Übertragung von Signalen, Daten und Leistung M23-Hybridstecker: Nischenprodukt oder Trend?

Der »M23-Hybrid«-Stecker ist für Ströme bis 30 A und Spannungen bis 850 V DC bzw. 630 V AC ausgelegt. Das Steckgesicht umfasst neben dem mittig platzierten PE-Schutzleiter jeweils vier Leistungs- und Signalkontakte. Die vier weiteren Datenkontakte sind für eine Übertragung nach Cat.5 ausgelegt.
Der »M23-Hybrid«-Stecker ist für Ströme bis 30 A und Spannungen bis 850 V DC bzw. 630 V AC ausgelegt. Das Steckgesicht umfasst neben dem mittig platzierten PE-Schutzleiter jeweils vier Leistungs- und Signalkontakte. Die vier weiteren Datenkontakte sind für eine Übertragung nach Cat.5 ausgelegt.

Phoenix Contact hat einen neuen Hybrid-Stecker für die Antriebstechnik entwickelt. Gerhard Liewer, Produkt Marketing Manager von Coninvers, spricht im Markt&Technik-Interview über mögliche Applikationen und die hohen Erwartungen an das neue Produkt.

Markt&Technik: Über Hybrid-Steckverbinder und deren Vor- und Nachteile wird in der Industrie seit vielen Jahren diskutiert.  Gibt es heute konkrete Anwendungsmöglichkeiten, bei denen die Vorteile klar überwiegen?

Gerhard Liewer, Coninvers: Ja, typische Anwendungen sind moderne Servomotoren, die heute als Einkabellösung ausgeführt werden können – ohne den klassischen Feedback-Stecker. Um die Geberdaten geschirmt zur Steuerung zu führen, bietet sich der M23-Hybridsteckverbinder mit seiner Cat5-Schnittstelle an. Der Anwender spart sich die Feedback-Leitung und die Steckverbinder an Kabel und Motor.

Durch die eingesparte Geberleitung werden zudem die Kabeltrassen kleiner. Außerdem wird der Konfektionierungsaufwand reduziert, denn die hochpoligen Geberanschlüsse werden durch eine zweiadrige Datenschnittstelle ersetzt. Durch den wahlweisen Einsatz von Buchsen- oder Stiftkontakten in den Gehäusen ist auch ein serieller Geräteanschluss – nach dem Daisy Chain-Prinzip – kein Problem.

Was ist für ihre Kunden der Haupt-Grund, über Hybridschnittstellen nachzudenken?

Das ausschlaggebende Kriterium ist sicher der Wunsch nach einem schnellen und zuverlässigen Anschluss. Denn aus der kombinierten Übertragung von Daten, Signalen und Power resultiert eine signifikante Platz- und Zeitersparnis! Wo jetzt noch drei Steckverbinder eingesetzt werden, kommt künftig nur ein Hybridsteckverbinder zum Einsatz. So können unsere Kunden ihre Maschinen und Anlagen viel schneller montieren und in Betrieb nehmen. Sicherlich ist auch die auf ein Kabel reduzierte Leitungsführung ein interessanter Aspekt.

Kritiker führen aber oft an, dass Hybrid-Stecker nur in Verbindung mit zum Teil sehr teuren und aufwändigen Spezialkabeln zum Einsatz kommen können, was einen Kostenvorteil über den Steckverbinder wieder zu Nichte macht. Außerdem sei die Kabelkonfektionierung sehr zeitintensiv und somit wieder teuer…

Diese Vorbehalte lassen sich am Beispiel eines Servomotors leicht entkräften: Der klassische Anschluss eines Servo-Antriebes besteht ja aus Power- und Geberleitung, die mit jeweils sechs beziehungsweise zehn Einzeladern auf zwei Steckverbindern konfektioniert werden. Dem gegenüber steht ein Hybridsteckverbinder mit insgesamt acht Adern in einem Kabel. Durch einen auf das Polbild abgestimmten Aufbau der Hybridleitung ist die einfache Konfektionierbarkeit sichergestellt. Um Leitungskosten zu reduzieren, kann die Installation bei langen, verketteten Anlagen und Maschinen im Daisy Chain-Verfahren erfolgen – also als serielle Verkabelung von Gerät zu Gerät. Je nach Anwendung werden dann Kabellängen und Kabelwegebau auf einen Bruchteil reduziert.

Ist die Hybrid-Übertragung denn mittlerweile am Markt angekommen?

Ja, der Hybridstecker ist definitiv am Markt angekommen! Nach einer gewissen Zurückhaltung arbeiten mittlerweile viele namhafte Hersteller von Servomotoren an sogenannten ‚Einkabel-Lösungen‘ – und somit werden Hybridsteckverbinder benötigt. Unterstützt wird dieser Trend auch von den Kabelherstellern, die mittlerweile eine Vielzahl an. Hybridleitungen im Angebot haben.

Sie gehen also nicht davon aus, dass der Hybridsteckverbinder ein Nischenprodukt bleiben wird, dessen Einsatz auf wenige spezielle Anwendungen beschränkt bleibt?

Die Automatisierung schreitet – auch gerade im Hinblick auf Industrie 4.0 – in schnellen Schritten voran. Daher werden Applikationen künftig immer häufiger mit intelligenten Steuereinheiten und Antrieben ausgestattet sein. Weil dies nahezu alle Bereiche der industriellen Automatisierung betrifft, eröffnet sich hier ein enormes Anwendungsspektrum für den M23-Hybridsteckverbinder.

Weshalb sind Sie überzeugt davon, dass die Nachfrage nach solchen Steckern künftig steigen wird?

Hier sehe ich in erster Linie die zunehmende Vernetzung von Steuerungs- und Kommunikationssystemen als Grund. Alle großen Unternehmen der Automatisierungsbranche setzen auf eine durchgängige Vernetzung ihrer Produkte. Im Zuge dessen wird der M23-Hybridsteckverbinder in den kommenden Jahren verstärkt Anwendung finden – dessen bin ich mir sicher.

Phoenix Contact ist nicht der erste Anbieter, der Hybrid-Steckverbinder für Einkabel-Verbindungen anbietet. Unterscheidet sich ihr Produkt von den heute verfügbaren Wettbewerbsprodukten?

Da gibt es viele Unterschiede: Zunächst einmal ist da die Kompaktheit, die eine hohe Performance bei kleiner Baugröße ermöglicht. Die Montage ist einfacher, weil unser M23 mit weniger Teilen auskommt als andere am Markt erhältliche Produkte. Darüber hinaus möchte ich hier gerne die hohe Industrie- und Feld-Tauglichkeit durch die robusten 0,8 mm-Datenkontakte sowie die solide 360°-Gesamtschirm-Anbindung mit unabhängiger Datenschirmung anführen. Außerdem bieten wir die Kunststoff-umspritzte Variante des Hybrid-Steckverbinders in gerader und gewinkelter Ausführung an.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen