Auswirkungen der Katastrophe in Japan Relais-Allokation: Ver- oder gar Entschärfung?

Welche Auswirkungen die japanische Katastrophe auf die sowieso schon langen Relais-Lieferzeiten von teils über 1 Jahr haben wird, ist den Teilnehmern des Relais-Forums der Markt&Technik zufolge derzeit nicht absehbar. Möglich ist eine weitere Verschärfung, paradoxerweise aber auch eine Entschärfung der angespannten Liefersituation.

Direkt betroffen sind die japanischen Relais-Fertigungsstätten von Omron, Panasonic und Fujitsu weder vom Erdbeben noch vom Tsunami, überdies liegen sie im Süden oder Norden des Landes und somit weit weg von den havarierten AKWs. Auch eventuelle Stromkontingentierungen bereiten bei der Relais-Assemblierung im Gegensatz zum kontinuerlichen Prozess etwa der Waferfertigung für Halbleiter-Bausteine keine Probleme. Unterbrechungen bei der Relais-Fertigung sind ohne gravierende Auswirkungen auf die Qualität und die Ausbeute, auch wenn sich folglich der Ausstoß bei halb- und vollautomatischer Fertigung verringert. Definitiv betroffen sind aber einige Zulieferer von Relais-Vorprodukten wie etwa Klebstoffen, haben doch manche Zulieferer ihre Fertigungsstätten im hoch industrialisierten Großraum der Fukushima-AKWs. Inwieweit in der Lieferkette auch Sub-Zulieferer ihre Produktion einstellen oder zurückfahren mussten, wird derzeit noch von den Relais-Herstellern wie Panasonic akribisch untersucht: »Die Fertigungsstätten unserer Zulieferer haben nichts abbekommen, aber nun überprüfen wir, ob die Zulieferer der Zulieferer betroffen sind«, sagt Andreas Deisenrieder, General Manager Sales Germany&European Distribution bei Panasonic Electric Works.

Ein wichtiger Aspekt bei den direkten Zulieferern der Relais-Hersteller ist in diesem Szenario, dass die Zulieferer neben den japanischen Relais-Spezialisten auch in China fertigende Hersteller versorgen. Und dieser Fertigungsstandort ist nach Stückzahlen derzeit der bei weitem wichtigste Markt: So fertigte die chinesische Nr. 1, Hongfa, 2009 über 700 Mio Relais, und auch die Großen der Branche wie Omron, Panasonic, TE Connectivity (vormals Tyco Electronics), Song Chuan und Zettler electronics haben vor Ort eigene Fertigungsstätten für einen Teil ihrer Volumenprodukte. Vor allem manuell und halbautomatisch, zunehmend auch vollautomatisch gefertigte Relais kommen momentan aus Kostengründen aus dem Reich der Mitte.

Bleibt also die globale Relais-Nachfrage unverändert auf dem derzeitig hohen Niveau und sollte es tatsächlich seitens der Zulieferer länger andauernde Engpässe geben, ist - sobald die Pufferläger der Relais-Produzenten aufgebraucht sind - eine Verschärfung der Liefersituation unausweichlich. In diesem Fall müssten die Relais-Hersteller ihre voll ausgelasteten Fertigungslinien zurückfahren und somit den Ausstoß verringern. Ob sich daraus eine deutliche Verlängerung der Allokation über 2012 hinaus ableiten lässt - etwa 1, 2 Jahre länger -, war unter den Forumsteilnehmern strittig. Die Mehrheit tendierte zu keiner drastischen Ausdehnung der seit nunmehr 18 Monaten anhaltenden Allokationsphase.

Gar nicht so unwahrscheinlich ist aber auch, dass es zumindest zu keiner Verschärfung kommt - selbst wenn der Ausstoß geringer werden sollte - oder gar zu einer Entschärfung, weil nämlich die Produktion von Halbleiterprodukten wegen der japanischen Katastrophe zurückgehen könnte. Einige Halbleiter-Hersteller mussten schon Fabriken erst einmal stilllegen, im übrigen kommen 60 Prozent des Reinstsiliziums weltweit aus Japan. Sollte es beim Grundstoff der Halbleiterfertigung zu gravierenden Engpässen kommen, können diese von den verbleibenden Reinstsilizium-Produzenten wie der deutschen Wacker Chemie nicht aufgefangen werden. Und wenn nicht mehr genügend Halbleiterkomponenten global verfügbar sein sollten, sinkt auch der Bedarf an Nicht-Halbleiter-Bausteinen wie den Relais, denn fehlt nur ein Baustein für die Leiterplatte, wird kein Hersteller (oder Distributor) die übrigen Komponenten in größeren Mengen horten. Nicht nur im Kfz-Segment könnte es Deisenrieder zufolge »mal ganz schnell zur Entspannung kommen«. In diesem Fall bekämen andere Kunden in der Warteschlange rascher die benötigten Relais.