Kemet »Die Bedeutung von Automotive wird weiter wachsen«

Per-Olof Loof, Kemet:»Wir erzielen heute schon 21% unseres Umsatzes durch Automotive. Neue Themen wie das Connected Car, Advanced Driver Assist oder die Hybridisierung der Fahrzeuge wird diesen Anteil in Zukunft noch weiter wachsen lassen.«

Per-Olof Loof, CEO von Kemet, ist zuversichtlich, dass die Untersuchungen gegen NEC-Tokin in den nächsten Monaten abgeschlossen sind, und die endgültige Integration von NEC-Tokin erfolgen kann.

Mit dem dann über Kondensatoren und EMI-Bauteile hinausgehenden Produktportfolio sieht er Kemet für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet.

Markt&Technik: Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Im Wahlkampf hat er eine Abkehr vom Freihandel propagiert. Denken Sie, das internationale Business wird in Zukunft schwieriger?

Per-Olof Loof: Ich würde sagen, warten wir erst mal ab, was aus den Wahlversprechen wird. Es scheint ja zwei Gruppen zu geben: Die Wahlversprechen, die er einlösen will, und diejenigen, bei denen es ihm offensichtlich doch nicht so ernst ist. Internationaler Freihandel ist auf jeden Fall gut für das Geschäft und die Wirtschaft! Und seien wir mal ehrlich, Investitionen in die Infrastruktur der Vereinigten Staaten von Amerika sind seit langem dringend nötig!

Befürchten Sie, dass sich Handelshemmnisse oder Importzölle negativ auf Ihr Unternehmen auswirken könnten?

Wir sind mit unseren etwas über 9000 Mitarbeitern in Nordamerika, Europa und Asien präsent und produzieren unsere Produkte in diesen drei Regionen in insgesamt 17 Fertigungsstätten. In Sachen Kondensatortechnik bieten wir alle Lösungen aus einer Hand. Wir stehen im Ruf ein Unternehmen zu sein, bei dem man als Kunde einfach und problemlos seine Produkte kaufen kann. Ich denke, diese internationale Präsenz ist für uns ein entscheidender Vorteil, käme es tatsächlich zu Veränderungen im internationalen Handel.

Wie verteilt sich Ihr Umsatz aktuell regional, und welches sind die wichtigsten Abnehmermärkte? Wo erwarten Sie das stärkste Wachstum?

Wir haben eine sehr ausgeglichene Umsatzverteilung. Aktuell entfallen etwa 38% auf Asien, 32% auf Europa, und rund 30% auf den amerikanischen Kontinent. Unser wichtigster Abnehmermarkt ist nach wie vor der Bereich Industrie und Beleuchtung. Er steht für 24% unseres Umsatzes. Auf das Automotive-Segment entfallen 21%, auf Telekommunikation 20%. Computerapplikationen machen bei uns noch 15% des Umsatzes aus. Auf Medizin und Militäranwendungen entfallen 12%. Für uns das kleinste Feld sind inzwischen Consumer-Anwendungen mit 8%. Überaus gute Wachstumschancen sehe ich für uns in Zukunft noch im Bereich Automotive. Allein die Themen Connected Car und Advanced Driver Assist werden in den nächsten Jahren noch mal für ein Wachstum von 20% im Automotive-Bereich sorgen. Denken Sie aber auch an den Mehrbedarf durch die fortschreitende Hybridisierung der Fahrzeuge. Schon heute stecken im Durchschnitt allein 2100 Kondensatoren in einem Auto. Und der Elektronikanteil im Auto wächst weiter kontinuierlich.

Über welche Kanäle erreichen die Produkte Ihre Kunden?

Wir haben weltweit 243 direkte Kunden. Das entspricht einem Umsatzanteil von 56%. Der weitaus größte Teil unserer Produkte erreicht die Kunden über die Distribution, 44% des Umsatzes werden über diesen Kanal erzielt. EMS-Kunden tragen mit 20% zu unserem Umsatz bei, OEMs 36%. Es gibt allerdings regionale Unterschiede in der Distribution. So liegt ihr Anteil in den USA beispielsweise bei 60%. Distribution ist aus unserer Sicht auch ein Long-Tail-Geschäft. Aus diesem Grund brauchen wir leistungsfähige Tools, die es den Kunden erleichtern, unsere Produkte zu ordern und einzudesignen.

Zu diesen Tools gehört seit kurzem auch ComponentEdge, Ihre neueste Suchmaschine. Worin unterscheidet sie sich von vergleichbaren Systemen am Markt?

Es stellt eine umfassende Neukonzipierung unserer bestehenden Suchfunktionen dar. Benutzer können nun über 6,4 Millionen Teilenummern per Stichwortsuche oder mithilfe interaktiver Filter durchsuchen. Darüber hinaus kann ComponentEdge aus 145 verschiedenen Herstellern querverweisen und Preise und Verfügbarkeit von Händlern in Echtzeit darstellen. Diese Suchtechnologie der nächsten Generation bietet unseren Kunden alles, was sie brauchen, um einen Design- oder Kaufwunsch mit nur wenigen Klicks umzusetzen. Technisch auf den neuesten Stand haben wir auch unser Simulations-Tool K-SIM gebracht. Um die Digitalisierung unserer Hilfestellungen bei Auswahl, Kauf und Design-in unserer Produkte noch weiter voranzutreiben, haben wir unseren Senior Vice President Tim Herring mit der zusätzlichen Aufgabe des Chief Digital Officer bei Kemet betraut.