Industriesteckverbinder Telecom/Datacom goes Automatisierung

Den Steckverbinder Industrial Mini I/O will TE als neue Schnittstelle im Industrie-Umfeld etablieren.
Den Steckverbinder Industrial Mini I/O will TE als neue Schnittstelle im Industrie-Umfeld etablieren.

Ein Trend bei Industrie-Steckverbindern ist, dass immer mehr Anforderungen aus dem Telecom/Datacom-Segment in die industriellen Applikationen hineinwachsen. Denn die Vision der Smart Factory setzt ein intelligentes Informationsnetz voraus.

An der Maschine sind Datenraten von 100 MBit/s dominierend, die sich mit bewährten RJ45-Steckern oder dem vierpoligen M12-Steckverbinder mit D-Codierung übertragen lassen. In vielen Applikationen wird das auch in Zukunft vollkommen ausreichend sein. Allerdings ist zu differenzieren, ob man nur die Schnittstelle an der Maschine betrachtet oder die gesamte Infrastruktur dahinter. Denn diese trennt sich zunehmend von der einzelnen Applikation – sprich sie wird universeller. In Zukunft wird man sich in der Prozessautomatisierung auch über das Netzwerk definieren, an dem alle Geräte und Applikationen angebunden sind. Und das bekommt – dank Trends wie Industrie 4.0 und Smart Factory – einen immer größeren Stellenwert. Verfolgt man diesen Gedanken, kann es für die Anwender also heute schon sinnvoll sein, die Infrastruktur technologisch vorauseilend zu gestalten bzw. hoch aufzurüsten. Eine Datenübertragung im Gigabit-Ethernet-Bereich rückt damit auch in der klassischen Industrie-Umgebung näher. In speziellen Applikationen sind sogar Datenraten von 10 GBit/s und mehr erforderlich. Doch stellt das die Hersteller von Industrie-Steckverbindern vor neue Herausforderungen? Technisch scheint das nicht der Fall zu sein, denn die Komponenten zur Übertragung sind bereits definiert und in verschiedenen Ausführungen verfügbar; es sind Industrial-RJ45-Steckverbinder und achtpolige M12-Stecker mit X-Codierung nach Cat6A. Und dennoch stellen sich die Steckverbinderbranche auf neue Anforderungen ein.

»Der Anteil der Cat6A-Steckverbinder wird in den nächsten fünf Jahren stark wachsen, wenngleich Cat5 weiterhin die Verbindungstechnik dominieren wird«, prognostiziert Michael Singer, Vice President Marketing des Steckverbinderherstellers Erni. »Entscheidend ist es aber auch, wie sich die Datenübertragung in den Geräten selbst in den nächsten Jahren entwickeln wird. Denn die Rechenleistung in den Systemen nimmt weiter zu«, sagt Singer. Er beobachtet bereits heute, dass sich die Automatisierungsbranche der Telecom/Datacom-Industrie immer stärker annähert. »Beide Branchen wachsen zusammen. Industriekunden und Telekommunikationskunden sprechen mittlerweile eine gemeinsame Sprache. Das war vor fünf Jahren sicherlich noch nicht so.«

Diesen Trend kann Gijs Werner, Senior Manager Strategic Marketing von TE Connectivity, zu 100 Prozent bestätigen. »Dadurch öffnen sich die Türen für Newcomer im Industrie-Segment, etwa für große Telekommunikations- und Netzwerkunternehmen«, führt Gijs Werner weiter aus. Ein Beispiel ist Cisco. Für den Großkonzern ist die Automatisierungsbranche mittlerweile zu einem interessanten Geschäftsfeld geworden. Mit auf Software basierten Lösungen rund um ein intelligentes Informationsnetzwerk werden nun also auch Networking-Unternehmen neue Technologien in das Industrieumfeld bringen.

Industrial Mini I/O als Alternative zum RJ45

Durch das Zusammenwachsen von Automatisierung und Telekommunikation sieht Gijs Werner einen Bedarf an neuen Steckverbindern am Markt, die die etablierten Schnittstellen ablösen können. »Wir wollen eine Alternative zum RJ45 im Industrie-Umfeld etablieren, weil der RJ45 aus unserer Sicht Defizite in der Robustheit und Größe aufweist. Er benötigt sehr viel Platz auf der Leiterplatte. Diese Verbindung können wir deutlich kompakter und besser ausführen.« Damit spielt Gijs Werner auf den »Industrial Mini I/O«-Steckverbinder an, den TE Connectivity bereits vor einiger Zeit vorgestellt hat. Er braucht nach Unternehmensangaben bis zu 75% weniger Platz als herkömmliche Schnittstellen. Daneben ist der Steckverbinder dank zweier Kontaktpunkte für hohe Vibrationsbelastungen prädestiniert. TE entwickelt diesen Steckverbinder aktuell in einer gefilterten Ausführung mit höherer Performance. Gijs Werner ist überzeugt davon, dass der Industrial Mini I/O mit integrierten Magnetics sehr gut vom Markt angenommen werden wird, auch weil es bei vergleichbaren RJ45-Steckverbindern mit integrierten Magnetics immer wieder zu Verfügbarkeitsproblemen und Lieferverzögerungen kommt. Der Grund ist, dass sich die großen Hersteller dieser Steckverbinder hauptsächlich auf den Kommunikationsmarkt fokussieren, weil dort die Stückzahlen um ein Vielfaches größer sind als im Industriesegment. Für TE eröffnet sich dadurch die Chance, den Durchbruch mit dem »Industrial Mini I/O« zu schaffen. Um die Akzeptanz dieser neuen Schnittstelle zu steigern, verhandelt das Unternehmen bereits mit Zweitanbietern, die den Steckverbinder ebenfalls in ihr Produktprogramm mit aufnehmen sollen. Damit kommt TE dem Wunsch der Kunden nach einer Second Source nach.