Interview mit Andreas Kehl von Phoenix Contact »Die Subventionierung von Rohstoffen in einigen Ländern verschärft die Situation«

Andreas Kehl, Leiter des Bereichs Corporate Purchase
Andreas Kehl, Leiter des Bereichs Corporate Purchase

Für Firmen der klassischen Automatisierung und Verbindungstechnik sind die Beschaffungskosten in die Höhe geschnellt. »Gleichzeitig findet in einigen Ländern eine Subventionierung von Rohstoffen statt, was die Situation weiter erschwert«, verdeutlicht Andreas Kehl, Leiter des Bereichs Corporate Purchase von Phoenix Contact, im Interview.

Markt&Technik: Können Sie kurz erläutern, wie stark Phoenix Contact von den steigenden Rohstoffpreisen betroffen ist?

Andreas Kehl, Phoenix Contact: Wir sind sowohl direkt als auch indirekt von der Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten betroffen: Direkt durch den Einsatz von börsennotierten Rohstoffen, wie zum Beispiel Kupfer, oder auch nicht börsennotierten Rohstoffen, wie Stahl und Kunststoff; indirekt durch steigende Energiekosten in der eigenen Produktion und bei unseren Lieferanten. Aber nicht nur der Preisanstieg ist ein Problem, sondern auch die Volatilität der Märkte. Hierdurch entsteht neben einer Kostenerhöhung auch noch ein nicht zu kalkulierendes Kostenniveau beim Einkauf von Rohstoffen, das in dem Umfang nicht an den Kunden weitergegeben werden kann. Gleichzeitig findet in einigen Ländern eine Subventionierung von Rohstoffen statt, was eine wettbewerbsfähige Kostensituation deutlich erschwert.

Gibt es »Extrembeispiele« von Produkten, bei denen der Rohstoffpreis besonders ins Gewicht fällt und einen großen Teil der Produktionskosten ausmacht?

Diese Beispiele gibt es. Bei einem Großteil unserer Produktpalette ist der Anteil an Rohstoffen beträchtlich. Dass macht die Situation besonders schwer, weil sowohl Volatilität auf der einen Seite und Wettbewerbsverzerrung durch Subventionen auf der anderen Seite ausgeglichen werden müssen. Der Anteil an Rohstoffen in diesen Produkten schwankt zwischen 80 und 90 Prozent.

Wie können Sie auf die Preisentwicklung bei den Rohstoffen reagieren?

Zum einen betreiben wir bei börsennotierten Rohstoffen eine langfristig angelegte Hedging-Strategie, die einen grundsätzlichen Anstieg zwar nicht verhindern kann, aber zumindest die Volatilität dämpfen kann und somit eine verlässliche Kalkulation für eine bestimmte Periode erlaubt.

Zum anderen versuchen wir, bei nicht börsennotierten Rohstoffen eine langfristige Preisvereinbarung mit unseren Lieferanten zu vereinbaren, um auch hier die Volatilität im Rahmen zu halten. Dies wird zunehmend schwerer, weil auch die Lieferanten dem Druck der Preiserhöhung und den schneller werdenden Preiszyklen am Rohstoffmarkt ausgesetzt sind und somit auch nicht mehr bereit sind, langfristige Preisvereinbarungen einzugehen.

Des Weiteren achten wir beim Design der Produkte zunehmend auf die Materialeffizienz, um den Einsatz von teuren Rohstoffen so effektiv wie möglich zu gestalten. Dies ist aber allenfalls eine mittelfristige Strategie, die nicht für das laufende Produktprogramm angewendet werden kann. Gleiches gilt für die Energieeffizienz in der Produktion, wo ebenfalls durch eine Reihe von Maßnahmen der Einsatz von Primär- und Sekundärenergien gesenkt wird.

Was halten Sie davon, den Produktpreis direkt an den Kupferpreis durch entsprechende Verträge zu koppeln?

Sich hierbei nur auf Kupfer und börsennotierte Rohstoffe zu fokussieren, wäre zu kurz gesprungen. Auch nicht börsennotierte Rohstoffe, wie Stahl, Kunststoffe, etc., müssten einer solchen Preisstrategie unterliegen. Nur dann wäre die Wirksamkeit gewährleistet. Es wäre nicht ausreichend, sich nur einen Rohstoff aus der Gesamtanzahl an benötigten Rohstoffen herauszugreifen.

In anderen Branchen ist diese Vorgehensweise aber durchaus üblich.

Zum Beispiel bei Kabeln und Relais ist dies der Fall, in der klassischen Automatisierung und Verbindungstechnik jedoch nicht. Eine solche Preispolitik wird auch immer von der Kundenseite mit geprägt und nicht nur vom Lieferanten, und hier speziell von den Marktführern. Somit müssten auch unsere Kunden, die als Marktführer anerkannt sind, mit einem positiven Beispiel vorangehen und eine solche Preisgestaltung akzeptieren.