Markt&Technik Forum »Relais« Hohe Rohstoffkosten lassen Relaispreise steigen

Bleibt die Relais-Nachfrage auf dem momentanen Niveau, werden sich die Lieferzeiten von teils über einem Jahr in den nächsten zwei Jahren nicht drastisch verkürzen. Hohe Rohstoffkosten bei Edelmetallen wie Kupfer und Silber verteuern unausweichlich die Relais. »Wir wollen die Preise nicht erhöhen, wir müssen sie erhöhen, wir haben keine andere Chance«, versichert Richard Bayer, Geschäftsführer von Zettler electronics.

Als Folge der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 war auch der Relais-Markt zum Jahresbeginn 2009 eingebrochen und zu einem Käufermarkt geworden. Die Branche hatte sich darauf eingestellt, dass analog zu schon des öfteren erlebten Einbrüchen auch dieses Mal die Nachfrageerhöhung langsam vonstatten ginge. Doch schon im Spätsommer 2009 »stiegen die Lieferzeiten sehr schnell und sehr steil an auf 60 und mehr Wochen, die Fabriken kamen nicht mehr nach mit der Produktion«, sagt Theo Reisel, Vertriebsleiter bei Hongfa Europe. Auf diesen raschen Wechsel hin zum Verkäufermarkt, der das ganze Jahr 2010 über anhielt, hatte sich laut Dr. Christian Veit, Director Marketing EMEA von TE Connectivitys Relais-Gruppe (vormals Tyco Electronics), keiner eingestellt: »Wir konnten nicht erwarten, schon 2010 das Niveau von vor der Krise zu übertreffen.« Anfang 2010 waren die Hersteller - siehe auch das letztjährige Relais-Forum – zudem skeptisch, ob der Aufschwung nachhaltig sein würde, und scheuten zunächst das Risiko, in neue, zudem teure automatische Fertigungslinien zu investieren.

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Markt&Technik-Forum »Relais 2011«

Stimmen vom Markt&Technik-Forum »Relais 2011«

2010 war auch Franz Stangl, Geschäftsführer bei Song Chuan Europe, zufolge »in erster Linie ein Jahr der Beschaffungsschwierigkeiten, wir konnten bei weitem nicht den Bedarf der Kunden bedienen«. Noch deutlicher beschreibt Andreas Deisenrieder, General Manager Sales Germany&European Distribution bei Panasonic Electric Works Europe, die Allokationssituation: »Wir haben nahezu alles verkauft, was die Maschinen ausgespuckt haben.« Dem pflichtet Bayer bei, seien doch nicht nur alle neu produzierten Relais abgesetzt worden, sondern »selbst alte Klamotten, die jahrelang im Lager lagen, sind plötzlich wieder werthaltig gewesen«. Gerade in Zeiten länger andauernder Allokation finde sich also immer irgendwie einen Weg, »Kunden am Leben zu halten, damit keiner Produktionsstillstand hat«. Schließlich sei es bitter, wenn ein Kunde eine 50.000 Euro teure Anlage nicht ausliefern könne, nur weil ein 50-Cent-Relais nicht beschaffbar sei. In so einer Situation rufe er auch schon mal bei einem Mitbewerber an und frage, ob der nicht einspringen könne.

Frank Schiff, Vertriebsleiter bei SHC, das seit Ende letzten Jahres autorisierter Fachdistributor von TE Connectivity ist, beurteilt den »Bedarf durch die Verknappung als extrem hoch und die Nachfrage 2011 sehr positiv« und bedauert, nicht genügend Produkte für die Kunden zu bekommen. »Zu keinem Zeitpunkt« auf Allokation war als einziger die Schweizer Elesta relays, versichert deren Geschäftsführer Dr. Martin Kunschert: »Wir haben die Kapazitäten massiv ausgebaut und dabei das Personal fast verdoppelt.« Längstens mussten Kunden mal 12 Wochen auf die Sicherheitsrelais mit zwangsgeführten Kontakten warten, typisch waren und sind 3, 4 Wochen.

Trägt zur Allokationsproblematik neben den nicht ausreichenden Fertigungskapazitäten auch die Rohstoffsituation bei? »Die Rohstoffbeschaffung ist weiter ein Problem in der Menge und bezüglich des Preises«, sagt Schiff. Evert Groen, bei Finder zuständig für das Produktdaten-Marketing, sieht zwar für den Augenblick »kein Beschaffungsproblem«, bedauert auch die ins »Astronomische« gestiegenen Preise für Kupfer, hält es aber für »noch schlimmer«, wenn man gar kein Material bekommt. Finder benötige für seine Industrierelais im Unterschied zu hochohmigen Printrelais besonders viel Kupfer: »Wenn jemand Kupfer braucht, dann sind wir es.«