Niedriges Wachstum passiver Bauelemente Im Bedarfssog des Automotive-Marktes

Auch wenn die Erwartungen höher waren – letztlich, so das Fazit für 2015, war es ein solides Jahr.

Als zuverlässiger Konjunktur- und Bedarfsmotor erwies sich trotz des VW-Diesel-Gates auf dem deutschen Markt der Automotive-Bereich. Für die Zukunft setzt die Branche auf ein schnell wachsendes, zusätzliches Bedarfssegment durch IoT-Produkte.

Es ist der fortschreitenden, kontinuierlichen Elektrifizierung Europas und der immer stärkeren Vernetzung in allen Markt- und Applikationsbereichen zu danken, dass sich der deutsche Markt für passive Bauelemente auch im Geschäftsjahr 2015 positiv entwickelt hat. Gleichwohl scheint der Großteil der am deutschen Markt tätigen Spezialisten für passive Bauelemente höhere Erwartungen an das Jahr 2015 gehabt zu haben, als sich dann realisieren ließen.

»Die erste Jahreshälfte entwickelte sich wie erwartet positiv, doch in der zweiten Jahreshälfte war eine generelle Abschwächung erkennbar«, fasst Olaf Lüthje, Vice President Regional Marketing bei Vishay Passives, seine Eindrücke zusammen. Er führt dies unter anderem auf die Marktschwäche in China zurück, »welche die Exporte von Europa nach Asien, besonders im Industriebereich, negativ beeinflusst hat«.

Herausfordernd nennt Oliver Konz, CEO der Würth Elektronik eiSos, das Jahr 2015, das nicht ganz seine Erwartungen erfüllt hat. Trotzdem zeigt er sich zufrieden mit dem Endergebnis: »Angesichts der vielen Unsicherheiten, wie Euro-Schwäche, Niedrigzinspolitik, Grexit-Diskussion, andere Krisenherde in der Welt und die zunehmende Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in China, können wir mit dem Ergebnis dieses herausfordernden Jahres zufrieden sein«.

Von einem guten Start, der eine Umsatzdelle in der Mitte und zum Ende des Jahres folgte, spricht auch Annette Landschoof, Produktmanagerin Katalogredaktion bei Schukat. »Als ein wenig zu hoffnungsvoll« charakterisiert Joachim Pfülb, Vertriebsleiter bei Beck Elektronik Bauelemente, die Erwartungen der Branche an das letzte Jahr. Trotzdem gelang es Beck, den Umsatz 2015 gegenüber dem Vorjahr leicht zu steigern.

Was sich wie Klagen auf hohem Niveau anhört, dürfte vor allem einen Grund haben: der starke Dollar. Hätten die Hersteller und Distributoren die volle Währungsschwankung von 16 bis 17 Prozent gegenüber dem Dollarkurs des Jahres 2014 an ihre Kunden weitergeben, hätte sich das wohl wenig förderlich auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt. So standen erhöhte Euroumsätze, durch gute Exportumsätze, einer gesunkenen Marge bei all denen gegenüber, die den Großteil ihrer Produkte in Dollar einkaufen.

So spricht denn auch Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns, von einem positiven Jahr mit einem guten einstelligen Wachstum für sein Unternehmen in Euro. »Wenn wir das allerdings in Dollar betrachten, sieht es anders aus.« Wie fast alle anderen Befragten merkt auch er an, dass die Lagerbestände im Gefolge der Beinahe-Börsen-Crashs in China im Sommer letzten Jahres zu hoch waren. Mit einem Zeitversatz von etwa einem Viertel Jahr, so die einhellige Auskunft der Branchenkenner, habe sich die Lagerbestände inzwischen wieder normalisiert. Mit einem sich aufbauenden Preisdruck, aufgrund von Überbeständen, sei deshalb für 2016 nicht zu rechnen.

Ausschließen will Marc Reiterer, Regional Director Central Europe bei Avnet Abacus, das für 2016 nicht generell: »Sollten Überbestände auf den Markt geworfen werden, kann das insbesondere bei Commodity-Artikeln zu Dumpingpreisen führen«. Aus seiner Sicht war 2015 ein sehr gutes Jahr. Für Avnet Abacus begründet er diese Aussage mit starker lokaler Präsenz, gepaart mit der globalen Ausrichtung der Avnet Gruppe, die es ermögliche, dem Kunden auch Grenz- oder Kontinent übergreifende Logistikanwendungen anzubieten.

Positiv blickt auch Stefan Sutalo, Marketing Director Passive Components bei Rutronik, auf das Jahr 2015 zurück: »Es gab viele neue Ansätze in den Bereichen Automotive, Smart, IoT und Power«. Erstaunlich war in seinen Augen auch, »dass es in diesem Jahr kein „Sommerloch“ gegeben hat«. Auch bei Endrich Bauelemente zeigt man sich, trotz der von Konz aufgelisteten Herausforderungen des Jahres 2015, mit dem Ergebnis zufrieden: »Grundsätzlich entsprach die Geschäftsentwicklung des letzten Jahres unseren Erwartungen und Zielen«, berichtet Martin Kuntzer, Technical Director des Distributors. Er merkt aber auch an, »dass das 4. Quartal 2015 keine Steigerung gegenüber dem 4. Quartal 2014 aufwies«.