzeit zwei der wichtigsten Trends in der Automatisierungstechnik sowie im Maschinenbau. Folglich ist hier zu beobachten, dass nun vermehrt M12-Steckverbinder in Applikationen zum Einsatz kommen sollen, in denen bislang ausschließlich 7/8-Zoll- bzw. M23-Anschlusstechnik eingesetzt wurde. Entsprechend ist davon auszugehen, dass zukünftig M12-Schnittstellen bei Aktuatoren, kleinen Elektromotoren oder auch Drehgebern den Marktstandard dominieren werden.

Wird es auch eine hybride Schnittstelle für die Übertragung von Daten und Leistung geben?

Generell ist eine M12-Steckverbinderlösung als Hybrid-Schnittstelle für Daten und Power umsetzbar. Entsprechende Lösungen werden - wie auch bei den M12-Power Steckverbindern - derzeit in den zuständigen Normungsgremien finalisiert. Es deutet sich hier grundsätzlich an, dass sich die Y-Kodierung als Standard etablieren wird. Mit den neuen Hybrid-Steckverbindern wird es dann möglich sein, die erforderliche Anzahl an Schnittstellen zu reduzieren.