Interview mit Jürgen Steinhäuser, Elesta »Ganz ohne Preisanpassung ging es nicht«

Jürgen Steinhäuser, Elesta: "Die günstigeren Preise für die Rohstoffe werden durch die allgemeine Steigerung der Lohn- und Energiekosten aufgezehrt."

Dies bedauert Jürgen Steinhäuser, Vertriebsleiter bei Elesta, einem Schweizer Relais-Spezialisten. Nach der Aufwertung des Franken konnte man durch die LEAN-Aktivitäten und durch Absprachen mit Lieferanten »zwar einiges abfangen, Preisanpassungen aber nicht ganz verhindern«.

Markt&Technik: Hat Sie denn die Entscheidung der Schweizer Nationalbank zu Beginn des Jahres überrascht, die Bindung an den Euro aufzugeben, was dann zu einer Aufwertung des Franken führte?

Jürgen Steinhäuser, Elesta: Die Entscheidung als solche war abzusehen, aber der Zeitpunkt hat uns doch vollkommen überrascht.

Beim Einkauf der Rohstoffe müsste Ihnen aber der gegenüber dem Euro aufgewertete Franken entgegengekommen sein.

Die Rohmaterialien beziehen wir leider nicht als Rohstoff (Erdöl, Kupfer, Silber), sondern veredelt als Legierung in Form von Bandmaterial für Kontaktfedern, Kunststoffteile oder Stanzbiegeteile aus Weicheisen. Die Materialien kommen größtenteils aus dem EU-Raum oder aus der Schweiz. Damit werden die günstigeren Preise für die Rohstoffe durch die allgemeine Steigerung der Lohn- und Energiekosten aufgezehrt. Die zusätzliche Kompensation durch den günstigeren Eurokurs trägt aber sicherlich dazu bei, die Preissteigerungen moderat zu gestalten.

Wie hat sich die Nachfrage im Laufe des ersten Halbjahres entwickelt? Was ist für den Rest des Jahres zu erwarten?

Gegenüber dem Vorjahr war der Jahresbeginn etwas abgeschwächt. Im zweiten Quartal ist eine Belebung da, die sich jedoch aufgrund der Währungssituation eher auf die Stückzahlen auswirkt. Durch die gleichbleibend hohe Anfrage und die daraus sich ergebenden Projekte erwarten wir ein moderates Wachstum im zweiten Halbjahr. Unser Optimismus basiert darauf, dass die Märkte die Währungsturbulenzen auch aus dem Dollarraum verdaut haben und die Nervosität einer realistischen Markteinschätzung gewichen ist. Die Nachwirkungen des ersten Halbjahrs werden im zweiten Halbjahr somit zu einem guten Teil kompensiert, aber dennoch wird der Gesamtumsatz wohl unter den angestrebten Umsatzzielen bleiben.

Gab es bei der Nachfrage unerwartete regionale Durchhänger?

Mit der müßigen Eurodiskussion ist eine Abschwächung in einigen Regionen festzustellen. Gerade in den Ländern, deren Wirtschaft im Begriff war, den Turnaround zu schaffen wie z.B. Spanien, ist die Geschäftsentwicklung verhaltener als angenommen. Ebenso ist Osteuropa etwas schwächer gestartet. In Deutschland sieht es hingegen weiterhin gut aus, und auch die außereuropäischen Märkte entwickeln sich positiv, jedoch auch etwas schwächer als prognostiziert.

Welche Regionen sind die stärksten Umsatzbringer, wo ist das Wachstum am größten?

Immer noch ist die Funktionale Sicherheit eine Kernkompetenz der Länder im Herzen Europas und damit für unsere Relais mit zwangsgeführten Kontakten die wichtigste Region. Wachstum ist in den anderen Regionen weltweit zu erkennen, das europäische Niveau wird jedoch trotz Steigerungen nicht annähernd erreicht.