Interview mit Maximilian Schober, Polyrack »Thermoplastische Kunststoffe das Material der Wahl bei Gehäusen«

Maximilian Schober, Polyrack: »Häufig fällt die Wahl auf einen Mix aus Metall und Kunststoff, um so auch das Gesamtgewicht einer Baugruppe zu reduzieren.«
Maximilian Schober, Polyrack: »Häufig fällt die Wahl auf einen Mix aus Metall und Kunststoff, um so auch das Gesamtgewicht einer Baugruppe zu reduzieren.«

Im industriellen Umfeld geht der Trend zu Gehäusen, »die nicht nur optimalen Schutz und hohe Stabilität bieten, sondern auch in Sachen Design hervorstechen« sagt Maximilian Schober, Key Account Manager der Polyrack Tech-Group. Bei den Gehäusematerialien entwickeln sich thermoplastische Kunststoffe »zunehmend zum Material der Wahl«.

Markt&Technik: Welche allgemeinen technischen Trends beobachten Sie derzeit bei industriellen Gehäusen neben Aspekten wie Ästhetik und Haptik?

Maximilian Schober, Polyrack: Durch die immer kompaktere Elektronik und durch vorgegebene Elektronik bzw. Elektronikkomponenten steigen die Anforderungen an Systemlösungen im Bereich Electronic Packaging. Gepuscht wird diese Entwicklung noch durch eine steigende Anzahl an Embedded-Anwendungen. Standardgehäuse reichen hier oft nicht aus, häufig erfüllen nur individuelle Lösungen die Anforderungen. Das spiegelt sich auch in unseren Auftragseingängen wider: Bei uns beträgt der Anteil an modifizierten und kundenspezifischen Gehäusen nahezu 90 Prozent. Um spezielle Anforderungen in kürzester Zeit technisch und wirtschaftlich optimal umsetzen zu können, haben wir sämtliche Technologien in unserer Firmengruppe vereint – von der mechanischen Fertigung über die Systemtechnik bzw. Elektronik und Kunststofftechnik bis hin zur Oberflächenbearbeitung. Dabei rücken auch technische Verarbeitungsverfahren in den Vordergrund wie etwa das thermoplastische Schaumspritzgießen (TSG) für anspruchsvolle technische Formteile und das Folienhinterspritzen für hochwertige Oberflächen.

Apropos Materialien: Vollzieht sich hier ein Wechsel hin zum häufigeren Einsatz von Kunststoff anstelle von Metall?

Ja, denn mit thermoplastischen Kunststoffen lassen sich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten in der Formgebung, Farbe, Oberflächenfinish und Ausführung realisieren. Zudem erfüllen sie alle Anforderung an Robustheit und EMV – und das bei deutlich niedrigeren Kosten. Dazu zählen Massenkunststoffe wie PE, PP oder PS sowie Hochleistungskunststoffe PPS, LCP, PSU. Je nach Verwendung fügen wir diesen Additive zu wie etwa Glasfasern oder Glaskugeln, um derart die Festigkeit zu erhöhen. Ist ein Schutz gegen elektromagnetische Strahlen gefragt, versehen wir die Oberflächen mit ESD-Antistatikschichten oder leitfähigen Acrylbeschichtungen. So können wir unseren Kunden ganz individuelle Lösungen mit hohem Wiedererkennungswert in großen Stückzahlen offerieren. Hierfür haben wir die RAPP Kunststofftechnik als Spezialisten in der Unternehmensgruppe. Sie unterstützt die Kunden über die komplette Fertigungskette hinweg, verfügt über eine enorme Fertigungstiefe und bietet eine ganze Reihe an Verfahren – vom Spritzgießen, Schäumen, Bedrucken, Lackieren, Fräsen bis hin zum Ultraschallschweißen. Welche Materialien für ein Produkt letztlich eingesetzt werden, hängt im Wesentlichen von den Anforderungen des Einsatzgebiets (Umgebungstemperaturen u.a.) und dem Kunden ab. Häufig fällt die Wahl der Materialart auf einen Materialmix aus Metall und Kunststoff, um so auch das Gesamtgewicht einer Baugruppe zu reduzieren.

Eingangs sagten Sie, dass die Nachfrage nach kundenspezifischen Lösungen bei Polyrack sehr groß ist: Was fällt alles unter diesen Aspekt?

Individualität ist gefragt sowohl hinsichtlich der Serviceleistungen, der Funktionalität, des Aufbaus und natürlich auch des Designs. Das Anbringen von Firmenname und Logo und die Gestaltung im Corporate Design des Kunden macht dabei aber nur einen kleinen Teil aus. Viel entscheidender sind spezifische Abmessungen, zusätzliche Schnittstellen oder Kühlungslösungen der Gehäuse, die die speziellen Anforderungen optimal erfüllen. Denn fast keine Applikation ist wie die andere.