Vom Aufschwung beflügelt Elektromechanik: Vorkrisenniveau (fast) erreicht

Hartmut Schwettmann, Harting Electric: »Der Absturz des Marktes sowie der rasante Anstieg über einen so kurzen Zeitraum erfordert viel Flexibilität.«

Viele Unternehmen aus dem Bereich Elektromechanik – vor allem deutsche Mittelständler – berichten, dass sie das Jahr 2009 überwunden hätten: Man befinde sich nahezu wieder auf Vorkrisenniveau, sprich auf Rekordkurs.

»In unserer Geschäftsplanung zu Beginn des Jahres hatten wir im Szenario-Management fast alle möglichen wirtschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt – und dennoch wurden wir überrascht!« Hartmut Schwettmann, Mitglied der Geschäftsführung von Harting Electric, betont: »Sollte sich die wirtschaftliche Situation nicht grundlegend ändern, werden wir umsatzmäßig noch in diesem Jahr sehr nahe an das Vorkrisenniveau herankommen.«

Für viele Hersteller elektromechanischer Komponenten hätte das erste Halbjahr 2010 besser nicht laufen können. Die Auftragssituation lag deutlich über dem, was man allgemein erwarten konnte. Nahezu alle Abnehmerbranchen senden wieder positive Signale – aus Sicht von Harting entwickeln sich insbesondere die Verkehrstechnik und der Bereich der Erneuerbaren Energien, speziell die Windenergie, überdurchschnittlich gut.

Die heutige Dynamik am Markt ist für Hartmut Schwettmann, seit vielen Jahren tätig für Harting, ein »noch nie da gewesenes Phänomen am Elektromechanikmarkt.« Und dies bringe große Herausforderungen für die Hersteller mit sich: »Der Absturz des Marktes sowie der rasante Anstieg über einen so kurzen Zeitraum erforderte viel Flexibilität und auch Kreativität in den Firmen. Wer sich darauf einstellen konnte und kann, wird von den Gegebenheiten profitieren.«

Ähnlich sieht das zum Beispiel auch Stefan Wöhr, Mitglied der Geschäftsführung des Familienunternehmens Richard Wöhr: »Alle Zeichen stehen auf Sturm. Das Geschäft läuft hervorragend!« Daran lasse sich momentan nicht rütteln! Die Firma, die im Jahr 2009 nur einen relativ geringen Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich verzeichnen musste, profitiert jetzt vom Aufschwung in voller Breite. »Wir liegen mittlerweile sogar deutlich über dem Rekordjahr 2008«, berichtet Stefan Wöhr. Heute laufen die Baumaßnahmen, um die Fertigungskapazitäten des Unternehmens zu verdoppeln! »Wir gehen davon aus, dass der Aufschwung nachhaltig ist, sonst würden wir nicht in dieser Größenordnung investieren.« Viele Elektromechanikhersteller profitieren davon, dass sie ihr Schwungrad sehr schnell in Gang setzen konnten. Stefan Wöhr nennt dafür auch einen Grund: »Der Elektromechanik-Markt ist geprägt von vielen deutschen, mittelständischen Firmen, die in der Krise auf einen harten Restrukturierungskurs verzichtet haben.« Die Hersteller von Folientastaturen, als ein Beispiel, seien weiterhin sehr solide aufgestellt. »In diesem Segment gab es deshalb kaum eine Marktbereinigung«, berichtet Stefan Wöhr.

Und das trifft trotz der Befürchtungen zu Beginn des Jahres rückblickend auch auf viele andere Segmente des Elektromechanikmarkts zu.