Nicht nur in den Produktionshallen Deshalb gewinnt der M12-Stecker weiter an Bedeutung

Die ständige Weiterentwicklung der M12-Schnittstelle spiegelt sich in den unterschiedlichen Kodierungen wider.
Die ständige Weiterentwicklung der M12-Schnittstelle spiegelt sich in den unterschiedlichen Kodierungen wider.

In der Automobilfertigung und im Maschinenbau hat sich der M12-Stecker seit vielen Jahren unverdrängbar durchgesetzt. Dank diverser Kodierungen gewinnt er aber auch in anderen Applikationen weiter Marktanteile, ob als Highspeed-Datensteckverbinder oder für die Powerversorgung.

Der M12-Steckverbinder zeichnet sich durch seine kompakte Bauart aus. Sein Steckbild ist genormt, er ist weltweit verfügbar. Dass der Stecker robust und industrietauglich ist, steht ohnehin außer Frage. Und auch die Preisentwicklung, die in den vergangenen Jahren nur nach unten gerichtet war, macht die Schnittstelle für die Kunden immer interessanter – auch für Einsatz außerhalb der Produktionshallen.

 Ein Überblick über die verschiedenen Kodierungen

In der Ausführung mit X-Kodierung eignet sich der sonst typische Industrie-Steckverbinder für Highspeed-Datenanwendungen. »Durch die Schirmung der Kontaktpaare im Steckverbinder bietet der X-kodierte M12 sogar wesentlich bessere Voraussetzungen als der RJ45!« Das betont Rolf Kunath, Senior Produktmanager des Steckverbinderherstellers Binder.

Die Kontaktanordnung gewährleistet eine störungsfreie Übertragung. Die hohe Bandbreite wird dadurch sichergestellt, dass vier Paare durch ein Schirmkreuz (daher kommt auch der Name X-Kodierung) übertragungstechnisch voneinander getrennt sind. Diese Kodierung, die der IEC 61076-2-109 entspricht, wird von verschiedenen Ethernet-Nutzerorganisationen wie etwa Profinet für die Breitbandübertragung vorgeschrieben. Damit ist die Zukunft der M12-Schnittstelle über viele Jahre gesichert, denn heute ist die Kat.6a-Übertragung, die mit dem x-kodierten M12 möglich ist, in der Masse der Anwendungen noch gar nicht angekommen. Der Anteil der Kat.6-Steckverbinder wird in den nächsten fünf Jahren zwar steigen, jedoch wird die Kat.5-Übertragung wohl weiterhin dominieren.

Die Datenübertragung nach Kat.5 in industriellen Netzwerken bis 100 MBit/s erfolgt heute über den M12-Steckverbinder mit D-Kodierung. Und auch dieser M12-Typ ist auf dem Vormarsch: »Die Datenkommunikation wird breitbandiger, Ethernet-basierende Verdrahtungslösungen setzen sich zunehmend durch«, erläutert Rolf Kunath. Der M12-Steckverbinder ist prädestiniert für solche Anwendungen. Als einer der größten Anbieter im Bereich der metrischen Rundsteckverbinder bietet Binder unterschiedliche D-kodierte M12-Steckverbinder mit angespritztem Kabel - zum Beispiel in Schutzart IP67 - sowie im Feld konfektionierbare Varianten an.

Durch Trends wie die Smart Factory oder Industrie 4.0, bei denen die Vernetzung aller Automatisierungs- und Prozesskomponenten im Vordergrund stehen, ergeben sich neue Anforderungen an die Steckverbinder. Was aber bedeutet dies für die heute am stärksten am Markt verbreiteten Industrie-Steckverbinder, die M12-Verbinder mit A-Kodierung? Werden diese Marktanteile verlieren? Das Gegenteil ist der Fall. »Gerade weil in Automatisierungsanlagen jetzt und in Zukunft immer mehr überwacht und geregelt werden muss, steigt die Nachfrage. Die Zahl der steckbaren Sensoren und somit der M12-Steckverbinder mit A-Kodierung wird weiter zunehmen.« Und ganz wichtig: »Diese Stecker, die einem Preisverfall unterliegen, werden sich auch in weiteren Branchen zunehmend etablieren«, ist Rolf Kunath überzeugt.

Daneben wird der M12-Steckverbinder auch als Schnittstelle für die Übertragung von hohen Strömen herangezogen werden. »Aufgrund seiner Kompaktheit wird er künftig als Powersteckverbinder ebenfalls eine große Rolle spielen«, prognostiziert der Produktmanager von Binder. Das Unternehmen bietet zum Beispiel seit Kurzem M12-Stecker mit A-, S- und T-Kodierung an, die sich zur freien Konfektionierung an unterschiedliche Power-Kabel eignen. Das Besondere daran ist, dass die neuen geraden und gewinkelten M12-Stecker so ausgelegt sind, dass sie mit oder ohne Aderendhülsen in einem großen Klemmbereich bis 1,5 mm2 geklemmt werden können. Ausgelegt sind sie für einen Kabeldurchmesser von 8 bis 10 mm. Damit eigenen sich die M12-Stecker von Binder für die Übertragung von 8 A pro Kontakt (A-Kodierung) oder 12 A pro Kontakt (S- und T-Kodierung). Zur Reduzierung des Übertragungswiderstands und der Verlustwärme sind die Kontakt-Oberflächen mit Gold beschichtet.