Interview mit Ulrich Schmidt Lumberg bietet Einpresstechnik nun auch fürs Auto

Anschlussleiste in Einpresstechnik
Anschlussleiste in Einpresstechnik

Mit der Einführung der Einpresstechnik ergänzt Lumberg sein Angebot an Verbindungstechnik für die Automobilbranche. Ulrich Schmidt, Geschäftsführer Technik, spricht über den Vorstoß in dieses spezielle Produktsegment.

Markt&Technik: Sie bauen aktuell die Serienproduktion von Steckverbindern in Einpresstechnik auf. Warum steigen Sie  jetzt in dieses Marktsegment ein?

Ulrich Schmidt: Im überschaubaren Maße ist die Einpresstechnik als lötfreie Verbindung für die Lumberg-Gruppe nichts vollkommen Neues: Seit 1992 haben wir selbst produzierte Einpresskontakte in Ventilsteckern verbaut. Lumberg ist weltweit bekannt als Anbieter von katalogisierten Steckverbindersystemen – vor allem RAST-Steckern – und für die Entwicklung und Fertigung kundenspezifischer mechatronischer Baugruppen. In diesem zweiten, starken Standbein verbauen wir ebenfalls seit vielen Jahren Kontaktelemente in Einpresstechnik, da dies insbesondere bei unseren Kunden der Automobilindustrie stark verbreitet ist.

Die bereits ‚im Stillen‘ angebotene Kompetenz wollen wir nun offensiv dem Markt präsentieren und damit unsere Kompetenz für Kontakierungslösungen aufzeigen. Wird heute im Automotive-Bereich ein Großteil in herkömmlicher Löttechnik verarbeitet, erfahren wir aus den laufenden Gesprächen mit unseren Kunden aus dem Automotive-Markt, dass die Einpresstechnik in den nächsten zehn Jahren noch massiver Einzug halten wird. Es handelt sich um eine anerkannte, sehr robuste, vielfach konfigurierbare und platzsparende Verbindung - zudem ist sie lötfrei, was Produktionskosten reduziert.

Wie wollen Sie vorgehen, um sich als Anbieter im Bereich der Einpresstechnik am Kfz-Markt zu etablieren?

Klar, bei einer sich über 40 Jahre lang bis zur heutigen Reife entwickelten Technik sind wir jetzt nicht als Pionier zu bezeichnen. Unsere Kunden vertrauen jedoch unseren Produkten und Fähigkeiten, was die jüngst aufgelegten hoch-individuellen Anschlussleisten in Einpresstechnik für zwei große Fahrzeughersteller belegen. Wir steigen also in einen Wettbewerb über den guten Namen Lumberg zuerst bei bestehenden Kunden ein.

Wie lange haben Sie den jetzigen Schritt in die Serienproduktion vorbereitet?

Nach den Ventilsteckern der frühen 90er Jahre, wo ja unsere ersten Erfahrungen lagen, haben wir seit einigen Jahren die Weiterentwicklung von Kontakten in Einpresstechnik stetig vorangetrieben. Wir mussten somit nicht bei Null anfangen und sind mit den neuen Kontakten und Geometrien in 0,6 mm und 0,8 mm Materialstärke inklusive der Qualifizierung in zwei Jahren fertig gewesen.

Wie schätzen Sie ihre Markt-Chancen als neuer Anbieter in diesem Bereich ein und welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit der Einpresstechnik?

Zunächst einmal ist die Einpresstechnik ja eine Abrundung unserer breiten Kompetenzen in der elektrischen Kontaktierung. Mit dem vom Markt, hier gerade in der Automobilbranche, abzulesenden Trend der Ablösung der Löttechnik sind wir zuversichtlich, zuerst mit unseren Kunden und parallel mit der Marktdurchdringung wachsen zu können. Gerade auch wenn es um das Projektgeschäft mit Sonderlösungen geht, wo wir elektromechanische Bauteile von hoher Komplexität fertigen.

Langfristig wollen wir neben den kundenspezifischen Lösungen aber auch standardisierte Lösungen in Form von Steckverbinderserien anbieten, wo wir in der Vergangenheit mit namhaften Kunden schon entsprechende Gespräche bis hin zu Laborversuchen zum Beispiel für unser RAST-5-Steckverbindersystem durchgeführt haben.