Interview mit Phoenix Contact über Industrie 4.0 Diese Steckverbinder eignen sich für die moderne Automatisierung

»High-Speed«-Applikationen im Industrieumfeld erfordern achtadrige Datenleitungen. Der achtpolige M12-Steckverbinder  mit X-Codierung erfüllt die Übertragungsqualität nach Cat6A und ist damit auch über die nächsten Jahre zukunftsfähig.
»High-Speed«-Applikationen im Industrieumfeld erfordern achtadrige Datenleitungen. Der achtpolige M12-Steckverbinder mit X-Codierung erfüllt die Übertragungsqualität nach Cat6A und ist damit auch über die nächsten Jahre zukunftsfähig.

Im Industrie-Umfeld wird die zu übertragende Datenmenge steigen. Was bedeutet das für die zum Einsatz kommenden Steckverbinder? Bernd Horrmeyer von Phoenix Contact gibt Auskunft über geeignete M12- und RJ45-Stecker-Typen.

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Steckverbinder für Industrie-Applikationen

In Industrie-Applikationen steigen die Datenraten. Das sind Steckverbinder, die heutige und künftige Anforderungen erfüllen.

Wie werden sich die Datenraten im industriellen Umfeld in den nächsten Jahren entwickeln und welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf die Steckverbinder?

Bernd Horrmeyer, Fachreferent für Standardisierung bei Phoenix Contact:Mit der allgegenwärtigen Verbreitung des Industrial Ethernet durch die führenden Konsortien bestimmt auch deren System-Design die Datenraten und die Steckverbinder: Heute sind 100 MBit/s dominierend, wofür der RJ45-Steckverbinder, ungeschützt und in den Gehäusevarianten 1 und 14, sowie der vierpolige M12-Steckverbinder mit D-Codierung zum Einsatz kommen. Für die Faseroptik wird der Steckverbindertyp SCRJ bevorzugt, wegen seiner Eignung für alle Fasertypen, sowie der LC wegen seiner Popularität im kommerziellen Umfeld.

Datenintensive Geräte und die Daten-Aggregation fordern höhere Datenraten, worauf Konsortien wie die PNO und ODVA bereits reagiert und ihre Verkabelungsrichtlinien auf 1 GBit/s erweitert haben. In speziellen Applikationen werden auch heute schon Datenraten von 10 GBit/s erreicht, was in Zukunft sicherlich häufiger der Fall sein wird.

Wie sieht die Verbindungstechnik für 1 und 10 GBit/s in der Industrie-Umgebung aus?

Die Verbindungstechnik bereits heute auf 1 und 10 GBit/s vorbereitet: Künftige Anforderungen können industrietaugliche RJ45-Steckverbinder sowie der neue achtpolige M12-Steckverbinder mit X-Codierung gemäß der Datenübertragungsqualität Cat6A erfüllen. Die Steckverbinder sind am Markt also bereits in vielfältigen Ausführungen verfügbar.

Was sind die einzelnen Applikationen in der Automatisierungstechnik, die für die steigenden Datenraten verantwortlich sind?

Es sind nicht nur die einzelnen Applikationen wie Kameras und andere Teilnehmer, die hohe Datenraten benötigen. Vor allem die zunehmenden Teilnehmerzahlen in einem Netzwerk und die vertikale Integration mit MES- und ERP-Systemen verursachen mehr Traffic. Höhere Anforderungen hinsichtlich der Prozessführung und Dokumentation von Qualitätsdaten für jedes Produkt bei jedem Fertigungsschritt bedingen größere Aufwendungen in den industriellen Kommunikationsnetzwerken. Wir sehen das besonders gut anhand unserer selbst hergestellten Fertigungsautomaten für unsere eigenen Produkte: Je anspruchsvoller Fertigungsplanung und integrierte Qualitätssicherung werden, desto mehr Daten fallen an, die wir dann durch das Netzwerk transportieren müssen.

In aller Munde ist auch Industrie 4.0, also eine vollständige Vernetzung von Automatisierungs- und Prozesstechnologien. Welchen Einfluss hat das auf die Verbindungstechnik? Man kann ja diesbezüglich von einem regelrechten »Hype« sprechen…

…den die Medien inszenieren. Bei aller Aufregung sollten wir vor allem das Potenzial dahinter sehen! Industrie 4.0 ist die Beschreibung vieler Anforderungen, die vielfach seit Jahren bestehen, aber jetzt erst ermöglicht werden – etwa durch neue Technologien, schnelle Netzwerke und kostengünstige Rechenleistung. Basis für das Gesamtkonzept Industrie 4.0 wird eine offene Netzwerkstruktur sein, die mit ihrer Flexibilität und Transparenz, mit leichter Änder- und Erweiterbarkeit sowie mit der Einbindung von Betriebsmitteln mit hohen Datenraten erst die Möglichkeit zur Selbstorganisation schafft. Außerdem muss diese offene Netzwerkstruktur zur Verbesserung der Monitoring- und Diagnose-Funktionen beitragen. Hierfür wird man sich davon verabschieden müssen, das Netzwerk nur für die Teilnehmer auszulegen, die bei der Installation der Maschine oder Anlage bekannt sind. Zukunftssicherheit, Erweiterbarkeit, Modularisierung, höhere Datenraten, all diese Aspekte werden jetzt bei der Netzwerkplanung wichtiger.