Das Ariso-System steht zum Einsatz bereit Kontaktlose Nahfeld-Übertragung in der Automatisierung

Ohne mechanischen Kontakt kann der Ariso-Koppler Leistung und Daten im Nahfeld übertragen, wobei er dabei eine sehr große Flexibilität bietet: Die Übertragung kann über verschiedene Abstände und unterschiedliche Winkel erfolgen, sogar ein Versatz ist möglich.
Ohne mechanischen Kontakt kann der Ariso-Koppler Leistung und Daten im Nahfeld übertragen. Der Kunde kann das System Ariso ähnlich wie einen herkömmlichen Stecker in seine Applikation einbinden.

TE Connectivity hat Anfang 2013 erstmals eine Demo-Version eines vollkommen neuen Verbindungssystems für die Automatisierung vorgestellt, das Daten und Energie kontaktlos im Nahfeld übertragen kann. Neu ist nun eine Standard-Variante. Benjamin Mang spricht über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.

Markt&Technik: Als TE vor rund zwei Jahren das Ariso-Steckverbindersystem präsentierte, haben Branchenkenner gemutmaßt, dass es eine ganze Weile dauern wird, bevor das System in die Automatisierung einziehen kann. Was ist seither passiert?

Benjamin Mang, Produktmanager TE: Mit der kontaktlosen Übertragung im Nahfeld haben wir damals ein für uns ganz neues Thema aufgegriffen. Seither ist sehr viel passiert: Wir haben die Technologie weiterentwickelt und die Fertigung aufgebaut. Bereits seit Anfang des Jahres sind wir in Produktion, bislang aber ausschließlich für kundenspezifische Projekte. Parallel dazu haben wir eine Standard-Variante entwickelt, die jetzt am Markt eingeführt wird. Das ist ein ganz wesentlicher Schritt, weil nun die Breite der Kunden die Möglichkeit erhält, das Steckverbindersystem in kleinen – natürlich auch großen – Stückzahlen zu beziehen, um zum Beispiel die Technologie kennenzulernen und für spezifische Einsatzmöglichkeiten zu testen. Die Standard-Variante ist auch über unsere Distributionspartner verfügbar, wodurch wir eine sehr große Marktabdeckung erreichen werden.

Was ist das Besondere an Ariso?

Ohne mechanischen Kontakt kann der Ariso-Koppler Leistung und Daten im Nahfeld übertragen, wobei er dabei eine sehr große Flexibilität bietet: Die Übertragung kann über verschiedene Abstände und unterschiedliche Winkel erfolgen, sogar ein Versatz ist möglich. Unser technologischer Ansatz ist es, dieses System nun kontinuierlich weiterzuentwickeln, in dem wir es z.B. für höhere Leistungen auslegen. Als weiterer wichtiger Schritt soll zudem die Implementierung von Industrial Ethernet erfolgen. Daran arbeiten wir intern bereits.

Wo sehen Sie aktuell ganz typische Einsatzmöglichkeiten?

Zuerst einmal ist das die Anbindung von Sensoren, da hier wenig Leistung und einfache Datensignale zu übertragen sind. Insbesondere eignet sich Ariso für schwierige Umgebungsbedingungen, z.B. mit Verunreinigungen,  Staubbelastung oder austretenden Flüssigkeiten. Denn das System ist im gesteckten – aber auch im ungesteckten Zustand – immer gedichtet. Weil Ariso ohne mechanische Kontakte auskommt, spielt Verschleiß an den Kontakten überhaupt keine Rolle mehr. Das ist in Produktionsumgebungen ein wichtiger Aspekt. Außerdem bietet das System unbegrenzte Steckzyklen.

Ein anderer Vorteil des Ariso-Systems ist, dass es kaum Einschränkungen bei der Design-Freiheit hat, z.B. bei Bewegungen. Rotationen – auch über 360 Grad hinaus – stellen bei der Verbindung kein Problem mehr dar. Außerdem kann man im Vorbeifahren – also on the Fly – Daten und Leistung übertragen. Deswegen eignet sich Ariso in idealerweise zur Anbindung von Sensoren, die sich auf bewegenden Maschinenbauteilen befinden oder für intelligente Werkzeugträger. Ariso kann aber nicht nur klassische Steckverbinder ersetzen. Im Bereich der Rotation ist das System eine Alternative zum Schleifring, der sich zwar hervorragend zur Leistungsübertragung eignet, aber den Trend zu mehr Datenerfassung nur zum Teil unterstützt. Unsere Kunden haben die Erfahrung gemacht, dass Schleifringe hinsichtlich der Datenübertragung in manchen Bereichen kritisch sind.

Es gibt aber noch einen weiteren großen Bereich, den wir mit unserem kontaktlosen Ariso-System adressieren und an den man im ersten Moment wahrscheinlich gar nicht denkt…

…und das sind welche Applikationen?

Es sind viele unterschiedliche Einsatzbereiche, bei denen bislang eine Verbindung überhaupt nicht möglich oder nicht wirtschaftlich war. Steckverbinder unterliegen Restriktionen, wie etwa hinsichtlich der angesprochenen Rotation. Mit dem Ariso-System lassen sich aber auch Verbindungen durch Flüssigkeiten oder im Vakuum herstellen. Außerdem ist es möglich, durch Gehäusewände hindurch die Verbindung aufzubauen. Das ist ein großes Feld, da sich somit z.B. Gesamtsysteme modular aufbauen lassen. Es gab bislang kaum einen Kunden, der im Kundengespräch nicht eigene Ideen oder Einsatzmöglichkeiten für das System in Betracht gezogen hat. Die Kunden haben sofort begonnen, sich eigene Gedanken zu machen, wie sie ganz spezifische Probleme mit dem System lösen können. Dadurch kommen immer mehr neue Anwendungsfelder hinzu.