Franz Binder M12 als Power-Steckverbinder?

Kodierungen bzw. Steckgesichter der verschiedenen M12-Varianten
Kodierungen bzw. Steckgesichter der verschiedenen M12-Varianten

Die Markteinführung des M12-Power-Steckers steht noch am Anfang. Doch die Steckverbinder-Industrie hat die Weichen bereits gestellt, damit sich die M12-Schnittstelle auch für eine kompakte Leistungsversorgung durchsetzen kann, wie Rolf Kunath, Produktmanager bei Franz Binder, zu berichten weiß.

Der M12 ist als genormter Steckverbinder akzeptiert, verbreitet und von vielen Herstellern verfügbar. Durch die Anbietervielfalt sind die Preise für den Anwender attraktiv. »Es war also naheliegend neben der ursprünglichen Sensoranwendung auch nach Lösungen für Datenübertragung und Power zu suchen«, erläutert Rolf Kunath, Produktmanager der Firma Franz Binder. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten des Polbilds beim M12 und der vorgegebenen geometrischen Abmessung hat man die Entwicklungen vorangetrieben und den M12-Steckverbinder Power-tauglich gemacht – und dabei alle Anforderungen hinsichtlich Verstecksicherheit, Luft- und Kriechstrecken, Stromtragfähigkeit, Kabelanschlussmöglichkeiten und Geräte-Integration umgesetzt.

Das Resultat sind Steckverbinder für die Powerübertragung in S- und T-Kodierung. »Bei diesen Produkten hat die Branche weitestgehend einen Konsens gefunden und es gibt mehrere Firmen, die diese Stecker am Markt anbieten«, sagt Rolf Kunath. »Weitere Kodierungen sind allerdings noch unklar.«

Hersteller haben sich weitgehend geeinigt

Da die Normung sowohl für Hersteller als auch für Kunden sehr wichtig ist, wird eine Standardisierung angestrebt. In Bearbeitung ist der Normentwurf IEC 61076-2-111. Genormt werden - wie bereits bei den Sensorsteckverbindern - das Polbild, die geometrischen Abmessungen, die elektrischen und mechanischen Kennwerte sowie die zugehörigen Prüfungen. »Dieser Vorstoß ist sowohl für die Hersteller als auch für die Kunden von großer Bedeutung«, betont Kunath: »Die Hersteller benötigen Investitionssicherheit und die Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass die Produkte unterschiedlicher Anbieter miteinander funktionieren.« Gerade letzterer Aspekt ist und war immer ein großer Vorteil der M12-Schnittstelle, auch gegenüber dem Industrial RJ45, bei dem man sich eben nicht auf ein oder zwei Versionen einigen konnte.

Die T- und S-Kodierung

Der M12-Steckverbinder mit T-Kodierung lässt sich in Anwendungen zur DC-Spannungsversorgung bis 60 V DC /12 A einsetzen. Damit eignet er sich im Wesentlichen für die Niederspannungsversorgung zum Beispiel für Feldbus-Ethernet-Komponenten, passive Verteilerboxen und Netzteile.

Die S-Kodierung ist konzipiert für die AC-Powerversorgung bis 630 V AC/12 A. Damit lässt sich der Steckverbinder in Motoren, Frequenzumrichtern, Motorschaltern und Netzgeräten verbauen. Ersetzt werden können mit diesen beiden Varianten die bisherigen Rechteck- oder Rundsteckverbinder, sofern der M12 Power geeignet ist.

Binder bietet zum Beispiel Steckverbinder in A, S- und T-Kodierung an, die sich zur freien Konfektionierung an unterschiedlichen Power-Kabeln eigenen. Das Besondere ist, dass die neuen geraden und gewinkelten M12-Stecker so ausgelegt sind, dass sie mit oder ohne Aderendhülsen in einem großen Klemmbereich bis 1,5 mm2 geklemmt werden können. Ausgelegt sind die Bauelemente für einen Kabeldurchmesser von 8 bis 10 mm. Damit eigenen sich die M12-Stecker von Binder für die Übertragung von 8 A pro Kontakt (A-Kodierung) oder 12 A pro Kontakt (S- und T-Kodierung).