Interview zur hybriden Übertragung in der Antriebstechnik »Kabel- und Steckerhersteller müssen enger zusammenarbeiten!«

Die hybride Übertragung in der Antriebstechnik steht und fällt mit der Verfügbarkeit der entsprechenden Leitungen. Rainer Rössel, Leiter Geschäftsbereich chainflex von igus, erläutert, worin die Herausforderung besteht, solche zum Teil technisch anspruchsvollen Kabel zu entwickeln und bereitzustellen.

Markt&Technik: Laut einigen Steckverbinderherstellern, mit denen wir in jüngster Zeit über das Thema Hybridtechnik gesprochen haben, war bisher eine Schwachstelle bzw. ein Flaschenhals das Kabel bei der hybriden Übertragung, genauer der oftmals hohe Preis und die Verfügbarkeit des Kabels. Sehen Sie das als Hersteller von Spezialkabeln ähnlich?

Rainer Rössel, igus: Das ist eine interessante Aussage, wobei die Verfügbarkeit nicht an dem Willen gescheitert ist, diese Leitungen zur Verfügung zu stellen, sondern eher an der Unklarheit, welche Hybridleitungen nun die Antriebshersteller tatsächlich einsetzen wollen. Denn eines zeigt sich selbst in der Hybridtechnik ganz deutlich: Es wird genauso viele unterschiedliche Servoleitungen wie in der Vergangenheit geben, weil viele Antriebshersteller mit unterschiedlichen Hauptaderquerschnitten und/oder Bremspaarquerschnitten ihre Ausführungen definieren. Es war auch eine Zeit lang nicht ganz klar, was wirklich benötigt wird. Damit war in der Vergangenheit die Anzahl der am Markt erhältlichen Leitungstypen noch sehr gering. Und auch unabhängig davon war die Anzahl der im Jahr 2013 verkauften Hybridleitungen sehr niedrig, verglichen mit anderen Antriebsleitungen. Das einzige was – zumindest momentan – gleich geblieben ist, ist das Buselement des Systems von Sick, also das geschirmte Buspaar in den Servoleitungen. Erschwerend auf den Erfolg der Hybridtechnik wirkt sich meiner Ansicht aber auch aus, dass die Steckverbinder immer kleiner werden, natürlich auf Wunsch der Antriebshersteller.

Welche Probleme bereitet die Miniaturisierung der Stecker in Bezug auf die hybriden Kabel?

Die elektrischen Querschnitte für die Energieversorgung werden ja nicht kleiner, und auch das Buselement verlangt einen gewissen Raum in den Leitungen. Somit können die Leitungen schon rein physikalisch nicht immer dünner werden. Wenn dann besonders kleine Stecker entwickelt werden, woran relativ dicke Leitungen konfektioniert werden sollen, kann das schon manchmal „interessante“ Züge bekommen.

Arbeiten Sie eng mit den Steckverbinderherstellern zusammen?

Wir arbeiten immer wieder mit Steckverbinderherstellern zusammen, aber nach meiner Meinung noch viel zu wenig. Insbesondere die Zielsetzungen sind sehr unterschiedlich. Steckerhersteller und deren Kunden wollen – was auch völlig verständlich ist – immer kleinere, filigranere Stecker entwickeln und vermarkten. Dagegen spricht die physikalische Tatsache, dass Leitungen aufgrund der elektrischen Querschnitte, aber auch bei Lösungen für mechanisch anspruchsvolle Anwendungen, einen gewissen Platzbedarf haben. Dadurch sind sie meist etwas dicker, als es für besonders kleine Stecker geeignet wäre. Das wird häufig nicht beachtet, wodurch es immer wieder zu Problemen bei der Konfektionierung kommt.

Wie aufwändig ist die Kabelkonfektionierung von Hybridkabeln im Vergleich zur konventionellen Übertragung mit zwei getrennten Leitungen?

An sich ist der Aufwand niedriger als bei den herkömmlichen Aufbauten, weil nur noch die Hälfte der Stecker benötigt werden, auch wenn die Busschnittstelle eine etwas höhere Verarbeitungsgenauigkeit erfordert.