Interview mit André Engel Mehrfasertechnik ist für 240 GbE gerüstet!

Bild 1: Die Ferrule des MPO-Steckers von tde umfasst 72 Fasern
MPO-Steckverbinder von tde

Die Datenübertragungsraten im Rechenzentrum steigen rasant. Nach Angaben von tde - trans data elektronik - können diese schon bald 240 GbE erreichen. Geschäftsführer André Engel sieht daher keine Alternativen mehr zur Mehrfasertechnik, die sein Unternehmen bereits seit 16 Jahren anbietet.

Markt&Technik: Was sind heute die großen Herausforderungen in punkto Netzwerk-Infrastruktur im Rechenzentrum?

André Engel, tde - trans data elektronik: Erstens spielt der Platzbedarf eine immer größere Rolle. Bei zu geringer Packungsdichte brauchen die Netzwerkkomponenten immer mehr Platz, der aber nicht unbegrenzt vorhanden ist! Diese Situation geht zwangsläufig auch zu Lasten der Energieeffizienz. Nicht umsonst unterstützen wir die Initiative »EU Code of Conduct for Data Center«, einen freiwilligen Verhaltenskodex für mehr Energieeffizienz im Rechenzentrum.

Höhere Packungsdichten lassen sich mit der Mehrfasertechnik MPO/MTP erreichen. Wir sprechen auch von Packungseffizienz. Zweitens schrumpfen die Dämpfungsbudgets mit zunehmenden Datenübertragungsraten. Deshalb muss im Zusammenhang mit der optischen Anschlusstechnik auf eine sehr gute Steckerperformance – also Dämpfung – geachtet werden.

In welchem Bereich bewegen sich die Datenübertragungsraten heute, und mit welcher Steigerung rechnen Sie mittelfristig – also in den nächsten drei bis fünf Jahren?

10 GbE ist in den großen Rechenzentren Standard. Aktuell nehmen Unternehmen immer häufiger auch 40-GbE-Links in Betrieb – und teilweise schon 100 GbE. Diese Übertragungsraten werden dann über die Mehrfasertechnologie realisiert: Es steigt lediglich die Faseranzahl von 12 bzw. 24 Fasern auf 32, 48 und mehr Fasern in einer Ferrule. Seitens der Anschlusstechnik ist das Stand der Technik! Gehen wir von mindestens 10 GbE pro Faserpaar aus, lässt sich schnell errechnen, wohin die Reise geht. 240 GbE und mehr sind schon am Horizont erkennbar.

Welche Multi-Mode-Fasertypen kommen zum Einsatz?

OM3 ist Standard, und zunehmend wird auch OM4 installiert. In Verbindung mit 40/100 GbE können die Standard-OM4-Fasern heute 150 Meter überwinden. Darüber hinaus sind bereits OM4-Plus-Fasern am Markt verfügbar, die erheblich höhere Reichweiten ermöglichen. Hier spielen aber nicht nur die Fasern selbst, sondern auch die Dämpfungswerte aller im Link verwendeten Komponenten eine entscheidende Rolle.

Und welche Nachteile hat die Mehrfaser-Technologie?

Aus unserer Sicht hat die Mehrfaser-Technologie keine Nachteile. Es ist lediglich darauf zu achten, dass die Lieferanten der Netzwerkkomponenten die eng definierten Spezifikationen einhalten. Der Trend geht überall in Richtung Miniaturisierung, deshalb ist die MPO/MTP-Technik auf dem Vormarsch. Sie ermöglicht sehr schnell installierbare Plug-an-Play-Lösungen, die letztendlich auch gehörige Einsparungen bei der Installation bringen. Auch in Harsh-Environment-Anwendungen wird mittlerweile die Mehrfasertechnik eingesetzt.

Es gibt keine sinnvollen Alternativen?

Ich kenne keine. Alle großen Produzenten inklusive der Transceiver-Hersteller haben das Potenzial erkannt und entwickeln auf der Basis der MPO/MTP-Technologie. Auch wenn sogenannte Bidi-Transceiver die Zweifasertechnik mit 40 GbE unterstützen, können Netzwerkadministratoren in der Rückraumverkabelung sinnvollerweise MPO/MTP-Steckverbinder einsetzen.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen