So ist die Stimmung am Markt Schalter-Hersteller sind optimistisch – mit kleinen Einschränkungen

Nach einigen extremen Spitzen im ersten Halbjahr 2010 stabilisiert sich der Markt für Schalter, Tasten und Eingabesysteme derzeit auf einem ordentlichen Niveau. Das ist momentan der Branchentenor.

Am deutschen Markt für Schalter und Geräteschutzsicherungen hat die Automobilindustrie einen sehr hohen Stellenwert! Der ZVEI beziffert den Anteil der Kfz-Elektronik als Abnehmersegment auf rund 53 Prozent. Dahinter – und mit deutlichem Abstand – folgen die Branchen Datentechnik (17,6 Prozent) und Industrieelektronik (17 Prozent) sowie mit geringeren Anteilen die Telekommunikation und die Consumer-Elektronik. Allein die Dominanz der Automobilkunden lässt erahnen, dass die Schalter-Industrie in den letzten zwei Jahren zum Teil extrem gefordert war.

So hat der Hersteller Marquardt, als ein Beispiel, bereits im vierten Quartal 2008 einen massiven Umsatzeinbruch in allen für das Unternehmen relevanten Märkten hinnehmen müssen. »Auch in den darauf folgenden 12 bis 14 Monaten konnten wir die Vorjahreswerte bei Weitem nicht erreichen. Unser Serienumsatz brach stellenweise um über 50 Prozent ein«, berichtet Dr. Harald Marquardt, Sprecher der Geschäftsführung der Marquardt-Gruppe. Und weiter: »Seit etwa einem halben Jahr verzeichnen wir jedoch wieder eine sich ständig verbessernde Auftragslage. Die Märkte haben sich erholt; und die Abrufe unserer Kunden haben zugenommen.«

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Die Höhen und Tiefen am Schaltermarkt

So haben die Hersteller von Schaltern die zurückliegenden 24 Monate erlebt

Diese positive Geschäftsentwicklung zieht sich mittlerweile durch die gesamte Branche. Bei Knitter-Switch, als weiteres Beispiel, gehe es seit Ende 2009 wieder aufwärts - »und seit dem zweiten Quartal 2010 sogar sehr dynamisch«, berichtet der Geschäftsführer Hanspeter Külb.
Auch Yine Zhang, Geschäftsführer von N&H Technology, betont, dass sich derzeit »Umsatz sowie Auftragseingang erwartungsgemäß positiv entwickeln«.

Insgesamt ist es den Herstellern von Schaltern recht gut gelungen, sich durch die schwierige Zeit zu manövrieren. Weil die E-Mechanik-Branche größtenteils besonnen auf den Einbruch der Märkte reagiert hat, konnte sie das Schwungrad wieder sehr schnell in Gang versetzen. Das zahlt sich laut Hanspeter Külb von Knitter-Switch aus: »Heute kommt es uns sehr zu Gute, dass wir unser Personal nicht reduziert haben.«

Alles wie bisher - kaum Marktbereinigung

Stärker als viele andere Bereiche der Elektronik-Industrie ist die E-Mechanik vor allem durch deutsche Familienunternehmen und mittelständische Firmen geprägt, die auf einen harten Restrukturierungskurs verzichtet haben. Gleichzeitig ist die Branche auch verhältnismäßig solide aufgestellt. »Marktbereinigungen gab es nur im begrenzten Umfang«, berichtet Michael Schulze, Geschäftsführer von APEM. »Insgesamt hat es einige Mitwerber in unserem Umfeld zwar durchaus schwer getroffen, wegen der raschen Erholung der Märkte zu Beginn des Jahres 2010 blieben sie von dramatischen Auswirkungen jedoch verschont.« Gab es also gar keine Übernahmen oder gar Insolvenzen? »Speziell die Wettbewerber aus Japan haben stark gelitten. Einer davon ist insolvent, ein anderer stark geschwächt«, antwortet Hanspeter Külb. Alles in allem halten sich die Auswirkungen für den Kunden jedoch in Grenzen.

Das Niveau von 2008 ist fast erreicht!

Noch im Mai hat der ZVEI-Fachverband »Electronic Components and Systems« prognostiziert, dass in einigen Teilsegmenten des Elektromechanik-Marktes das Umsatzniveau von 2008 bereits im Jahr 2012 wieder erreicht werden könne. Doch auch diese Vorhersage scheint mittlerweile - wie so vieles andere - überholt zu sein. Darauf zumindest deuten die Aussagen aus den einzelnen Unternehmen hin. Michael Schulze von APEM: »In diesem Jahr werden wir aller Voraussicht nach das Ergebnis von 2008 übertreffen.« Auch im Hause Marquardt hat man das Krisenjahr beinahe überwunden. »Wir sind sehr zuversichtlich, dass unser Unternehmen das Geschäftsjahr 2010 mit Umsatzwerten nahe des Niveaus im Jahr 2008 abschließen wird. Die positiven Entwicklungen auf den Märkten in Asien und Amerika haben uns dieses Niveau beschert.« Dass das internationale Geschäft sehr gut laufe, bestätigt auch Hanspeter Külb von Knitter-Switch. »Zwar haben wir das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht, sind aber auf einem sehr guten Weg.«

Optimistischer Ausblick mit kleinen Einschränkungen

Die Erwartungen an die verbleibenden Monate in diesem Jahr fallen bei den Herstellern von Eingabe-Komponenten optimistisch aus, allerdings mit kleinen Einschränkungen. Und das hat auch seine Gründe. Zwar sind die Hersteller mit der Auftragslage sehr zufrieden. »Die langen Lieferzeiten – auch bei anderen Bauteilen – werden das Geschäft jedoch bremsen«, glaubt Hanspeter Külb. Auch Michael Schulze weist darauf hin, dass sich zum Beispiel die längeren Lieferzeiten bei den Rohmaterialien und bei fertigen Produkten bemerkbar machen, was für die Hersteller und Kunden natürlich wenig erfreulich sei.

Die Prognose von Michael Schulze: »Die Marktentwicklung wird in der zweiten Jahreshälfte 2010 stabil sein. Die extremen Spitzen zu Beginn des Jahres durch re-stocking werden sich im vierten Quartal 2010 aber sicherlich nicht noch einmal wiederholen.« Ganz ähnlich sieht das auch Dr. Harald Marquardt: »Der Aufschwung wird sich etwas abschwächen und somit auf etwas niedrigerem Niveau als in der ersten Jahreshälfte stabilisieren. Und das lässt uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken.«

Der Industrie wird diese Erholung gut tun, immerhin gilt es, die sehr turbulenten zurückliegenden zwei Jahre zu kompensieren.