Markt für Taktgeber Preisdruck und Konsolidierung

Christian Dunger, WDI:
»2017 wird für viele Unternehmen – Hersteller und auch Distributoren – die Frage der Rückverfolgbarkeit noch wichtiger werden.«
Christian Dunger, WDI: »2017 wird für viele Unternehmen – Hersteller und auch Distributoren – die Frage der Rückverfolgbarkeit noch wichtiger werden.«

Der Markt für frequenzgebende Bauelemente (Quarze und Oszillatoren) »war 2016 geprägt von zunehmender Anbieterkonsolidierung und Preisdruck«, sagt Christian Dunger, Vorstand der WDI AG. Angesichts von Fälschungen werde die Rückverfolgbarkeit noch wichtiger.

Für 2017 sind Dunger,  WDI,  zufolge »weitere Konsolidierungen zu erwarten, deren Folgen zunehmend an Einfluss auf den weltweiten Anbieter- und Absatzmarkt gewinnen sollten«. Der kontinuierliche Abwärtstrend bei den Stückpreisen habe für einige Hersteller mittlerweile ernsthafte Folgen: »Wegen der teilweise sinkenden Nachfrage und gestiegener Fertigungskosten haben Hersteller in den vergangenen 12 Monaten in einigen Fällen die Produktion bestimmter Oszillator- und Resonatortypen eingestellt.« Das Gleiche gelte auch für einige Halbleiterbausteine, die in in den unterschiedlichsten Oszillatortypen eingesetzt werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde sich dieser Trend im Jahr 2017 fortsetzen.

So war etwa Kyocera über einen langen Zeitraum die einzige Bezugsquelle von Standard-SMD-Keramikgehäusen für Quarze und Oszillatoren, »und demzufolge war die Begeisterung in der Branche groß, als zwei weitere Unternehmen in den Markt einstiegen«. Doch wegen des anhaltenden Preisverfalls und des wachsenden Preisdrucks hält einer dieser Hersteller – NTK – die Produktion dieser Komponenten mittlerweile nicht mehr für wirtschaftlich rentabel und wird daher aus dem Markt aussteigen. Überdies sei zu erwarten, dass auch die steigenden Fertigungskosten in China sowie Wechselkursschwankungen im Laufe des Jahres zu Preis- und damit Kostenerhöhungen führen dürften und sich gegebenenfalls weitere Anbieter zum Ausstieg aus dem Markt veranlasst sehen könnten. Was die Lieferzeiten 2016 und im ersten Quartal 2017 anbelange, habe man »stärkere Volatilitäten« erlebt, was auf eine sehr unterschiedliche Auslastung der marktverfügbaren Fertigungskapazitäten zurückschließen lasse.

Überdies sind derartige Unsicherheiten Dunger zufolge auch ein »geeigneter Nährboden« für Fälschungsaktivitäten: »2017 wird daher für viele Unternehmen – Hersteller und auch Distributoren – die Frage der Rückverfolgbarkeit noch wichtiger werden und die Anzahl der Komponenten, die einer noch genaueren Prüfung unterzogen werden, dürfte weiter steigen.« Bei der Rückverfolgbarkeit verlasse sich die Branche derzeit primär auf die sogenannten Datecodes der Produkte. Damit wird jedoch nicht unbedingt die Produktionscharge identifiziert, sondern nur das letzte Testdatum im Haus des Herstellers. Überproduzierte Ware wird gelagert, erneut getestet und zum Zeitpunkt des Versands markiert. Die Produktionscharge, von der die Teile stammen, »kann damit jedoch möglicherweise nicht eindeutig identifiziert werden«. Zudem werde wegen der wachsenden Miniaturisierung und des daraus resultierenden Platzmangels das Anbringen der Markierungscodes zunehmend problematisch.

Detlev Seiler, Geschäftsführer der Jauch Quartz GmbH, konstatiert für 2016 gegenüber dem Vorjahr eine 10-prozentige Steigerung der Stückzahlen bei nur leichtem Umsatzanstieg. Besser hingegen lief’s dafür bislang 2017: »Das 1. Quartal 2017 liegt in Menge und Umsatz etwa 10 Prozent über dem Vergleichszeitraum 2016.« Für das Gesamtjahr erwarte man letztlich aber nur »leicht steigende Mengen bei konstantem Umsatz«. Zu schaffen machen allerdings die in den letzten Jahren gestiegenen Rohstoffpreise, weil diese Steigerungen »nur teilweise auf die Endprodukte aufgeschlagen werden konnten«. Bezüglich der Lieferzeiten gibt Seiler Entwarnung, derzeit sei keine Allokation bei Frequenzbauteilen zu erwarten: »Wir sehen für neue Bestellungen einen Lieferzeitraum von 6 bis 8 Wochen, bei speziellen Bauteilen sind es 10 Wochen.« Neue Fabs plane Jauch nicht, denn die aktuellen Kapazitäten seien ausreichend.

Was mögliche Herausforderer von quarzbasierenden Taktgebern anbelangt, liegen zumindest »preislich MEMS-Taktgeber annähernd gleich mit Quarz-Oszillatoren«. Von Wireless-Applikationen abgesehen, wo quarzbasierende Resonatoren und Oszillatoren weiterhin bevorzugte Bauteile seien, könnten ansonsten MEMS-Oszillatoren 1:1 in allen Anwendungen zum Einsatz kommen. Dank Schock- und Vibrationsfestigkeit sowie schneller Lieferzeit bei kleinen und großen Stückzahlen seien MEMS-Oszillatoren auf dem Vormarsch und »kein Nischenprodukt mehr, auch wenn ihre Absatzzahlen im Vergleich mit Quarz-Oszillatoren noch sehr gering sind«. Letztlich könnten die Kunden bei vielen Applikationen zwischen Quarz- oder MEMS-Oszillatoren wählen.

Im Unterschied zu Jauch baut Epson derzeit seine Fertigungskapazitäten »für einige Produktgruppen wegen der gestiegenen Nachfrage aus«, sagt Stefan Hartmann, Department Manager QD Department bei der Epson Europe Electronics GmbH. Momentan gebe es bei einigen Typen verlängerte Lieferzeiten, und auf Monatsbasis auch eine zeitweise Verknappung. Deshalb empfehle es sich, auch bei vermeintlichen Commoditys wie Quarzen und Oszillatoren »mit vernünftigem Vorlauf zu disponieren und entsprechende Bedarfe frühzeitig zu forecasten, um Lieferengpässe zu vermeiden«. Bedauerlicherweise hätten sich in den letzten Jahren viele Kunden an recht kurze Lieferzeiten gewöhnt und die Warendisposition entsprechend angepasst. Konnten die Kunden über Jahre von einem »nicht unerheblichen Preisverfall profitieren, scheint dieser sich derzeit etwas zu reduzieren«. Gelassen reagiert Hartmann auf den Herausforderer MEMS, denn kurze Lieferzeiten und programmierbare Oszillatoren seien keine Erfindung der MEMS-Hersteller, zudem blicke man auf »exzessive Felderfahrung mit Langzeiteinsatz« zurück: »Wir sehen MEMS-Taktgeber also nicht wirklich als große Gefahr für den Quarz-Markt.«

Während Geyer Electronic 2016 im Vergleich mit 2015 bei den Umsätzen laut Geschäftsführer Jürgen Reichmann »einen stabilen Verlauf« verzeichnete, gab es im ersten Quartal 2017 »einen steigenden Umsatz mit zunehmender Tendenz für das zweite Quartal.« Weniger zufrieden ist man mit den Margen, weil ein Preisdruck vorhanden sei, »der hauptsächlich von Überkapazitäten« herrühre. Dafür sehe es bei der Liefersituation »generell sehr gut aus, wir können keine längeren Lieferzeiten oder gar Verknappungen erkennen«. Selbst bei kleinen Bauformen bleibe die Lieferzeit im Rahmen von etwa 12 Wochen, »von Allokation sind wir also noch weit entfernt«. Größter Markt für Geyer ist Europa und hier am bedeutendsten Deutschland, aber auch weltweit hat man »wichtige Kunden«.