Kommentar »Die Oberfläche wird zu sehr vernachlässigt!«

Falko A. Eidner
Falko A. Eidner

»Die Komponentenhersteller müssen wieder zu dem Bewusstsein zurückkehren, dass sich die Funktion der Bauelemente überwiegend in der Oberfläche abspielt«, mahnt Falko A. Eidner, Geschäftsführer der FMB Group.

von Falko A. Eidner, Geschäftsführer der FMB Group

Als Galvanikdienstleister stelle ich zunehmend fest, dass das Wissen um die Funktionalität von Oberflächen nicht mehr so stark ausgeprägt ist, wie es der Branche gut tun würde. Das hat aus meiner Sicht mehrere Hintergründe: Die Galvaniken – und damit überwiegend Lohngalvaniken – haben in den letzten 30 Jahren einen »Dornröschenschlaf« gehalten und sind sich ihres Stellenwerts nicht bewusst.

Die Betriebsgalvaniken dagegen bekommen oftmals nicht die Wertschätzung vom Management entgegengebracht – Stichwort »notwendiges Übel« –, die ihnen eigentlich zustehen würde. Zwar setzt man sich in den Galvaniken der Unternehmen zwangsläufig mit aktuellen Anforderungen der Produktpalette auseinander, langfristige Entwicklungen und weitsichtige Entscheidungen sucht man aber viel zu oft vergebens. Basierend auf meinen Erfahrungen behaupte ich, dass Betriebsgalvaniken bereits nach fünf Jahren veraltet sind und mit der Evolution der Oberfläche nicht Schritt halten können, weil zum Beispiel F&E-Kapazitäten nicht ausreichend gepflegt werden.

Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren ein Investitionsstau aufgebaut. Diesen kann man unter anderem an den langen Lieferzeiten von Bandgalvaniken ablesen, die bis zu 30 Wochen betragen! Es sind schlicht und einfach nicht genügend Kapazitäten aufgebaut worden.

Um wieder zu dem Bewusstsein zurückkehren zu können, dass sich die Funktion der Bauelemente überwiegend in der Oberfläche abspielt, muss sich also einiges ändern. Meine Hoffnung ist, dass Komponentenhersteller künftig wieder enger mit den Stanzereien, Dreherein und Lohngalvaniken zusammenarbeiten - und zwar nachhaltig! Das bedeutet auch, dass die angesprochenen Dienstleister gefördert und in die firmeninternen Entwicklungsarbeiten mit einbezogen werden müssen. Es kann sich aus meiner Sicht für die Hersteller nur lohnen, die technische Evolution noch genauer zu beobachten. Erst dann können die Verantwortlichen entsprechend der Unternehmensphilosophie und Zielsetzung eines Unternehmens auch eine darauf zugeschnittene Oberflächen-Strategie entwickeln. Vielleicht wird das ein wichtiger Baustein sein, um auch in Zukunft eine Antwort auf neue funktionelle Anforderungsprofile zu bekommen.